Craft Beer, Klosterbier oder Bierlikör: Den Deutschen kann man bei ihrem Leibgetränk wenig vormachen. Denn sogar Hobbybrauer messen sich in Meisterschaften und Deutschland hält so einige Rekorde. Fünf Brauereigeschichten rund ums beliebte Kaltgetränk.
Die Temperaturen klettern langsam nach oben, die Tage werden länger, der Sommer steht vor der Tür. Für einen lauschigen Abend gemeinsam mit Freunden oder Grillpartys zum WM-Schauen braucht es das richtige Kaltgetränk.
Deutschland rühmt sich als Land des Bieres, das Oktoberfest lockt jährlich Millionen Besucher an, im vergangenen Jahr sollen rund 6,5 Millionen Maß über den Schanktisch gegangen sein. Doch mehr als das Feierabendgetränk gibt es auch in der Brauereikunst Menschen, die besonders viel Wert auf Einzigartigkeit und ausgefallene Geschmäcker legen.
Euronews hat die exklusivsten und verrücktesten Biere und Bier-Ideen Deutschlands recherchiert.
Platz 5 - Deutscher Meister der Hobbybrauer 2025
Deutschland hat den Beinamen "Biernation" ganz klar verdient, denn es gibt neben einer Meisterschaft der Biersommeliers auch eine Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer.
Gewonnen hat dort im vergangenen Jahr Jan Mordhorst, er hat sich gegen etwa 200 andere Hobbybrauer durchgesetzt. "Altbier ist ein anspruchsvoller Stil", erklärt der Gewinner 2025 bei der Siegerehrung. Umso mehr habe er sich gefreut, dass sein Bier den Geschmack der Jury getroffen habe. Das Rezept gibt es nun auch für andere Hobbybrauer ganz zugänglich im Internet zum Nachbrauen.
Das Siegertreppchen ist Mordhorst nicht ganz unbekannt, doch auf den ersten Platz hatte er es 2025 zum ersten Mal geschafft. Dass der Hobbybrauer weiß wovon er spricht, zeigt auch sein besonderer Tipp im Rezept: "Die Würze sollte idealerweise im Fass oder im Druckgärtank vergoren werden. Nach abgeschlossener Reifung wird das Bier vorsichtig von oben mit einem Floating Dip abgezogen und anschließend mithilfe von Gegendruck in die Flaschen abgefüllt. Auf diese Weise erhält man ein besonders klares Bier."
Sein Gewinn: 400 Liter des eigenen Bieres und einen Sachpreis nach Wahl: beispielsweise ein Upgrade der eigenen Brauanlage oder eine eigene Schankanlage im Wert von 2.500 Euro, gestiftet vom Organisator des Wettbewerbs, der Störtebeker Braumanufaktur. Das Bier gibt es im Frühjahr 2026 im Handel.
Im Jahr 2026 soll es für die 10-jährige Jubiläumsedition um Biere im Weizenbock-Stil gehen. Am 5. September 2026 treffen Hobbybrauer und Besucher in Stralsund zusammen. Nur knapp eine Woche später findet in Gräfelfing die Deutsche Meisterschaft der Biersommeliers statt. Das Nationalteam wird dann im kommendem Jahr bei den Weltmeisterschaften in Österrreich antreten.
Das handwerkliche Bierbrauen und damit auch das Wirken der Gemeinschaft der Hobbybrauer zählen übrigens zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands, die Deutsche UNESCO-Kommission hat es 2020 in die Liste augenommen.
Platz 4 - Tradition aus Übersee: Kleinbrauereien entdecken Craft Beer für sich
Craft Beer bezieht sich ursprünglich auf die handwerkliche Braukunst im Vergleich zur großindustriellen Herstellung. Inzwischen geht es allerdings oft auch um unkonventionelle Mischungen aus verschiedenen Hopfen- und Malzsorten, die unter diesem Namen angeboten werden.
Ein Trend, der aus Übersee nach Deutschland geschwappt ist. Denn in den 1930er Jahren gab es ein Verbot, Alkohol herzustellen, zu transportieren und zu verkaufen. Erst mit einem Gesetzesentwurf von 1978 änderte sich das: Amerikanische Staatsbürger durften dann bis zu 100 Gallonen zu Hause brauen. Mikrobrauereien in Hinterhöfen und Garagen legten den Grundstein.
Seit den 2010er Jahren ist die Craft-Beer-Szene auch hierzulande im Kommen, in den vergangenen Jahren boomte sie regelrecht in Deutschland. Dabei geht es oft darum, das alte Produkt Bier neu zu erleben oder zu modernisieren, abzuwandeln. Craft Beer soll über die Grenzen von Pils, Helles und Weizen hinaus gehen. Gerade aufgrund dieser Besonderheiten werden sie allerdings oftmals in kleineren Auflagen produziert und benötigen im Vergleich mehr Hopfen. Das führt zu höheren Kosten beim Endprodukt.
Auch limitierte Sondereditionen sorgen für teilweise extrem hochpreisige Produkte. So bietet die japanische Sapporo-Brauerei beispielsweise Bier an, das aus den Ablegern von Sprösslingen ganz besonderer Gerstenkörner gebraut wurde: Diese haben die Erde auf der Internationalen Raumstation ISS umkreist. Deshalb wurden nur 250 Sechserpacks von "Sapporos Space Bareley" hergestellt, die für jeweils 110 US-Dollar (rund 95 Euro) verkauft wurden. Pro Flasche beträgt der Preis so rund 12 Euro. Ein Sammlerstück.
