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VBM 155 SPH: Neue italienische Artillerie mit bis zu 70 km Reichweite

Eurosatory 2026 im Überblick
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Von Stefania De Michele
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VBM 155 SPH: Das neue italienische Radhaubitzen-System von Leonardo und IDV mit 155/52-Geschütz, zehn Schuss pro Minute, einer Reichweite bis 70 km, und einem automatisierten Turm.

Italien bereitet den Einsatz einer neuen Generation schwerer Radartillerie vor. Sie trägt den Namen VBM 155 SPH, das Kürzel steht für "Self Propelled Howitzer", und entsteht aus der Zusammenarbeit von Leonardo und Iveco Defence Vehicles (IDV). Das System wurde auf der Eurosatory 2026 in Paris erstmals öffentlich gezeigt – zunächst als Modell im Maßstab.

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Das Konzept ist klar: Die Mobilität eines gepanzerten 10x10-Fahrzeugs wird mit einem vollständig automatisierten Artillerieturm und einem 155-mm-/52-Kaliber-Geschütz kombiniert. Der vollständige Prototyp befindet sich in Entwicklung. Die Industrie peilt die ersten Schießversuche bis Ende 2026 an. Die anschließenden Qualifikationstests sind für den Zeitraum 2026 bis 2027 vorgesehen.

Der VBM 155 ist daher noch kein einsatzfähiges System der italienischen Armee, sondern ein Entwicklungsprojekt, das auch auf eine wachsende internationale Nachfrage zielt: auf radgetriebene Selbstfahrlafetten, die sich schnell verlegen, weit entfernte Ziele bekämpfen und die Stellung wechseln, bevor der Gegner reagieren kann.

Ursprung des Projekts: VBM wird zur 10x10-Plattform

Basis des Projekts ist der VBM NG, die neue Generation der gepanzerten Fahrzeugfamilie von IDV. Für den VBM 155 SPH fiel die Wahl auf eine 10x10-Konfiguration, größer als die 8x8-Varianten, die traditionell mit der VBM-Familie verbunden sind.

Auf dieses Fahrgestell wird die HITFIRE 155 (Quelle auf Italienisch), der neue Turm von Leonardo, installiert. Es handelt sich um einen unbemannten Turm, also ohne Personal im Inneren, ausgelegt auf einen automatisierten Ladevorgang und Schussabgabe.

Die Entscheidung für ein Radfahrzeug ist kein Zufall. Die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine haben das Überlebensproblem der Artillerie zurück ins Zentrum gerückt: Drohnen und Aufklärungssysteme können eine Batterie kurz nach dem ersten Schuss orten. Deshalb gewinnt die Taktik „shoot and scoot“ an Bedeutung: feuern und sofort die Stellung wechseln.

Der VBM 155 setzt genau auf diese Kombination aus Mobilität, Automatisierung und schneller Reaktionsfähigkeit.

Kernsystem: Turm HITFIRE 155

Das innovativste Element ist der Turm HITFIRE 155 von Leonardo. Das System nutzt ein 155/52-mm-Geschütz mit einer Kammer von 23 Litern und 48 Drallzügen nach rechts. Das Rückstoßsystem ist so ausgelegt, dass die Kraft unter 55 Tonnen bleibt. Der maximale Rückstoßweg liegt unter 950 Millimetern.

Der Turm wiegt vollständig ausgerüstet weniger als 13 Tonnen. Im Inneren können bis zu 30 Geschosse und 180 modulare Treibladungen aufgenommen werden. So lässt sich die komplette Munition auch mit maximaler Ladung verschießen, ohne sofort nachmunitionieren zu müssen.

Der Ladevorgang ist vollständig automatisiert und erlaubt eine maximale Feuerrate von zehn Schuss pro Minute. Der Turm kann das Rohr zudem auf rund 70 Grad erhöhen.

Bis zu 70 Kilometer: Rolle der Vulcano-Munition

Die Reichweite hängt natürlich vom verwendeten Munitionstyp ab.

Mit weiterentwickelten konventionellen Geschossen und Base-Bleed-Technologie erreicht das System rund 42 Kilometer. Den Leistungssprung bringt die Vulcano-155-Familie von Leonardo: Mit den gelenkten Versionen steigt die Reichweite auf etwa 70 Kilometer.

Das ist wichtig, denn der VBM 155 ist nicht nur eine „Kanone auf Rädern“, sondern ein Feuerknoten, der sich in moderne digitale Führungs- und Informationsnetze einbinden lässt.

Der Turm nutzt eine elektronische NGVA-Architektur. Sie ist für die Integration mit Führungs- und Informationssystemen sowie anderen Plattformen auf dem Gefechtsfeld ausgelegt. Ziel ist es, dem Fahrzeug zu ermöglichen, Zielinformationen schnell zu empfangen, die Schusslösung zu berechnen und das Feuer zu eröffnen – bei minimaler Verweildauer in der Stellung.

