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Mussolini-Enkelin gewinnt italienische Version von Big Brother

Mussolini im Jahr 2004 bei der Vorstellung der Liste Alternativa Sociale für die Europawahl, mit der sie ins Europäische Parlament einzog.
Mussolini im Jahr 2004 bei der Vorstellung der Europawahl-Liste Alternativa Sociale, durch die sie einen Sitz im EU-Parlament gewann. Copyright  LUCA BRUNO/AP
Copyright LUCA BRUNO/AP
Von Gabriele Barbati
Zuerst veröffentlicht am
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Alessandra Mussolini hat die italienische Ausgabe von "Big Brother" gewonnen. Die Enkelin Benito Mussolinis war unter anderem für postfaschistische und rechtsextreme Bündnisse politisch aktiv.

Die Enkelin des faschistischen Diktators Benito Mussolini hat am vergangenen Dienstag die Ausgabe 2026 von Grande Fratello Vip, die italienische Ausgabe von Big Brother, gewonnen.

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Mit 63 Jahren gewann Mussolini die Realityshow auf dem italienischen Sender Canale 5, dem Flaggschiffsender der Familie Berlusconi, mit 55,95 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis zeigt, dass sie trotz ihrer umstrittenen politischen Vergangenheit und öffentlichen Wahrnehmung weiterhin auf breite Aufmerksamkeit und Zustimmung bei einem Teil des italienischen Publikums stößt.

„Alle hatten mir gesagt, ich solle es nicht machen“, sagte sie nach ihrem Sieg mit Blick auf die Teilnahme an der Show. „Aber am Ende wisst ihr, was ich antworte: Ich hatte recht“, fügte sie hinzu. Sie gewann ein Preisgeld von 100.000 Euro, das sie zur Hälfte an eine gemeinnützige Einrichtung abführen muss.

„Ich habe unter der Last meines Nachnamens gelitten“, erzählte Mussolini während der sechs Wochen im Promi-Haus. Dort sprach sie von einer schwierigen Kindheit und einem komplizierten Verhältnis zur Familie.

„Ich war im Schwimmbad, und andere Kinder wollten mich unter Wasser drücken, nur weil ich diesen Nachnamen trug“, sagte sie in der Sendung. „Und als wäre das nicht genug, bin ich auch noch die Nichte von Sophia Loren“, so Mussolini im Interview. „In einer Familie wie dieser muss man mit einem gewissen Temperament aufwachsen.“

Sie ist die Tochter von Romano Mussolini, Pianist und Sohn des Diktators und einer der Gründer des Faschismus, Benito Mussolini. Ihre Mutter war Maria Scicolone, Schwester der Filmdiva Sofia, die später unter dem Künstlernamen Sophia Loren berühmt wurde.

Mussolinis Karriere auf Leinwand und Bildschirm

In den siebziger und achtziger Jahren spielte Mussolini in mehreren Filmen mit – darunter in Ettore Scolas Una giornata particolare, in Il Tassinaro an der Seite von Alberto Sordi und in Sabato, domenica e lunedì gemeinsam mit der berühmten Tante. Außerdem hatte sie zahlreiche Fernsehauftritte, beginnend auf der Bühne von Domenica In, der traditionsreichen Familiensendung am Sonntag in Italien.

Zudem posierte sie in den 1980er-Jahren für Fotoshootings unter anderem für die Magazine Playboy und Excelsior, was später im Verlauf ihrer politischen Karriere wiederholt für Diskussionen sorgte. Auch im Unterhaltungsbereich war sie aktiv: In Tokio nahm sie zwei Lieder auf Japanisch auf.

In jüngerer Zeit trat sie in sehr mehreren Unterhaltungssendungen in Italien auf.

Sophia Loren mit ihrer Nichte Alessandra 1967 in Rom
Sophia Loren mit ihrer Nichte Alessandra 1967 in Rom AP Photo

Vom MSI ins Fernsehen: Der Weg der Mussolini-Enkelin

Ihren Rückzug von der Bühne verband sie mit der Wahl ins italienische Abgeordnetenhaus im Jahr 1992 auf den Listen des Movimento Sociale Italiano (MSI), der postfaschistischen Neuauflage der äußersten Rechten in Italien.

Nachdem sich das MSI zur Alleanza Nazionale wandelte und sich vom offen faschistischen Erbe distanzierte, absolvierte Mussolini zwei weitere Legislaturperioden, bevor sie mit dem Parteichef der neuen Formation, Gianfranco Fini, brach. Fini hatte bei einem Besuch in Israel 2003 den Faschismus als „absolutes Übel“ bezeichnet und sich für die Rassengesetze von 1938 entschuldigt.

Mussolini mit Silvio Berlusconi bei der Gründung der Partei Azione Sociale 2007
Mussolini mit Silvio Berlusconi bei der Gründung der Partei Azione Sociale 2007 AP Photo

Mussolini verteidigte entschieden das Erbe ihres Großvaters. Es steht im Mittelpunkt von zwei von ihr veröffentlichten Erinnerungsbüchern: Il gioco del buio (2024) und Benito, le rose e le spine (2025).

2004 zog Mussolini über das Bündnis Alternativa Sociale, dem mehrere rechtsextreme Gruppierungen angehörten, erstmals ins Europäische Parlament ein. Später wurde sie erneut für Forza Italia ins Europäische Parlament gewählt. Zudem saß sie für die Partei im italienischen Senat. Vor einem Jahr wechselte sie schließlich zur rechten Partei Lega.

Die ausgebildete Medizinerin ist mit dem Guardia-di-Finanza-Offizier Mauro Floriani verheiratet und hat drei erwachsene Kinder: Caterina, Clarissa und Romano.

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