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EU und Kanada planen "assoziierte Mitgliedschaft": Wie die neue Partnerschaft aussehen soll

Mark Carney und Ursula von der Leyen
Mark Carney und Ursula von der Leyen -  Copyright  AP
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Von Leticia Batista Cabanas & Elisabeth Heinz
Zuerst veröffentlicht am
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Die EU will die Beziehungen zu Kanada auf die "höchstmögliche Stufe" heben. Ein neuer Status als "assoziiertes Mitglied" ist im Gespräch. Hintergrund sind die Spannungen mit den USA unter Trump und der Bedarf an kritischen Rohstoffen.

In Straßburg wandte sich von der Leyen an den kanadischen Premierminister Mark Carney. Sie erklärte, sie wolle das Verhältnis "auf die höchstmögliche Stufe" heben, in dieser "offen feindlichen Welt".

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Kanada hat sich der EU zunehmend angenähert, nachdem die Beziehungen zu Washington unter Trump abgekühlt sind. Handelsgespräche brachen im August 2026 zusammen, worauf Trump mit aggressiven Zöllen von 25 bis 50 Prozent auf kanadische Waren reagierte. Zudem griff er die kanadische Souveränität an und sprach davon, Kanada einzuverleiben und es zum "51. US-Bundesstaat" zu machen.

Aus geografischen Gründen kommt für Kanada eine volle EU-Mitgliedschaft nicht in Frage. Die Europäische Kommission schlägt daher einen neuen Status als "assoziiertes Mitglied" vor. Da dieser im EU-Vertragswerk nicht vorgesehen ist, sind die rechtlichen und institutionellen Details noch offen.

"Was genau wird das sein? Das wird nach und nach aus rechtlicher Sicht festgelegt werden", sagte der Europaabgeordnete Javier Moreno Sánchez, Vorsitzender der Delegation des Parlaments für die Beziehungen zu Kanada, gegenüber Euronews.

Im Unterschied zu einem einfachen Freihandelspartner würde Kanada direkt Teil der europäischen Verteidigungsindustrie werden, sich an gemeinsamen Arktisprojekten beteiligen, bei KI, Cyberresilienz und Quantencomputing zusammenarbeiten und sich möglicherweise im Bereich der Finanzdienstleistungen angleichen.

Stimmrechte im Europäischen Parlament oder ein Mitspracherecht bei zentralen EU-Gesetzen erhielte Kanada nicht.

Bestehende Partnerschaft

Die Beziehungen zwischen Kanada und der EU waren bereits freundlich, stabil und von pragmatischem Austausch geprägt.

Im Jahr 2016 unterzeichneten beide Seiten zwei zentrale Abkommen: das Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) und das Strategic Partnership Agreement (SPA). Ersteres beseitigte 98 Prozent der Zölle und ließ den bilateralen Handel mit Waren und Dienstleistungen um über 80 Prozent auf 130 Milliarden Euro steigen. Das zweite Abkommen richtet den Fokus auf außenpolitischen Dialog und ermöglicht der EU und Kanada regelmäßige Gespräche über Klimawandel, Forschung und Menschenrechte.

Carneys Wahlsieg im Jahr 2025 hat die Beziehungen mit der Einführung der "New EU-Canada Strategic Partnership of the Future" aufgewertet. Die EU begann, Kanada weniger als fernen Handelspartner zu behandeln. Beide Seiten rückten bei Lieferketten für kritische Mineralien, Batterien für Elektrofahrzeuge, sauberer Energie und Arktisprojekten enger zusammen. Kanada nimmt zudem aktiv an Horizon Europe teil, dem Flaggschiff-Forschungsprogramm der EU.

Im Februar 2026 ist Kanada als erstes nicht europäisches Land dem 150-Milliarden-Euro-SAFE-Instrument beigetreten. Dadurch können kanadische Rüstungsunternehmen sich um gemeinsame europäische Beschaffungsaufträge bewerben. Kanada beteiligt sich außerdem als Drittstaat an PESCO-Projekten zur militärischen Mobilität und Logistik.

Wichtigster Exportmarkt für Kanada bleiben die USA. Sie standen im Jahr 2025 für 72,5 Prozent der Warenexporte, gegenüber 12,4 Prozent für Europa und Zentralasien.

CETA bleibt blockiert, denn zehn der 27 EU-Mitgliedstaaten verweigern weiterhin die vollständige Ratifizierung. Länder wie Italien, Frankreich und Polen argumentieren, Kanada habe niedrigere Umwelt- und Produktionsstandards, etwa in der Landwirtschaft oder beim Einsatz chemischer Pestizide und gentechnisch veränderter Organismen, die in der EU eingeschränkt oder verboten sind.

