Der FlyDubai-Flug FZ1073 nach Israel musste in Saudi-Arabien notlanden, nachdem Passagiere von erschütternden Szenen einer Auseinandersetzung zwischen den Piloten berichtet hatten, bei der einer von ihnen niedergestochen wurde.
Ein Passagierflugzeug auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Israel landete am Mittwoch sicher in Saudi-Arabien, nachdem es zu dramatischen Minuten gekommen war. Ersten Ermittlungen zufolge hat der Copilot den Kapitän niedergestochen und anschließend versucht, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.
Allem Anschein nach wurde der Co-Pilot aber von Passagieren überwältig. Ein zufällig an Bord reisender Pilot landet die Maschine dann in Saudi-Arabien.
In seiner ersten Stellungnahme zu dem Vorfall erklärte der israelische Ministerpräsident Netanjahu, dass „einer der Piloten den anderen niedergestochen und offenbar versucht habe, das Flugzeug mit allen an Bord zum Absturz zu bringen“.
In einer Videoerklärung sagte Netanjahu, er habe mit einem der Passagiere gesprochen, der ihm berichtet habe, dass „es ihm irgendwie gelungen sei, zusammen mit einem der Besatzungsmitglieder ins Cockpit einzudringen, und gemeinsam hätten sie den Piloten überwältigt, der den Messerstich ausgeführt hatte, während er versuchte, die Systeme des Flugzeugs zu sabotieren“, und dass „ein weiteres Besatzungsmitglied das Cockpit betrat und es schaffte, das Flugzeug zu stabilisieren“.
„Ich zolle diesen Helden, die Einfallsreichtum und außergewöhnlichen Mut bewiesen haben, meinen Respekt. Sie haben viele Leben gerettet und eine schreckliche Katastrophe abgewendet“, sagte der israelische Ministerpräsident und fügte hinzu, dass fast alle Passagiere an Bord des Fluges Israelis waren.
Der israelische Ministerpräsident äußerte sich nicht zu einem möglichen Zusammenhang mit Terrorismus, während die israelischen Sicherheitsbehörden ihre Ermittlungen fortsetzen.
Er gab außerdem bekannt, dass „der Pilot, der die Messerattacke verübt hat, festgenommen wurde und derzeit von den saudischen Behörden verhört wird“.
Das Flugzeug mit 174 Passagieren, darunter 27 Kinder, landete sicher in Tabuk, Saudi-Arabien, einem zivilen und militärischen Stützpunkt im Königreich, nachdem Passagiere von erschütternden Szenen an Bord berichtet hatten: Kämpfe und Blut im Cockpit, gefolgt von einem steilen Sturzflug und unkontrollierten Flugmanövern.
Die 15 Minuten im Überblick
Etwa zweieinhalb Stunden nach dem Start in Dubai sendete das Flugzeug der Fluggesellschaft flydubai laut dem Flugverfolgungsportal Flightradar24 zunächst das allgemeine Notsignal 7700 und anschließend den Code 7500, den internationalen Code für unrechtmäßige Eingriffe oder Entführungen, woraufhin israelische Kampfflugzeuge alarmiert wurden.
Flightradar24 zeigte, wie die Boeing 737 innerhalb von weniger als einer Minute abrupt von 33.000 Fuß auf 17.000 Fuß sank, bevor sie in der Nähe der jordanischen Grenze eine unregelmäßige Kreisbewegung vollführte und schließlich in Tabuk landete.
Der Steig- und Sinkflug des Flugzeugs sowie die gemeldete hohe Geschwindigkeit deuten auf einen Kampf um die Kontrolle über das Flugzeug hin.
Israelische Medien zitierten Passagiere und israelische Beamte, wonach im Cockpit ein Kampf zwischen den beiden Piloten ausgebrochen sei und einer von ihnen mit einem Messer verletzt worden sei. Dem Kapitän gelang es, die Cockpit-Tür zu öffnen, sodass Besatzung und Passagiere das Cockpit betreten und den Copiloten überwältigen konnten.
Später am Mittwoch würdigte Netanjahu den indischen Kapitän Smit Machchaar als „einen wahren Helden“ für „seine außergewöhnliche Tapferkeit“, mit der er „eine katastrophale Katastrophe in der Luft verhindert“ habe.
Im Internet kursieren Fotos von einem Passagier im blutigen T-Shirt, der offenbar im Kampf mit dem Co-Piloten beteiligt war, gepostet von dem israelischen Journalisten Amit Segal.
Ein zweiter Beamter bestätigte, dass Israel Kampfjets aufsteigen ließ, aus Sorge vor einer Entführung einer Maschine mit Dutzenden israelischen Staatsbürgern.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte in den vergangenen Tagen vor nicht näher genannten, verschärften Sicherheitsbedrohungen gewarnt.
Beide Beamte sprachen nur unter der Bedingung, anonym zu bleiben, da der Vorfall noch untersucht wird.
Passagiere warteten auf Ersatzmaschine
Das Büro Netanjahus teilte später mit, die Lage sei unter Kontrolle. Israel arbeite daran, die Passagiere nach Hause zu bringen.
FlyDubai ist die günstigere Schwestergesellschaft von Emirates. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit der Normalisierung der Beziehungen zu Israel im Jahr 2020 zu einem beliebten Reiseziel für israelische Urlauber geworden.
FlyDubai bestätigte später, dass Flug FZ1073 auf dem Weg zum Flughafen Ben Gurion einen Zwischenfall hatte und am Mittwoch sicher in Tabuk landete.
„Unsere Teams arbeiten eng mit den zuständigen Behörden zusammen“, teilte die Fluggesellschaft mit. „Weitere Informationen folgen, sobald bestätigte Details vorliegen.“
In den 1960er- und 1970er-Jahren gerieten Israelis ins Visier einer Serie von Flugzeugentführungen und -anschlägen durch militante palästinensische Gruppen.
Seit Jahrzehnten hat Israel keine Flugzeugentführung mehr erlebt. Das Land hält dennoch eine der weltweit strengsten Flughafensicherheiten aufrecht, mit oft sehr intensiven Kontrollen bei Flügen nach Israel.
Seit der Normalisierung der Beziehungen im Jahr 2020 verkehren Linienflüge zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten.