Ohne offizielle Ankündigung fließen in Moskau und Sankt Petersburg Dutzende Millionen Rubel in die Sanierung alter Luftschutzräume. Der stille Ausbau fällt in eine Zeit, in der ukrainische Drohnen ihre Angriffe auf russisches Gebiet verstärken.
Russland modernisiert weitestgehend unbemerkt Luftschutzräume in Moskau und Sankt Petersburg. Beschaffungsdaten zeigen, dass dafür Dutzende Millionen Rubel für bislang nicht öffentlich angekündigte Reparaturen bereitstehen, während ukrainische Drohnen ihre Angriffe auf russisches Gebiet verstärken.
Staatliche Ausschreibungen, über die unabhängige russische Medien berichten, weisen im frühen September 39 Millionen Rubel (400.000 Euro) für die Sanierung von neun Anlagen in drei Bezirken der südwestlichen Verwaltungsregion Moskaus aus. Dort sitzen zahlreiche Forschungsinstitute und Rüstungsunternehmen.
Die Arbeiten sollen bis zum 30. November abgeschlossen sein. Sie betreffen die Eingänge, Innentrennwände, Türen und Versorgungssysteme wie Wasser, Strom, Abwasser, Belüftung und Kommunikation.
Weitere Mittel sind für Schutzräume im östlichen Moskauer Bezirk Nowogirjewo vorgesehen. In Neu-Moskau ist eine umfassende Generalüberholung eines 1971 errichteten Bunkers geplant, der über ein eigenes Diesel-Kraftwerk verfügt.
Bereits zu Beginn des Sommers veröffentlichte die Stadt Ausschreibungen über 200 Millionen Rubel (2 Millionen Euro) für Reparaturen an Schutzräumen in 17 Bezirken, vor allem im Osten Moskaus.
In Sankt Petersburg suchte der Metro-Betreiber Anfang September einen Auftragnehmer für den Bau von Luftschutzräumen an neun Stationen, vier Streckenabschnitten und entlang von 35 Kilometern Gleis.
Das Projekt sieht eine großangelegte Anpassung sowohl laufender als auch noch nicht fertiggestellter Stationen an die Anforderungen des Zivilschutzes vor, etwa durch Luftfilterung und Systeme zur Versorgung mit Druckluft.
Viele Schutzräume in Russland in die Jahre gekommen
Der Kreml bekommt die ukrainischen Angriffe auf Energie- und Wirtschaftsstandorte immer stärker zu spüren. Kyjiw versucht, Russlands Kriegsmaschinerie möglichst weitgehend ihrer finanziellen Basis zu berauben.
In der Nacht zu Sonntag trafen ukrainische Drohnen die Raffinerie im Moskauer Stadtteil Kapotnja. Wegen Bränden in zentralen Ölverarbeitungseinheiten musste der Betrieb nach Berichten vor Ort gestoppt werden.
Im August erklärten der ukrainische Raketenentwickler FirePoint und der ehemalige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, die ukrainischen Streitkräfte könnten Moskau bis Jahresende mit neuen ballistischen Raketen angreifen.
"Moskau sollte keine gestaffelten Luftverteidigungsringe aufbauen, erst recht nicht auf Kosten anderer Regionen, sondern seinen brutalen Krieg beenden und sich für Frieden entscheiden", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
"Auf dem Tisch liegen Schritte zur Deeskalation: im Energiebereich, bei der Ernährungssicherheit. Was fehlt, ist der politische Wille."
Die Zivilschutzinfrastruktur in Moskau und Sankt Petersburg stammt größtenteils aus dem 20. Jahrhundert. Sie umfasst Kommandobunker für die Kommunikation von Regierung und Militär sowie Massenunterkünfte für die Bevölkerung, unter anderem in der Metro.
Neuere Bestandsaufnahmen in Sankt Petersburg zeigen, dass viele Schutzräume renoviert werden müssen. Ein erheblicher Teil der Kellerräume in Wohnhäusern gehört inzwischen privaten Eigentümern.
Die U-Bahnen der Ukraine, vor allem in Kyjiw, Charkiw und Dnipro, dienen seit Beginn der russischen Großinvasion Anfang 2022 rund um die Uhr als Luftschutzbunker. Bei den nahezu täglichen Luftangriffen Moskaus suchen dort jeweils Zehntausende Menschen Schutz.
In Frontregionen ohne Metro entstanden eigens gebaute unterirdische Schulen, damit Kinder weiter am Unterricht teilnehmen können. Das öffentliche Bildungssystem der Ukraine ist wegen der anhaltenden Gefahr russischer Luftangriffe zusätzlich weitgehend auf Fernunterricht umgestellt.