Der Vorschlag

Keine der beteiligten Seiten erwägt einen EU-Beitritt Kanadas. Ziel ist es, die wirtschaftliche und strategische Partnerschaft zu vertiefen, über das derzeitige Maß der Zusammenarbeit hinaus.

"Wir wissen, dass es sich um eine vertiefte Partnerschaft handelt, aber um weniger als eine Vollmitgliedschaft. Wo genau sie in diesem Spektrum liegen wird, muss ausgehandelt werden. Erwartet wird, dass es mehr ist als ein Freihandelsabkommen", sagte Fabian Zeleeg, Geschäftsführender Direktor und Chefökonom am European Policy Centre.

Die Idee ist, auf CETA aufzubauen und es zu einer "Alliance for the Future to create a common prosperity and economic security space" weiterzuentwickeln, wie Präsidentin von der Leyen sagte. Obwohl die Details noch offen sind, soll die Partnerschaft Politikbereiche von Industrieproduktion, Energie und Rohstoffen bis hin zu KI, Quantencomputing und Cybersicherheit umfassen. Vorgesehen sind außerdem ein gemeinsames Vorzeigeprojekt in der Arktis, eine Technologieallianz und eine integrierte Verteidigungsindustrie.

Premierminister Mark Carney schlug vor, "in Richtung nahtlosen, digitalen Handels mit Nicht-Agrargütern und einer breiten Palette von Dienstleistungen" zu gehen und zugleich einen stärker integrierten Markt für Finanzdienstleistungen zu prüfen.

Für Zeleeg steht bei der Partnerschaft vor allem die geopolitische Geschlossenheit im Mittelpunkt. Aus seiner Sicht ist sie daher eine "Win-win-Situation". "Es geht darum, dass gleichgesinnte Länder zusammenkommen und gemeinsame Lösungen für die großen Herausforderungen finden, mit denen wir alle kollektiv konfrontiert sind, einschließlich der recht schwierigen Lage mit den USA", sagte er gegenüber Euronews.

Handel mit Ressourcen

Diese Allianz ist für Kanada teilweise ein Überlebensmechanismus. Auslöser waren das Scheitern der bilateralen Handelsverhandlungen mit den USA, auf die rund 70 Prozent der kanadischen Exportwirtschaft angewiesen ist, und Trumps Drohungen, das Land einzuverleiben.

Moreno Sánchez berichtete, kanadische Regierungsvertreter hätten den Bruch in ungewöhnlich persönlichen Worten beschrieben. "Sie erklärten, dass man die Geografie nicht ändern kann. Sie fühlten sich verraten, weil es ihr Nachbar war, der Bruder vor der Haustür, und dieser eines Tages zu ihnen sagt: 'Ich will dich nicht mehr.' Das hat sie sehr getroffen."

Doch die Partnerschaft wird ebenso vom Bedarf der EU nach wirtschaftlicher Sicherheit und Rohstoffen getrieben.

Die Europäische Union hat den Zugang zu günstiger russischer Energie verloren und steht wachsenden Spannungen mit China gegenüber. Sie braucht daher eine stabile Quelle für kritische Rohstoffe.

"Kanada hat alles", sagte Moreno Sánchez. "Es ist das zweitgrößte Land der Welt. Energie, Gas, kritische Rohstoffe. Natürlich liegt es in unserem Interesse, mit ihnen Handel zu treiben."

Kanada verfügt über große Vorkommen von Lithium, Nickel, Kobalt und seltenen Erden, alles zentrale Rohstoffe für die Energiewende der EU und ihre Lieferketten für Batterien.

"Bislang lief mit russischem Gas und mit China vieles anders", sagte Moreno Sánchez. "Doch nun, da die internationalen Beziehungen spannungsreicher geworden sind und wir nicht wissen, wohin diese Weltordnung führen wird, wirkt es so, als könnte das Recht des Stärkeren gelten. Das lässt einen aufwachen und sagen: 'Wir müssen das anders betrachten.'"

Als warnendes Beispiel nannte er Deutschland. "Schauen Sie, was in Deutschland passiert ist. Sie haben auf russisches Gas gesetzt. Als es ausblieb, haben sie ihre Atomkraftwerke abgeschaltet und hatten keine Alternative. Jetzt verbrennen sie Kohle zur Stromerzeugung, genau das, was wir nicht tun sollten."