Feuern auch in Bewegung

Eines der ehrgeizigsten Technologieziele ist die Möglichkeit, aus der Bewegung heraus zu schießen – mit einem Turm, der auf einem 360-Grad-Bogen arbeiten kann.

Diese Fähigkeit treibt die „shoot and scoot“-Philosophie auf die Spitze: Das System soll nicht nur schnell in Stellung gehen, feuern und wieder abfahren, sondern die Zeit weiter verkürzen, in der das Fahrzeug anhalten und exponiert bleiben muss.

Das System ist zudem so ausgelegt, dass es über ein künftiges, speziell vorgesehenes Logistikfahrzeug nachgeladen werden kann. Automatisierte Ladearme sollen Geschosse und Ladungen direkt in die jeweiligen Munitionslager übertragen.

Fahrzeug mit rund 40 Tonnen und 720 PS

Die verfügbaren Angaben zum Fahrzeug nennen eine Gesamtmasse im Bereich von 37 bis 40 Tonnen bei einer Länge von etwa 11,1 Metern. Der Iveco-Dieselmotor liefert rund 720 PS. In einigen veröffentlichten Spezifikationen wird eine Straßenhöchstgeschwindigkeit von über 100 km/h genannt.

Das große 10x10-Fahrgestell dient nicht nur dazu, den schweren Turm zu tragen. Die Plattform ist als gemeinsame Basis für weitere Systeme gedacht. Das Konzept VBM NG 10x10 ist mit der Entwicklung zusätzlicher Fähigkeiten verknüpft, darunter einer künftigen Version zur Flugabwehr.

Wie viele Soldaten braucht das System?

Die hohe Automatisierung gehört zu den Merkmalen, die das Projekt prägen. Verfügbare Informationen nennen eine Besatzung von zwei Personen, während das System die Lade- und Waffeneinsätze in den unbemannten Turm verlagert.

Im Vergleich zu klassischen Artilleriesystemen bedeutet das einen Paradigmenwechsel: weniger exponiertes Personal, mehr Automatisierung und die Möglichkeit, eine hohe Feuerrate zu halten.

Die Kehrseite ist eine höhere technologische Komplexität. Zuverlässigkeit, Wartung und Logistik werden im Einsatz daher besonders wichtig.

Was kostet der VBM 155?

Hier braucht es eine Präzisierung: Ein Stückpreis für den VBM 155 SPH ist nicht öffentlich bekannt. Das System befindet sich noch in der Prototypenphase, daher gibt es keinen Serienvertrag, aus dem sich ein Preis pro Fahrzeug ableiten ließe.

Es existiert jedoch eine wichtige finanzielle Bezugsgröße für den Markt, in den das neue italienische System vorstoßen will. Das Programm der Armee für eine radgetriebene 155/52-mm-Selbstfahrlafette ist mit insgesamt 1,81 Milliarden Euro veranschlagt. Eine erste Phase über 637 Millionen Euro ist bereits finanziert, wie aus den dazu herangezogenen Parlamentsunterlagen hervorgeht.

Wichtig ist jedoch: Diese Summe entspricht nicht den Kosten des VBM 155 SPH. Das Armeeprogramm ist breiter angelegt und umfasst die Forderung nach einer neuen radgetriebenen Selbstfahrlafette, während der VBM 155 nur eine der industriellen Lösungen ist, die für diesen Markt in Frage kommen.

Industrieprojekt: italienisches Produkt mit Exportambitionen

Der eigentliche Wert des VBM 155 könnte daher auch in der Industrie liegen. Leonardo bringt die Technologie des Turms HITFIRE 155 ein, das Know-how über Geschützrohre und die Vulcano-Munition. IDV steuert die gepanzerte Plattform und Erfahrung mit militärischen Radfahrzeugen bei.

Das Ergebnis ist ein System, das in Italien konzipiert wurde und auf bereits entwickelten Technologien der beiden Unternehmen aufbaut – zusammengeführt in einer neuen Konfiguration. Diese Philosophie verkürzt die Entwicklungszeit. Der Turm HITFIRE wurde bereits getestet, und das automatische Ladesystem entstand in etwa 18 Monaten.

Der nächste Schritt wird entscheidend: Das in Paris gezeigte Modell muss zu einem Fahrzeug werden, das die Erprobung im Feld besteht. Wenn der Zeitplan hält, tritt der VBM 155 SPH zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 in die Phase der Schießtests ein. Erst danach folgen die Qualifikation, ein möglicher italienischer Auftrag und die eigentliche Herausforderung: das neue Artilleriesystem „Made in Italy“ auf die Exportmärkte zu bringen.

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