Südkoreanische Ermittler wollen Hybe-Chef Bang Si-Hyuk wegen mutmaßlichen Anlegerbetrugs beim Börsengang festnehmen – der Fall könnte den K-Pop-Konzern treffen, während BTS wieder auf Tour geht.
Die südkoreanische Polizei beantragt die Festnahme von Bang Si-Hyuk, dem einflussreichen Musikmanager hinter Hybe und dem globalen K-Pop-Phänomen BTS. Hintergrund ist eine ausgeweitete Ermittlung wegen mutmaßlichen Anlegerbetrugs.
Die Behörden in Seoul teilten heute mit, sie hätten die Staatsanwaltschaft gebeten, einen Haftbefehl zu beantragen. Damit verschärft sich ein Verfahren, in dessen Mittelpunkt der Vorwurf steht, Bang habe frühe Investoren vor Hybes Börsengang in die Irre geführt.
Ermittler behaupten, Bang habe im Jahr 2019 Investoren erklärt, das Unternehmen plane keinen Börsengang. Daraufhin sollen sie Anteile an einen Private-Equity-Fonds verkauft haben. Später ging Hybe doch an die Börse. Die Polizei geht davon aus, dass Bang über eine Zusatzvereinbarung zu Gewinnen nach dem IPO rund zweihundert Milliarden Won, also etwa 115,7 Millionen Euro, erhalten haben könnte.
Bangs Anwaltsteam ist auf die Vorwürfe bislang nicht direkt eingegangen, betont aber, er habe „vollumfänglich und durchgehend“ mit den Ermittlern kooperiert und werde das weiter tun. Auch Hybe erklärt, sein Gründer weise jegliches Fehlverhalten zurück.
Der Fall bedeutet für Hybe zu einem heiklen Zeitpunkt eine erhebliche Reputationsbelastung. BTS sind nach einer fast vierjährigen Pause wieder auf die Weltbühne zurückgekehrt. In dieser Zeit leisteten die Mitglieder ihren verpflichtenden Militärdienst in Südkorea ab.
Die Gruppe hat mit ihren Comeback-Auftritten in Seoul und Japan bereits Zehntausende Fans angezogen und startet noch in diesem Monat eine neue Serie von Konzerten in den USA.
Bang gründete Hybe im Jahr 2005 unter dem ursprünglichen Namen Big Hit Entertainment. Beobachter schreiben ihm seit Langem zu, das Unternehmen in einen globalen Entertainmentkonzern verwandelt zu haben. Zur Expansion gehörte 2021 die Übernahme von Ithaca Holdings für rund eine Milliarde Dollar. Damit kamen Künstler wie Justin Bieber und Ariana Grande unter das Dach des Konzerns.
In den vergangenen Jahren geriet der Konzern jedoch intern ins Schlingern. Ein öffentlich ausgetragener Konflikt zwischen Bang und Produzentin Min Hee-Jin über die Kontrolle der Tochterfirma Ador und die Führung der Girlgroup NewJeans landete vor Gericht und machte Bruchlinien in einer der einflussreichsten K-Pop-Agenturen sichtbar.
Angesichts der zunehmenden juristischen Prüfung könnte das Ergebnis der Ermittlungen weitreichende Folgen haben – nicht nur für Bang, sondern auch für Hybes globale Ambitionen, just in dem Moment, in dem das Zugpferd des Konzerns wieder im Rampenlicht steht.