Taiwans Regierung und beteiligte Künstler werfen der Biennale von Gwangju Zensur vor, nachdem sie ihre Schau in „NTMoFA Pavilion“ umbenannt hat.
Man kann es nennen, wie man will – nur nicht mehr „Taiwan Pavilion“.
Die Gwangju-Biennale ist die jüngste Institution, die wegen der Bezeichnung Taiwans in die Kritik gerät. Sie hat den Namen ihres Pavillons von „Taiwan Pavilion“ in „NTMoFA Pavilion“ geändert.
Anders als bei anderen Teilnehmenden, deren Pavillons nach Staaten benannt sind, läuft der taiwanische Beitrag unter dem Namen der veranstaltenden Institution, dem National Taiwan Museum of Fine Arts.
Diese Sonderregelung hat taiwanische Künstlerinnen und Künstler sowie Regierungsvertreter zu Zensurvorwürfen veranlasst. Zugleich rückt sie die Kunstwelt erneut in die heikle Namensfrage rund um Taiwan.
Ein Pavillon unter anderem Namen
In einer Erklärung, die sie am 15. August auf Instagram veröffentlichten, erklärten die zehn beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowie Kurator Chen Hsiang-Wen, das Projekt sei im April noch als „Taiwan Pavilion“ angenommen worden. Erst danach habe die Stiftung den Namen ohne ihre Zustimmung geändert.
Nach ihren Angaben hat das National Taiwan Museum of Fine Arts (NTMoFA) wiederholt gegen die Umbenennung protestiert und das Gespräch mit der Stiftung gesucht.
Sie verurteilten die Entscheidung zudem als Symptom eines politischen Klimas, in dem „diplomatischer Druck und wirtschaftliche Mittel“ eingesetzt werden, um Kunstschaffende zu zensieren.
Das taiwanische Kulturministerium stellt sich hinter die Kunstszene. Es erklärte, der Antrag sei am 2. April als „Taiwan Pavilion“ genehmigt worden; auch eine am 23. April unterzeichnete Vereinbarung führe den gleichen Namen. Bis Juni sei diese Bezeichnung in Gebrauch gewesen, so das Ministerium. Erst dann habe die Stiftung begonnen, von „NTMoFA Pavilion“ zu sprechen.
Die Stiftung der Gwangju-Biennale weist den Vorwurf politischer Zensur zurück. In einer am 19. August veröffentlichten Erklärung spricht sie von einer „administrativen Differenz“ und betont, der Streit berühre weder die Inhalte der Ausstellung noch die Meinungsfreiheit.
Streit um den Namen
China wehrt sich seit Langem dagegen, dass Taiwan unter seinem eigenen Namen auftritt. Europäische Unternehmen und Kulturinstitutionen sind den Vorgaben aus Peking jahrelang gefolgt.
Im Jahr 2002 strichen die Veranstalter der São-Paulo-Biennale den Namen „Taiwan“ vom Pavillon, nachdem China damit gedroht hatte, seine Kunstschaffenden von der Schau abzuziehen. Der taiwanische Künstler Chang Chien-chi reagierte, indem er seine Installation schloss. Künstlerinnen und Künstler aus anderen Ländern gaben Buchstaben von ihren Beschriftungen ab, sodass über der Ausstellung der Delegation schließlich „TAIWAN“ stand.
Früher war Taiwan mit einem nationalen Pavillon auf der Biennale von Venedig vertreten. Unter Druck aus Peking verlor der Beitrag diese Einstufung 2001. Seither richtet das Taipei Fine Arts Museum den Taiwan-Pavillon als Begleitveranstaltung aus.
Ähnlichem Druck ist auch die Wirtschaft ausgesetzt.
Im Jahr 2018 nahmen chinesische Behörden Kontakt zu Dutzenden Fluggesellschaften auf und forderten sie auf, Taiwan auf ihren Webseiten nicht mehr als eigenes Land zu führen. Air France, British Airways und Lufthansa gehörten zu den europäischen Airlines, die ihre Taiwan-Bezeichnungen daraufhin änderten.
Im selben Jahr geriet der Hotelkonzern Marriott in China in die Kritik, weil in einem Kundenfragebogen Taiwan, Tibet, Hongkong und Macao als eigenständige Länder aufgeführt waren. Marriott entschuldigte sich. Nachdem die chinesische Webseite und die App vorübergehend abgeschaltet worden waren, führte der Konzern Taiwan in seinen chinesischsprachigen Angeboten nur noch als „Taiwan, China“.
In Europa schwindet jedoch die Bereitschaft, dieses Spiel mitzuspielen.
Im vergangenen Jahr wies die EU Pekings Behauptung zurück, die UN-Resolution 2758 erkenne Taiwan als Teil Chinas an. In diesem Juli ging das Europäische Parlament noch weiter: In einer Empfehlung zu Ostasien erwähnte es Taiwan 44-mal und bezeichnete die Insel als „zuverlässigen, zentralen demokratischen Partner“ der EU.