Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Brenner-Chaos: Gesperrter Alpenpass macht den Süden dicht

Ein Polizist kontrolliert am Freitag, den 14. Mai 2010, in Gries am Brenner im österreichischen Bundesland Tirol eine Ausweichroute von der Brennerautobahn.
Ein Polizist kontrolliert am Freitag, den 14. Mai 2010, in Gries am Brenner im österreichischen Bundesland Tirol eine Ausweichroute von der Brennerautobahn. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die A13 zählt zu den wichtigsten Verkehrsachsen Europas. Allein im vergangenen Jahr nutzten fast elf Millionen Pkw sowie rund 2,5 Millionen Lkw die mautpflichtige Autobahn. Kurz vor der italienischen Grenze wird die Autobahn nun für einen Tag vollständig gesperrt – Anlass ist eine Demonstration.

Die Urlauberroute durch die Alpen gilt ohnehin als gefürchtetes Nadelöhr für Autofahrer. Experten erwarten für das Wochenende ein Verkehrschaos im Vierländereck Deutschland-Österreich-Schweiz-Italien: Eine Sperrung der Brenner-Autobahn legt dort am Samstag teilweise den Verkehr lahm. Grund ist eine Demonstration von Anwohnern, die von 11 bis 19 Uhr dauern soll.

WERBUNG
WERBUNG

Der Tag ist traditionell einer der stärksten Reisetage des Jahres im Süden Deutschlands.

Sogar das Deutsche Auswärtige Amt warnt vor Fahrten über den Brenner – und die Polizeidirektion Oberbayern Süd erwartet den größten Verkehrseinsatz ihrer Geschichte. Sprecher Stefan Sonntag sagte der Bild: "Wir erwarten, dass uns alles trifft, was Richtung Süden will. Es werden mehrere hundert Polizisten im Einsatz sein. Wir raten allen, nicht in den Süden zu fahren, wenn es machbar ist."

Auch Rosenheim und Berchtesgadener Land betroffen

Gesperrt werden die A13 Brennerautobahn zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brenner sowie die B182 Brennerstraße und die L38 Ellbögener Straße – jeweils in beiden Fahrtrichtungen.

Insbesondere Biker weichen neben der alten Brennerstraße B182 auch auf die SS12 in Italien sowie die "Römerstraße" L38 aus. Passieren darf jetzt auf der L38 oder B182 nur, wer ein gebuchtes Ziel entlang der Strecke nachweisen kann. Das Magazin Motorrad empfiehlt, Tirol am kommenden Wochenende als Durchfahrtsroute komplett zu meiden.

Tirol versucht indes, das Verkehrschaos in seinem Bundesland zu begrenzen: Transitreisenden wird empfohlen, am 30. Mai nicht bis an die Tiroler Grenze zu fahren, und bereits frühzeitig großräumig auszuweichen – etwa am Inntaldreieck, bei Rosenheim oder bei Verona.

Für großräumige Umfahrungen wird eine starke Überlastung erwartet. So gilt am Samstag auf den Autobahnen A8 und A93 in den Landkreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land ein Abfahrverbot: Autofahrer dürfen die Autobahn dort nur mit triftigem Grund verlassen.

Auch für regionale Fahrten im südlichen Bayern wird Zurückhaltung empfohlen: Auf den Autobahnen im Großraum südlich von München ist mit zähfließendem bis stillstehendem Verkehr zu rechnen. Fahrten in Richtung Alpen, etwa südlich von München und Memmingen, sollten am Samstag möglichst vermieden werden.

Anwohner wehren sich gegen zunehmenden Verkehr

Nach Angaben des österreichischen Autobahnbetreibers ASFINAG nutzten im vergangenen Jahr fast elf Millionen Pkw und rund 2,5 Millionen Lkw die mautpflichtige Brennerautobahn. An einem Samstag sind dort in der Regel rund 32.000 Fahrzeuge unterwegs.

Seit Jahren nimmt der Verkehr auf der Brennerroute durch Österreich stetig zu. Die Zahl der Lkw hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Anwohner entlang der Strecke klagen über Lärm und Luftverschmutzung.

Beantragt wurde die Demonstration von Karl Mühlsteiger, dem Bürgermeister der österreichischen Gemeinde Gries am Brenner, der die verkehrsgeplagten Anwohner vertritt: "Wenn man Revue passieren lässt, was sich da in den letzten Jahrzehnten abgespielt hat, dann ist das ausgeartet zu einer richtigen Katastrophe für die Bevölkerung", sagte er der Augsburger Allgemeinen. Mittlerweile müsse man fast täglich mit Staus rechnen. "Und da sagt die heimische Bevölkerung mittlerweile zurecht: So kann es nicht mehr weitergehen, wir werden unserer Freiheit beraubt."

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) spricht sich für eine variable Maut im Güterverkehr aus. Das Grundprinzip: In Zeiten hohen Verkehrsaufkommens soll die Maut steigen, in verkehrsärmeren Phasen sinken. Gleichzeitig befürwortet er den sogenannten Brenner-Nordzulauf von München nach Innsbruck, der mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagern soll und für die bayerische Wirtschaft unverzichtbar sei. Zum Neubau der Trasse gehören dabei eine möglichst weitgehend unterirdische Streckenführung, umfassender Lärmschutz sowie der Schutz der Landschaft.

Allerdings kommt das Projekt seit Jahren nur schleppend voran, da der Bundestag bislang nicht über den genauen Streckenverlauf entschieden hat.

Bürgermeister Mühlsteiger sieht auch die bayerische Landespolitik in der Verantwortung: "Dafür braucht man dringend den Nordzulauf in Bayern. Bayern müsste die Bevölkerung in Rosenheim in das Projekt einbinden, nur dann kann es zum Erfolg werden."

Diese Ausweichrouten gibt es

Obwohl auch auf den Ausweichrouten ein deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen zu verzeichnen sein wird, dennoch hier die Tipps vom Automobilclub (ADAC): Als wichtigste Umfahrungsroute nennt der ADAC den Gotthard- und den San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz sowie den Reschenpass.

Der Gotthard-Tunnel zählt zu den bedeutendsten Nord-Süd-Verbindungen durch die Alpen. An stark frequentierten Reisetagen kommt es dort jedoch in normalen Zeiten zu langen Staus vor den Tunnelportalen. Ähnliches gilt für die Strecke über den San-Bernardino-Tunnel, die vor allem für Reisende aus West- und Südwestdeutschland eine mögliche Alternative darstellt.

Der Reschenpass führt über Tirol nach Südtirol und wird von vielen Urlaubern als Alternative zum Brenner genutzt. Allerdings kommt es dort derzeit zu Einschränkungen aufgrund von Bauarbeiten.

Je nach Start- und Zielpunkt kommen außerdem die Felbertauernstraße oder die Pyhrnautobahn infrage. Beide Routen können als Ausweichmöglichkeiten dienen, wenn sich der Verkehr auf den Hauptachsen staut.

Weniger geeignet sind hingegen kleinere Alpenpässe wie das Timmelsjoch. Die Straßen sind teils schmal und steil und nicht für größere Verkehrsströme ausgelegt. Für Wohnmobile gelten dort zudem teilweise Einschränkungen.

Als Ausweichrouten für den Reiseverkehr werden sie daher nicht empfohlen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Österreich: Greenpeace fordert Rücknahme von nach Ungarn geliefertem Asbest-Schotter

Asbest-Alarm: Hunderte Orte im Westen Ungarns mit Asbest verseucht

Rumänien: Drohnenabsturz "volle Verantwortung der Russischen Föderation"