Euronews Culture urteilt über die Trikots der Weltmeisterschaft: die schönsten Designs, die größten Mode-Flops auf dem grünen Rasen.
Die Weltmeisterschaft beginnt in zwei Wochen. Es gibt viele Gründe, sich nur mäßig zu freuen – oder sogar hin- und hergerissen zu sein.
Die horrenden Ticketpreise haben bereits Folgen: Der Weltverband steht in den USA unter wachsendem juristischem Druck. Das lässt das gesamte Turnier wie ein elitäres Durcheinander wirken.
Vorbei ist es auch mit der angeblichen politischen Neutralität der FIFA: Präsident Gianni Infantino hat sie mit seiner offensichtlichen Anbiederung an den ersten Träger des FIFA-Friedenspreises, Donald Trump, gründlich beschädigt.
Der iranische Fußballverband erklärt, er könne „der Weltmeisterschaft angesichts der aktuellen geopolitischen Lage und der erneuten „Verteidigungsschläge“ nicht hoffnungsvoll entgegenblicken“.
Mehr als 120 Organisationen haben gemeinsam eine „Reisewarnung“ (Quelle auf Englisch) ausgesprochen, ausgelöst durch das, was sie als „gewaltsames und missbräuchliches Vorgehen der Trump-Regierung in der Einwanderungspolitik“ bezeichnen...
Das ist eine ganze Menge.
Um wieder etwas Normalität herzustellen, hat Euronews Culture die Trikots der 48 teilnehmenden Teams unter die Lupe genommen und geschaut, welche besonders gut und welche eher missglückt sind. Das löst die Probleme nicht, aber vielleicht hilft ein Blick auf die Schnittmenge von Fußballfans und Fashionistas ein wenig beim Abschalten.
TOP: Argentinien – Auswärtstrikot
So spielt man mit Stil. Das ungewöhnliche Design zeigt blaue Blattornamente auf schwarzem Grund, mit Mustern, die von der Fileteado-Kunst inspiriert sind. Der traditionelle Stil mit seinen geschwungenen Linien und strengen Symmetrien prägt in Buenos Aires Schilder, Plakate, Fassaden und sogar Taxis. Ein perfekter Weg, die Kultur der Porteños zu feiern – und zugleich entschlossen und angriffslustig auszusehen.
FLOP: USA – Heimtrikot
Zugegeben, dieses Trikot ist besser als das schlichte weiße Shirt von 2022. Trotzdem wirken die flatternden Rot-Weiß-Streifen für das Co-Gastgeberland etwas zu offensichtlich. Besonders in diesem Jahr, mit all den Flaggen-Feiern zum 250-jährigen Bestehen der USA. Zusammen mit dem Auswärtstrikot voller Sterne ergibt es zwar ein stimmiges Set. Insgesamt schreit das Ganze aber zu sehr nach „250 Freedom“ und „Schaut mal, wie sternenbanner-mäßig großartig ich bin“ für unseren Geschmack.
TOP: Ghana – Heimtrikot
Inspiriert von Anansi, einer Figur aus der westafrikanischen Folklore, die mit Weisheit und List verbunden ist, wirkt dieses Trikot zugleich farbenfroh und raffiniert. Der schwarze Stern in der Mitte und die Risse, die von ihm ausgehen, erinnern an ein Spinnennetz – passend, denn Anansi wird häufig als Spinne dargestellt. Wie das Argentinien-Auswärtstrikot verbindet Ghanas Jersey Tradition und Mode auf überzeugende Weise.
FLOP: Schweden – Auswärtstrikot
Schwedens Auswärtstrikots sind meist spannender als das klassische gelbe Heimshirt, doch dieses Wellenmuster – so dezent es sein mag – bereitet uns eher Kopfschmerzen. Und erinnert uns an Oktopustentakel... Hat gerade jemand Lust auf Pulpo?
TOP: Frankreich – Heimtrikot
Frankreich trifft beim Design fast immer den richtigen Ton, und auch dieses Jahr macht das Team keine Ausnahme. Das Trikot ist weniger flashy als das Euro-2024-Shirt, aber deutlich stilvoller. Das typische Blau kommt diesmal mit einem coolen Zickzackmuster. Der sauber gearbeitete weiße Kragen setzt einen eleganten Kontrast. Und die bronzefarben strukturierten Logos sorgen für zusätzliches va-va-voom. Mühelos elegant.
FLOP: England – Heimtrikot
Eine klare Reminiszenz an die Umbro-Designs der 90er-Jahre: Der Entwurf für 2026 ist zwar kein richtiger Augenschmerz, aber sicher einer der langweiligsten. Und fangen wir gar nicht erst mit der Aufschrift „Happy and glorious“ im Trikot an. England, wir wünschen euch für das Turnier alles Gute, aber wirklich glücklich oder glorreich war es seit dem Sieg von 1966 nicht mehr. Irgendwann muss man es auch gut sein lassen.
TOP: Mexiko – Heimtrikot
Im Gegensatz zu den USA hat Co-Gastgeber Mexiko das Design perfekt getroffen. Die grünen Shirts sind mit einem aztekischen Piedra-del-Sol-Kalender verziert, der sowohl filigran als auch beeindruckend wirkt. Auch der subtile Einsatz der Nationalfarben zahlt sich aus. Bestnote.
FLOP: Brasilien – Auswärtstrikot
Die Position des Wappens ist gelungen, die gelben Abschlüsse stechen hervor. Und es ist erfrischend, einmal ein Shirt zu sehen, das nicht von Adidas oder Nike stammt, sondern in Zusammenarbeit mit der Jordan-Marke entstanden ist. Soweit, so gut. Die schwarz-blauen Grafiken allerdings sehen unweigerlich nach Schweißflecken aus. Das Design soll an die Warnfarben des Pfeilgiftfroschs im Amazonas erinnern – ein spezieller, aber pfiffiger Bezug, der auf symbolischer Ebene funktioniert. In der Praxis überzeugt er uns trotzdem nicht.
TOP: Nigeria – Auswärtstrikot
Nationalfarben? Check. Ein schlichtes, aber markantes Design mit einem stylischen Kragen, der alles zusammenhält? Check. Flammen, die richtig was hermachen? CHECK.
FLOP: Deutschland – Auswärtstrikot
Das letzte Trikot der DFB-Elf aus dem Hause Adidas, bevor Nike 2027 übernimmt, fällt etwas enttäuschend aus. Das Heimshirt zitiert zwar nostalgisch die gelb-schwarz-roten Rauten der frühen 90er-Jahre, doch der Effekt bleibt begrenzt. Das Auswärtstrikot greift das Rautenmuster ebenfalls auf, erinnert aber eher an einen asthmatischen Matrix-Bildschirmschoner. Ein kraftvoller Schlusspunkt für die Partnerschaft mit Adidas wäre schöner gewesen. Stattdessen gibt es nur ein leises Wimmern – und einen insgesamt ziemlich _langweilig_en Auftritt.
Die Weltmeisterschaft beginnt am elf. Juni und läuft bis zum 19. Juli. Ausgetragen wird das Turnier in den USA, in Kanada und in Mexiko.