Das britische Start-up will sein Rechenzentrum von 50 auf 90 Megawatt ausbauen. Bei Dauerbetrieb entspräche das dem Jahresverbrauch von etwa Haushalten in Großbritannien laut Ofgem-Daten für 2026.
Der Start des größten geplanten KI-Supercomputers im Vereinigten Königreich, der eigentlich im nächsten Jahr in Betrieb gehen soll, könnte wegen Problemen bei der Stromversorgung bis in die 2030er Jahre verschoben werden.
Das Projekt ist im Rahmen des ersten Technologieabkommens (Quelle auf Englisch) zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten angekündigt worden. Großbritannien will damit seine Branche für künstliche Intelligenz ausbauen.
Der Standort in Loughton östlich von London entsteht durch das britische Start-up Nscale, zu dessen Geldgebern der US-Chipkonzern Nvidia gehört.
Nscale hat 2025 angekündigt (Quelle auf Englisch), in dem Rechenzentrum rund 23.000 KI-Chips von Nvidia zu installieren und sie zu einem Verbund zu koppeln, der nach Unternehmensangaben der größte KI-Supercomputer des Vereinigten Königreichs werden soll. Die Rechenleistung soll Microsofts Cloud-Dienst Azure unterstützen.
UK Power Networks (UKPN), das Unternehmen, das den Standort an das örtliche Stromnetz anschließen soll, hat Nscale laut dem britischen KI-Branchendienst The Morning Intelligence (Quelle auf Englisch) mitgeteilt, dass das Netz den Standort erst Anfang bis Mitte der 2030er Jahre mit ausreichend Strom versorgen kann.
In einem Interview mit dem Newsletter verwies UKPN auf notwendige Arbeiten am übergeordneten nationalen Übertragungsnetz.
National Grid, das dieses Netz in England und Wales betreibt, erklärte, man arbeite gemeinsam mit dem nationalen Systembetreiber NESO und den lokalen Netzbetreibern daran, Anschlüsse zu beschleunigen.
Nscale prüft eine eigene Stromerzeugung am Standort und spricht mit UK Power Networks über Möglichkeiten, den Anschluss zu beschleunigen, berichtete The Morning Intelligence weiter.
Europa: Stromverbrauch von Rechenzentren steigt rasant
Das Start-up aus dem Vereinigten Königreich erklärt, das Rechenzentrum könne langfristig von 50 auf 90 Megawatt Leistung wachsen. Würde diese Leistung dauerhaft ausgeschöpft, entspräche der Jahresverbrauch etwa dem Strombedarf von rund 315.000 typischen britischen Haushalten, basierend auf Zahlen für 2026 der Energieaufsicht Ofgem (Quelle auf Englisch).
Der Standort in Loughton gehört zu Nscales größerem Plan, fast 59.000 Nvidia-KI-Chips auf Rechenzentren im Vereinigten Königreich zu verteilen.
Europaweit steigt die Nachfrage nach Rechenzentren, gleichzeitig verschärfen Behörden die Regeln für neue Standorte und Erweiterungen, weil der Druck auf die Stromnetze zunimmt.
Laut dem britischen Energie-Thinktank Ember (Quelle auf Englisch) wird der Stromverbrauch von Rechenzentren in Europa von 96 Terawattstunden im Jahr 2024 auf 236 Terawattstunden bis 2035 steigen.
Bereits Anfang dieses Monats hat Schottland Genehmigungen für neue hyperskalige KI-Rechenzentren ausgesetzt, weil Zweifel bestehen, ob das Stromnetz des Landes die rasch steigende Nachfrage bewältigen kann.
Amsterdam begrenzt neue Rechenzentren und Erweiterungen wegen Bedenken zu Platz und Energie. In Dänemark sieht ein Gesetzentwurf der Regierung vom August vor, Großverbrauchern wie Rechenzentren bei Netzanschlüssen eine geringere Priorität einzuräumen.