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Mangelnde Sorgfalt und Unpünktlichkeit - Was Firmen an jungen Bewerbern stört

Junge Leute an der Uni Tübingen: Sind viele ungeeignet für den Job?  ARCHIVBILD
Junge Leute an der Uni Tübingen: Sind viele ungeeignet für den Job? ARCHIVBILD -  Copyright  AP Photo
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Von Kirsten Ripper & Euronews
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Fachkräfte fehlen überall, viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt und Firmen werben überall um Nachwuchs. Doch für viele Jobs finden sich auch keine geeigneten Kandidaten, sie scheitern an den einfachsten Dingen. Worauf achten Firmen- und Personalchefs besonders bei der Auswahl von Azubis?

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die mehr als drei Millionen Unternehmen vertritt, klagt über "Besetzungsprobleme auf Rekordniveau", wie DIE WELT berichtet. Laut einer neuen Umfrage unter Verantwortlichen in verschiedenen Branchen fehlt es vielen Bewerbern an elementaren Fähigkeiten.

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Viele Berufseinsteiger haben nach Angaben der Unternehmen offenbar Probleme mit Aufgaben aus dem echten Leben und mit Grundvoraussetzungen wie Pünktlichkeit und Sorgfalt. 94 Prozent der 14.000 befragten Firmen berichten von "mangelnder Ausbildungsreife" bei Azubis. So schildert die Commerzbank, dass beim Kontakt mit Menschen als "Kerntätigkeit des Bankgeschäfts" bei vielen Kandidaten "die Erfahrungen erst im Aufbau" seien.

Laut DIHK-Umfrage bieten in diesem Jahr 29 Prozent der Firmen weniger Ausbildungsplätze an als 2025. Die häufigsten Gründe, warum einige Betriebe trotz fehlender Fachkräfte gar nicht mehr ausbilden sind "der Mangel an geeigneten Kandidaten und schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden".

Positiv sehen die Personalchefs die digitalen Fähigkeiten der Gen Z, die anders als ältere im Umgang mit Künstlicher Intelligenz geübt sind. Das biete jungen Beschäftigten die Chance, "schneller in Verantwortung zu kommen, als es frühere Generationen je getan haben“, erklärt eine Sprecherin des Wirtschaftsprüfungs-Konzerns PwC der WELT.

Bei IT- und Medienkompetenz sind 87 Prozent der Firmen mit den Fähigkeiten der Bewerber zufrieden.

"Armutszeugnis für Bildungsstandort Deutschland"

Schon die PISA-Studie hatte international und in Deutschland sinkende Kompetenzen von Jugendlichen in Mathematik und beim Lesen festgestellt. Nun zeigt der Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), dass es zwar weiterhin viele junge Leute mit guten Abschlüssen gibt, das Niveau aber generell niedriger wird. Und besonders beunruhigend ist mit 18,8 Prozent die Zahl der jungen Menschen in Deutschland, die gar keinen Schulabschluss schaffen.

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben bezeichnet den neuen Bildungsmonitor als "ein Armutszeugnis für den Bildungsstandort Deutschland". Der Wirtschaftslobbyist sagt: "Das Bildungsniveau sinkt in allen Bundesländern. Es ist beschämend, dass fast ein Fünftel der Menschen ohne Abschluss ist."

"Engagiert, lernbereit und interessiert an sinnstiftenden Tätigkeiten"

Das Stahl-Unternehmen Thyssenkrupp erklärt - ähnlich wie die PISA-Studie, dass"solide Grundlagen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik“ immer öfter fehlten - "genauso wie die klassischen Arbeitstugenden Sorgfalt, Verlässlichkeit und Pünktlichkeit".

Beim Bau- und Sanierungsbetrieb Gierke in Berlin liegt die Chance, derzeit einen Lehrling zu finden, der später als Geselle bleibt, "bei zehn Prozent". Daher versucht der Maurerbetrieb, die Azubis mit finanziellen Anreizen zu halten. Sie bekommen 1100 Euro von der Firma und als Zulage eine tarifliche Aufwandsentschädigung von 600 Euro von einer Sozialkasse, in die alle Baufirmen einzahlen.

Der Chemiekonern BASF setzt - wie viele andere Firmen - auf die Aus- und Weiterbildung in der eigenen Firma. Erfolgreiche Bewerber seien "engagiert, lernbereit und interessiert an sinnstiftenden Tätigkeiten“.

Tatsächlich arbeiten heute mehr junge Leute als zuvor, was vor allem an kürzeren Studienzeiten und vielen Studenten mit Teilzeit-Jobs liegt. Der Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sagt: "Dass die Generation Z viel fordert, aber wenig arbeitet, ist ein verbreitetes Vorurteil. Doch es ist falsch. Die jungen Leute sind fleißig wie lange nicht mehr."

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