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Olivenernte im Kolosseum: Roms Rückkehr zur urbanen Landwirtschaft

Olivenbäume am Kolosseum
Olivenbäume am Kolosseum Copyright  Euronews
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Von Stefania De Michele & Fanuel Morelli
Zuerst veröffentlicht am
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Zwischen den Ruinen des Kolosseums werden wieder Oliven geerntet: Rom entdeckt seine landwirtschaftliche Seite neu und macht aus einem alten Kulturgut ein Symbol städtischer Identität.

Im Herzen des archäologischen Parks des Kolosseums, zwischen Säulen, Ruinen und dem ständigen Kommen und Gehen von Touristen aus aller Welt, wird die Olivenernte zu einem immer sichtbareren und symbolträchtigeren Bild. Unter den Olivenbäumen sind grüne Netze gespannt, die die herabfallenden Früchte auffangen, während sich Kiste um Kiste füllt und sich die Arbeit in die einzigartige Kulisse der archäologischen Stätte einfügt. Es ist ein Bild, das Archäologie und Landwirtschaft miteinander verbindet: Hände arbeiten zwischen den Zweigen, dahinter ragen die wohl berühmtesten Steine der Welt auf.

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Die Olivenbäume sind hier kein dekoratives Detail, sondern ein lebendiger Teil der Landschaft. Genau an diesem Ort, zwischen Land und Stadt, setzt das Projekt "Olio di Roma g.g.A." an. Es steht für eine Entwicklung, die die Landwirtschaft wieder stärker in das urbane Gefüge der Hauptstadt zurückholen und ihre produktive Dimension neben der historischen und monumentalen neu sichtbar machen soll.

Olivenbäume an den ikonischen Orten Roms

Die Idee folgt dem Prinzip einer umfassenden Wiederentdeckung. Im Blick stehen nicht nur große landwirtschaftliche Flächen am Stadtrand, sondern auch Parks, historische Villen und städtische Räume, in denen Olivenbäume seit Jahren still präsent sind. Die vom Campidoglio angestoßenen Arbeiten umfassen eine systematische Erfassung des Baumbestands in der Stadt. Bereits begonnen wurde unter anderem in der Villa Glori, in der Villa Chigi, in Bereichen des Kolosseumsparks sowie in zahlreichen Grünanlagen der Stadtviertel.

Wie Roms Umweltstadträtin Sabrina Alfonsi erklärt, entstand die Idee aus dem Bedürfnis, die Stadt auch über ihre landwirtschaftlichen Spuren zu lesen - Spuren, die oft verborgen, aber nach wie vor lebendig seien.

"Die Olivenernte im Park des Kolosseums war eines der ersten starken Signale. Von dort aus begann die Kartierung der Olivenhaine in der Stadt: ein Projekt, das die Villa Glori, die Villa Chigi und viele andere Grünflächen einbezog, in denen Olivenbäume vorhanden, aber oft vergessen waren. In der Villa Glori haben wir etwa 400 Olivenbäume wiederhergestellt, und wir werden auch in anderen Gebieten tätig, denn diese Bäume erzählen von einer weit verbreiteten landwirtschaftlichen Geschichte der Stadt."

Die Olivenernte im archäologischen Park des Kolosseums
Die Olivenernte im Archäologischen Park des Kolosseums Euronews

Europäischer Rekord zwischen Feldern und Urbanisierung

Hinter dieser Initiative steht auch ein umfassenderes Stadtbild. Rom wird als ein System verstanden, in dem Natur, Landwirtschaft und Urbanisierung in einem besonderen Gleichgewicht koexistieren - auch wenn das nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Zahlen sind bezeichnend: Etwa ein Drittel des Stadtgebiets ist grün, ein Drittel landwirtschaftlich genutzt und ein Drittel urbanisiert. Allein im Stadtgebiet gibt es rund 2.200 landwirtschaftliche Betriebe. Dieses Erbe macht Rom zur größten landwirtschaftlich geprägten Kommune Europas.

Vor diesem Hintergrund wird das Öl zu einem der unmittelbarsten Symbole dieser gemischten Identität - zwischen Stadt und Land, zwischen Archäologie und ländlichem Leben.

Der Anspruch an die Qualität

Die Produktion von "Olio di Roma g.g.A." basiert auf einer regionalen Lieferkette, an der rund 120 landwirtschaftliche Betriebe in Latium beteiligt sind. Es handelt sich nicht um ein allgemeines Gütesiegel, sondern um ein Produkt, das klaren Vorgaben unterliegt und strenge Qualitätsmerkmale erfüllen muss.