Was Europäer davon haben könnten

Je nachdem, wie die Partner "assoziierte Mitgliedschaft" definieren, hat sie spürbare Folgen für Europäer. Den größten Effekt würde sie nach Einschätzung von Dr. Giuseppe Spatafora, Politikanalyst am European Union Institute for Security Studies, im Energiesektor haben.

"Ich nehme an, dass Energieexporte Kanadas in die EU den Druck auf den europäischen Energiemarkt mindern würden, das Angebot erhöhen und die Abhängigkeit von anderen Lieferanten verringern", erklärte Spatafora. Das werde jedoch Zeit brauchen, fügte er hinzu, da Kanada bislang weder die Infrastruktur für den Export großer Energiemengen außerhalb Nordamerikas noch die Bereitschaft zum Bau neuer Pipelines oder Exportterminals besitzt.

Der Abbau von Investitionshindernissen würde nach seinen Worten neuen Unternehmen den Markteintritt erleichtern, während eine stärkere Verteidigungskooperation neue Arbeitsplätze schaffen und dazu beitragen könnte, sowohl europäische als auch kanadische Gesellschaften zu schützen.

Kanada ist reich an Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Kupfer, Schlüsselmaterialien für viele Branchen, von Batterien und Elektrofahrzeugen bis hin zu Elektronik und Medizin. Wenn Kanada als "sicherer Lieferant" auftritt, hilft das EU-Unternehmen, ihre Produktion aufrechtzuerhalten und zugleich den Einfluss von Ländern wie den USA und China zu begrenzen.

"Kanada wäre mit Sicherheit ein weit sicherer Lieferant als China. Ob sich dies jedoch in einer Wiederbelebung der Autoindustrie niederschlägt, weiß ich nicht, angesichts der Kontrolle Chinas über die gesamte Lieferkette. Es kann aber auf jeden Fall die Bemühungen der EU unterstützen, strategische Branchen wie Verteidigung und hochwertige Fertigung zu entwickeln", sagte Spatafora.

Premierminister Mark Carney schlug vor, die "Menschen-zu-Menschen-Verbindungen" zu stärken, indem Kanada sich an den EU-Programmen Erasmus+ und Horizon Europe beteiligt. Das könnte einfachere Visaregeln für europäische Studierende bedeuten, die jenseits des Atlantiks lernen wollen, sowie gemeinsame Forschungs- und Innovationsprojekte.

Wie geht es weiter?

Die EU muss den Rechtsrahmen für eine "assoziierte Mitgliedschaft" von Grund auf schaffen und die Rechte und Pflichten beider Seiten festlegen. Große Herausforderungen dürften darin bestehen, die Vorschriften der Partnerländer anzugleichen und die einstimmige Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten zu sichern.

Zuleeg hofft, dass der kommende EU-Kanada-Gipfel in Montreal am 29. und 30. Oktober den Begriff klärt und das Angebot der EU in einen konkreten Vorschlag verwandelt. "Die Verhandlungen laufen. Aus meiner Perspektive wäre es eine verpasste Chance, wenn wir bis zum Treffen im Oktober keine greifbaren Fortschritte auf dem Tisch hätten", sagte er gegenüber Euronews.

Gelingende Fortschritte könnten die Frage aufwerfen, ob Kanada ein Einzelfall bleibt oder ob die EU diese Form der Partnerschaft auch anderen Ländern anbieten könnte.

Die Partnerschaft mit Kanada könnte der "Samen" für eine "weit umfassendere Allianz gleichgesinnter Länder, die zusammenarbeiten" sein, die einen Multiplikationseffekt entfaltet, erläuterte Zuleeg. "Wenn wir eine geschlossene Front zwischen der EU, Kanada, dem Vereinigten Königreich, Norwegen, Island, aber auch Staaten wie Australien, Neuseeland, Japan und Südkorea zeigen, haben wir eine kritische Masse, die selbst für die USA und China schwer zu ignorieren sein wird", fügte er hinzu.

Eine engere Zusammenarbeit mit nahestehenden nicht europäischen Partnern beeinträchtigt den Weg der Beitrittskandidaten zur Vollmitgliedschaft nicht und ersetzt ihn nicht durch einen assoziierten Status. Moreno Sánchez erklärte, "die Erweiterung hat ihren eigenen Weg, und die Beziehungen zu verlässlichen Partnern haben ihren eigenen Weg", und beides geschehe "parallel".

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