Aus Deutschland gibt es beispielsweise das Gänstaller Bräu aus dem bayerischen Hallerndorf, das mit dem Gänstaller Onyx - Imperial Stout stolze 20 Euro pro Liter macht. Das Bier wird in der App BeerTasting, wo Nutzer Bewertungen für bestimmte Biersorten abgeben können, für besonders vollmundig und bitter befunden. Es sei sehr opulent und fast schon ölig, eine Geschmacksexplosion.
Platz 3 - Traditionelles Klosterbier: So alt wie die Geschichte
Gebraut wurde schon sehr früh vor allem auch in Klöstern. Bierbrauen gehörte früher wie Brotbacken zum Haushaltsalltag, erklärt beispielsweise das Kloster Andechs auf seiner Webseite. Dort geht man davon aus, dass die Benediktiner, die 1455 zur Klostergründung nach Andechs übersiedelten, bereits umfassende Kenntnisse des Brauwesens mitgebracht hätten.
Einer der späteren Benediktiner, Willibald Mathäser, der im 20. Jahrhundert gelebt hat, erklärte dem Andechser Kloster zufolge den Stellenwert des Getränks: "Bei uns in Bayern ist Bier kein Genuss-, sondern ein Nahrungsmittel. Es ist hergestellt aus Getreide, Hefe und Wasser wie das Brot."
Auch wenn die meisten der Brauereien inzwischen säkular betrieben werden, so gab es eine Zeit, in der das Bier kostenlos an Pilger ausgeschenkt wurde, die auf ihrem Weg des christlichen Glaubens vorbeikamen. Heutzutage sind Klosterbiere wie das des Kloster Andechs oder beispielsweise des Weltenburger Klosters etwas teurer als Standard-Industriepils und positionieren sich im Premium-Segment.
Viele Kloster bieten Rundgänge und Führungen durch die alten Gewölbe, auch einkehren ist oftmals noch möglich.
Platz 2 - Die längste Bierpipeline Deutschlands
Weil für viele Fußball ohne Bier nur halb so schön wäre, hat sich die Brauerei Veltins zur Weltmeisterschaft 2006 etwas Besonderes einfallen lassen. Zur Veltins-Arena in Gelsenkirchen führt eine 5.000 Meter lange Bier-Pipeline, um das Stadion mit dem frisch sprudelnden Getränk zu versorgen.
Nach eigenen Angaben des Stadions werden in vier Kühlzentren in den Arena-Katakomben 52.000 Liter Bier gebunkert. Statt Tausende einzelne Fässer durch das Stadion zu transportieren, floss das Bier direkt durch unterirdische Leitungen bis zu den Zapfhähnen im Stadion. Über Andockstellen gelangt das Bier zu den Zapfanlagen, bevor es in den Bechern der Fußballfans landet.
Pro Spieltag konnten so zehntausende Liter Bier ausgeschenkt werden. Bis heute gilt die Anlage als Symbol dafür, welchen Stellenwert Bier und Fußball gemeinsam in Deutschland haben. 2006 war das europaweit noch eine außergewöhnliche Idee, heutzutage arbeiten moderne Großstadien häufiger mit zentralen Tanks und Leitungssystemen.
Platz 1 - Das teuerste deutsche Flaschenbier
Als eines der exklusivsten und teuersten Flaschenbiere gilt der sogenannte "Schorschbock 57". Die Produktionsstätte dahinter, das Schorschbräu kommt selbstredend aus Bayern – dem Bundesland mit der höchsten Brauereiendichte.
In Oberfranken, unter Getränkeliebhabern auch Bierfranken genannt, hält eine 1.300-Einwohner-Gemeinde sogar einen Weltrekord, der es in das Guinness Buch der Rekorde geschafft hat. Denn auf die Einwohnerzahl von 1.300 Menschen kommen in Aufseß gleich vier eigenständige Brauereien. In der Gesamtregion Oberfranken sind etwa 160 Brauereien beheimatet.
Zurück zum "Schorschbock 57": Was dieses Bier besonders machen soll ist das Eisbock-Verfahren. Hier steht nicht wie sonst oft bei Bier der Hopfen im Vordergrund, sondern Malzaromen. Außerdem fällt Eisbock-Bier durch einen besonders hohen Alkoholgehalt auf, der Schorschbock 57 enthält beispielsweise 57 Prozent Alkohol. "Kleine Schlucke sind empfehlenswert", heißt es deshalb auf der Schorschbräu-Website. Durch die likörähnliche Stärke bleiben geöffnete Flaschen demnach über mehrere Wochen haltbar.
Theoretisch kann aus jedem Bier ein Eisbock werden, wie ein Hobbybrauer im Braumagazin berichtet. "Man friert das Bier ein, entfernt einen Teil des Wassers als gefrorenes Eis und hat ein neues Bier hergestellt: den Eisbock", erklärte Frank Orthmann dort. Durch die Entfernung von Wasseranteilen soll nicht nur der Alkoholgehalt höher werden, sondern auch alle anderen Geschmackskomponenten höher konzentriert sein.
Der berüchtigte Schorschbock 57 vom Original Schorschbräu in Gunzenhausen ist inzwischen ein Luxusgut. Es wird im Internet für 747,50 Euro pro Liter gehandelt. Zu kaufen gibt es Miniaturflaschen mit 0,04 Litern Füllmenge zum Preis von 30 Euro.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel enthält Informationen zu alkoholhaltigen Getränken. Der Konsum von Alkohol kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Ein verantwortungsvoller Umgang wird empfohlen.