Tiziana Tornelli, stellvertretende Vorsitzende des Konsortiums "Olio di Roma IGP", hebt gerade diesen technischen Aspekt hervor, der auch die Wiedererkennbarkeit des Produkts ausmacht: "Die Spezifikation für Olio di Roma IGP sieht sehr genaue Parameter vor, die die Qualität garantieren: ein Öl mit niedrigem Säuregehalt und einem hohen Polyphenolgehalt. Diese natürlichen Antioxidantien, wie zum Beispiel Vitamin E, spielen sowohl für den Geschmack als auch für den gesundheitlichen Nutzen eine wichtige Rolle, insbesondere für das Herz-Kreislauf-System und für die Haltbarkeit des Produkts."

Olio di Roma g.g.A.
Olio di Roma g.g.A. Olio di Roma IGP

Rom "erfand" das Olivenöl

Die Verbindung zur Geschichte ist nicht nur anschaulich, sondern grundlegend. Rom prägte die Nutzung von Olivenöl in nahezu allen Lebensbereichen und entwickelte Produktionsformen, die sich mit den antiken Ölmühlen später im gesamten Reich verbreiteten.

Im antiken Rom war Öl ein zentrales Element des täglichen Lebens: Nahrungsmittel, Brennstoff für Lampen, Grundlage für Kosmetika und Bestandteil der Körperpflege. Diese vielfältige Verwendung machte es zu einem der wichtigsten Produkte der römischen Wirtschaft und Kultur.

"Für die Römer war Öl ein Produkt für alles: Es diente als Nahrungsmittel, zur Beleuchtung, für Kosmetika und zur Körperpflege. Es war ein zentrales Element des täglichen Lebens und begleitete die Entwicklung der römischen Zivilisation während des gesamten Reiches", erklärt Tornelli.

Wo man Olio Di Roma ggA findet

Neben der Produktion entsteht auch ein neues Vertriebsnetz, das "Olio di Roma g.g.A." über die klassischen Verkaufskanäle hinaus verbreitet. Das Produkt ist bereits in den Museumsshops der Stadt Rom erhältlich und soll auch in weiteren bedeutenden kulturellen Einrichtungen wie der Ara Pacis und dem Palazzo Braschi angeboten werden. Damit soll die Verbindung zwischen städtischer Identität und kulturellem Konsum gestärkt werden.

Zugleich wird die Website des Konsortiums zu einem direkten Zugang zur Lieferkette: Über die offizielle Plattform können die Erzeuger eingesehen und direkt kontaktiert werden. So wird auch der unmittelbare Kauf bei den Produzenten möglich.

Die Idee ist, ein doppeltes Netz aufzubauen: auf der einen Seite ein direkter und transparenter Vertrieb, auf der anderen eine Präsenz an symbolträchtigen Orten der römischen Kultur, an denen das Produkt nicht nur Lebensmittel, sondern auch erzählerisches Objekt wird.

In diese Richtung weist auch das Projekt eines einheitlichen Behälters für "Olio di Roma IGP", der verschiedene Produkte in einem klar erkennbaren und leicht zu vertreibenden Format zusammenführen soll. Die Maßnahme zielt auch auf internationale Märkte, auf denen der Name Rom eine hohe Strahlkraft besitzt und das Produkt sofort identifizierbar macht.

Tourismus - von Museen bis zu Olivenbäumen

Schließlich öffnet sich das Projekt auch dem Tourismus. Die sogenannte "Via dell'Olio di Roma IGP" soll Routen schaffen, die die Stadt mit landwirtschaftlichen Betrieben in Latium verbinden. So entsteht ein System des Öltourismus, das es ermöglicht, den gesamten Produktionszyklus vom Olivenhain bis zur Verkostung nachzuvollziehen.

Die Idee geht dabei über reine Landschaftsbesichtigungen hinaus. Auch Restaurants, Museen, historische Werkstätten und Schulen sollen einbezogen werden, mit dem Ziel, das Öl zu einer umfassenden und dauerhaften kulturellen Erfahrung zu machen.

Vom Kolosseum bis zu den historischen Villen, von den Museen bis zu den Landschaften der Region wird "Olio di Roma g.g.A." so zum roten Faden, der eine oft zersplitterte Geografie zusammenhält. Das Projekt beschränkt sich nicht darauf, ein hochwertiges landwirtschaftliches Produkt hervorzubringen. Es versucht vielmehr, der Hauptstadt eine ihrer ältesten Identitäten zurückzugeben: die einer Stadt, die nicht nur monumental, sondern auch landwirtschaftlich geprägt ist.

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