Am Mittwoch blieb das Wahrzeichen Roms für Besucher geschlossen, nachdem ein 22-jähriger Facharbeiter bei einem Sturz tödlich verunglückte.
In der Nacht zu Mittwoch ist ein Facharbeiter, der eine neue Beleuchtungsanlage am Kolosseum in Rom montierte, aus rund zehn Metern Höhe abgestürzt und noch am Unfallort gestorben. Der Arbeitsunfall im Inneren des antiken Amphitheaters im Zentrum von Rom hat Italien schockiert.
Der Kulturminister Alessandro Giuli ordnete noch in der Nacht an, alle Baustellen am Kolosseum bis auf Weiteres zu stoppen.
Der Direktor des Archäologischen Parks des Kolosseums, Simone Quilici, ließ am Morgen das Amphitheater schließen. Touristinnen und Touristen, die für heute ein Ticket gekauft hatten, wurden informiert.
Tödlicher Sturz im Kolosseum: Was bisher bekannt ist
Das Opfer hieß Andrea Moretti, war 22 Jahre alt und arbeitete als Industriekletterer. Er lebte im Ortsteil Tottea in der Gemeinde Crognaleto in der Provinz Teramo.
Der Unfall ereignete sich gegen halb eins in der Nacht. Die Reanimationsversuche der Notärzte des Rettungsdienstes Ares 118 blieben erfolglos.
Das Verfahren nach den Arbeitsschutzvorschriften liegt in den Händen des stellvertretenden Staatsanwalts Antonino Di Maio und richtet sich derzeit gegen Unbekannt. Die Ermittlungen führen die Carabinieri. Sie sichern zahlreiche Unterlagen, um mögliche Verantwortlichkeiten zu klären.
Nach ersten Rekonstruktionen wurde das Opfer mit Sicherheitsgurt, aber ohne eingehängtes Seil aufgefunden. Das Seil scheint nicht gerissen zu sein. Auch dazu soll ein technisches Gutachten die genauen Unfallabläufe klären.
Zum Zeitpunkt des Unfalls waren im Baustellenbereich noch zwei Mitarbeiter, darunter der Schwager des Opfers. Die Ermittler haben beide bereits vernommen.
Medienberichten zufolge haben die Behörden zudem umfangreiche Unterlagen sichergestellt, darunter die Ausschreibungsunterlagen, bei der Verwaltung des Archäologischen Parks des Kolosseums.
Geprüft werden auch Ausbildung und Sicherheitsunterweisungen der Arbeiter, die seit Monaten an den Vorbereitungen für die für den 9. Oktober geplante Einweihung beteiligt sind.
Warum das Kolosseum weiter geschlossen bleibt
"Auf Anweisung von Kulturminister Alessandro Giuli haben wir die Schließung des gesamten Parks und die Aussetzung aller laufenden Arbeiten im gesamten Gebiet des Kolosseums beschlossen", erklärte der Direktor des Archäologischen Parks, Simone Quilici, nach einer Inspektion der Stätte.
"Diese Schließung am Morgen ist vor allem nötig, um Menschen, die noch keine Mitteilung erhalten konnten, den Zutritt zu ermöglichen und so den Besuch für rund 6.500 Personen zu sichern. Alle anderen werden im Voraus informiert", fügte er hinzu.
Die Entscheidung bestätigte auch der Minister: "Wir haben in der Nacht eine kontrollierte Schließung des Kolosseum-Parks angeordnet. Und ein Blumenkranz, wie er zur Andacht geplant ist, wird nicht in wenigen Minuten improvisiert", sagte Kulturminister Alessandro Giuli am Kolosseum. An diesem Ort ist ein Kranz für den in der Nacht verunglückten Arbeiter niedergelegt wurde.
Und weiter: "Wir haben sofort beschlossen, diese Tragödie würdevoll zu markieren, und wir wollen nicht, dass sie sich wiederholt. Wir werden alles tun, damit die Wahrheit ans Licht kommt und ein solcher Unfall nie wieder geschieht."
In einer Mitteilung kritisiert die Basisgewerkschaft USB, die Entscheidung sei keineswegs so rasch gefallen: "Der Minister hat die Schließung erst nach dem Eingreifen der Gewerkschaft und einer Forderung der Betriebsräte des Archäologischen Parks angeordnet. Ein verspätetes Handeln, das nur dank der Empörung und des Protests der Beschäftigten zustande kam, die würdevoll reagiert haben."
Weiter heißt es: "Wie bereits im Palast von Caserta, an Castel Sant’Angelo und an der Torre dei Conti versucht das Kulturmanagement, den Eindruck zu erwecken, dass die 'Show' immer weitergehen müsse – selbst angesichts von tödlichen Arbeitsunfällen. Jetzt, da die Beschäftigten mit ihrer Forderung nach einer Schließung aus Trauer Gehör gefunden haben, muss die Sicherheit der Beschäftigten höchste Priorität bekommen. Besonders bei den vielen Hinweisen, die wir als USB bereits zu den Arbeits- und Dienstleistungsaufträgen für das Kolosseum und das Ministerium vorgebracht haben."
Regierungschefin Giorgia Meloni äußert Beileid
"Die Nachricht vom tragischen Tod von Andrea Moretti, einem Facharbeiter, der in der vergangenen Nacht infolge eines Unfalls am Kolosseum ums Leben gekommen ist, trifft uns und erfüllt uns mit tiefer Trauer. Ich möchte der Familie, den Angehörigen und seinen Kolleginnen und Kollegen in diesem äußerst schwierigen Moment mein Beileid und meine Anteilnahme aussprechen. Zugleich hoffe ich, dass die Vorgänge so schnell wie möglich vollständig aufgeklärt werden", erklärte die Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Sie fügte hinzu: "Mit 22 Jahren zu sterben ist inakzeptabel – erst recht, wenn es am Arbeitsplatz geschieht. Auch im Namen von Andrea werden wir unseren Beitrag leisten, uns engagieren und alles tun, damit sich ähnliche Tragödien nicht mehr wiederholen."