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Neue Angriffe im Libanon: Waffenruhe im Iran-Krieg vor dem Aus

Nach mehreren israelischen Luftangriffen in Beirut, Libanon, steigt Rauch auf, Mittwoch, 8. April 2026. (AP Photo/Hassan Ammar)
Nach mehreren israelischen Luftangriffen in Beirut, Libanon, steigt Rauch auf, Mittwoch, 8. April 2026. (AP Photo/Hassan Ammar) Copyright  AP Photo
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Von Jeremiah Fisayo-Bambi mit AP, AFP
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Der Waffenstillstand im Iran-Krieg ist bedroht, da bei israelischen Angriffen im Libanon mindestens 250 Menschen getötet worden sind - die höchste Zahl an Todesopfern an einem Tag im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah.

Eine zweiwöchige Waffenruhe im US-israelischen Krieg gegen den Iran steht auf der Kippe. Auslöser ist die erneute Schließung der Straße von Hormus durch Teheran – offenbar als Reaktion auf israelische Angriffe im Libanon.

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US-Präsident Donald Trump kündigte an, amerikanische Streitkräfte würden in der Region bleiben, bis der Iran die Vereinbarung vollständig einhält. Noch zu Wochenbeginn hatten sowohl Washington als auch Teheran die Waffenruhe als Erfolg dargestellt.

Die vermehrten israelischen Angriffe auf den Libanon drohen die fragile Vereinbarung nun jedoch zu untergraben. Über 250 Menschen sollen Medienberichten zufolge am Mittwoch im Libanon getötet worden sein.

In einem Beitrag auf seiner Plattform schrieb Trump am frühen Donnerstagmorgen, die US-Militärpräsenz rund um den Iran werde so lange bestehen bleiben, "bis die Vereinbarung tatsächlich eingehalten wird". Sollte das nicht der Fall sein, werde das "Schießen" beginnen – "größer, besser und stärker als je zuvor", so Trump weiter.

Zugleich erklärte er, der Iran werde keine Atomwaffen entwickeln können, und die Straße von Hormus werde "offen und sicher bleiben". Aus Washington hieß es zuvor, eine Schließung der wichtigen Schifffahrtsroute sei "völlig inakzeptabel". Regierungssprecherin Karoline Leavitt bekräftigte, man erwarte, dass der Iran die Passage umgehend wieder öffnet.

Iran wirft den USA vor, die Bedingungen des Abkommens zu verletzen

Teheran wirft den USA vor, gegen die Bedingungen der Waffenruhe zu verstoßen. Iranische Medien hatten am Mittwoch angekündigt, die Straße von Hormus erneut zu schließen – als Reaktion auf israelische Angriffe gegen die Hisbollah im Libanon.

Nach Angaben von Außenminister Abbas Araghchi war ein Ende der Kämpfe im Libanon Teil der Vereinbarung. Diese Darstellung weisen sowohl Israels Premierminister Benjamin Netanjahu als auch US-Präsident Donald Trump zurück. "Die Welt sieht die Massaker im Libanon", schrieb Araghchi auf X.

"Jetzt sind die USA am Zug – und die Welt wird beobachten, ob sie ihren Verpflichtungen nachkommen." Auffällig ist, dass auch Pakistan, das als Vermittler beteiligt war, das Abkommen weiter gefasst sieht: der pakistanische Ministerpräsident Shehbaz Sharif erklärte bei der Bekanntgabe in sozialen Medien, die Vereinbarung gelte "überall – auch im Libanon und darüber hinaus".

Soldaten der libanesischen Armee und Ersthelfer blicken auf eine israelische Drohne, die über dem Ort eines israelischen Luftangriffs in Beirut, Libanon, am Mittwoch, 8. April 2026, fliegt.
Soldaten der libanesischen Armee und Ersthelfer blicken auf eine israelische Drohne, die über dem Ort eines israelischen Luftangriffs in Beirut, Libanon, fliegt, Mittwoch, 8. April 2026. Emilio Morenatti/Copyright 2026 The AP. All rights reserved.

Wie belastbar die Vereinbarung tatsächlich ist, blieb am späten Mittwoch jedoch unklar. Beide Seiten legten die Bedingungen unterschiedlich aus, und Äußerungen aus der iranischen Führung deuten auf erhebliche Differenzen hin. Der Sprecher des iranischen Parlaments Mohammad Bagher Qalibaf bezeichnete geplante Gespräche mit den USA in sozialen Medien als "unvernünftig".

Washington habe drei von zehn iranischen Bedingungen für ein Ende der Kämpfe nicht erfüllt, so Qalibaf. Kritik übte er insbesondere an den israelischen Angriffen auf die Hisbollah. Zudem sprach er von einem Eindringen von Drohnen in den iranischen Luftraum nach Inkrafttreten der Waffenruhe sowie von der Weigerung der USA, in einem endgültigen Abkommen iranische Urananreicherung zu akzeptieren.

182 Menschen durch israelische Angriffe im Libanon getötet

Unterdessen gaben die libanesischen Behörden bekannt, dass bei israelischen Luftangriffen am Mittwoch mehr als 250 Menschen getötet wurden, was die höchste Zahl an Todesopfern an einem Tag im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah darstellt.

In einer Erklärung beschuldigte Ministerpräsident Nawaf Salam Israel, die Situation zu einem Zeitpunkt zu eskalieren, an dem libanesische Beamte sich um eine Verhandlungslösung bemühten, und zivile Gebiete unter "völliger Missachtung der Grundsätze des Völkerrechts und des humanitären Völkerrechts" anzugreifen - Grundsätze, die es ohnehin nie respektiert hat.

Das flüchtige Gefühl der Erleichterung unter den Libanesen nach der Ankündigung der Waffenruhe schlug in Panik um, als das israelische Militär von seinem größten koordinierten Angriff im gegenwärtigen Krieg sprach und sagte, es habe innerhalb von zehn Minuten mehr als 100 Ziele der Hisbollah in Beirut, im Südlibanon und im östlichen Bekaa-Tal getroffen.

Ein Rettungshelfer löscht brennende Autos am Ort eines israelischen Luftangriffs im Zentrum von Beirut, Libanon, Mittwoch, 8. April 2026. (AP Photo/Hussein Malla)
Ein Rettungsarbeiter löscht brennende Autos am Ort eines israelischen Luftangriffs im Zentrum von Beirut, Libanon, Mittwoch, 8. April 2026. (AP Photo/Hussein Malla) Hussein Malla/Copyright 2026 The AP. All right reserved

Schwarzer Rauch türmte sich über mehreren Teilen der Hauptstadt am Meer auf, wo eine große Zahl von Kriegsvertriebenen Zuflucht gefunden hatte, und Explosionen unterbrachen das Hupen des Verkehrs an einem sonst so geschäftigen Nachmittag mit blauem Himmel.

Medienberichten zufolge rasten mehrere Krankenwagen auf offene Flammen zu, als die Wohnhäuser getroffen wurden.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun bezeichnete die israelischen Angriffe als "barbarisch". Das israelische Militär erklärte, es habe Raketenwerfer, Kommandozentralen und Geheimdienstinfrastrukturen angegriffen. Es warf den Hisbollah-Kämpfern vor, sie versuchten, sich in nicht schiitische muslimische Gebiete außerhalb ihrer traditionellen Hochburgen "einzumischen".

Anwohner und lokale Beamte bestritten, dass es sich bei den getroffenen Gebäuden um militärische Einrichtungen handelte.

"Sehen Sie sich diese Verbrechen an", sagte Mohammed Balouza, ein Mitglied des Beiruter Stadtrats, am Ort eines Angriffs in Corniche al Mazraa. Ein Wohnhaus hinter einem beliebten Laden, in dem Nüsse und Trockenfrüchte verkauft wurden, war getroffen worden. "Dies ist ein Wohngebiet. Hier gibt es nichts (Militärisches)."

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei den Angriffen mindestens 890 Menschen verwundet. Insgesamt wurden im Libanon in den gut fünf Wochen seit Ausbruch des Krieges 1.739 Menschen getötet und 5.873 verwundet, so das Ministerium.

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