Bei Unglücken an Grenzen verlieren Polizei und Feuerwehr oft sofort den Funkkontakt. Brüssel plant bis 2036 ein satellitengestütztes 5G-Netz, das das verhindern soll.
Die EU hat am Mittwoch Pläne für ein neues, unionsweites Kommunikationssystem vorgelegt. Es soll Polizei, Feuerwehr und anderen nationalen Rettungsdiensten helfen, sich bei grenzüberschreitenden Krisen besser abzustimmen.
Derzeit funken Einsatzkräfte in der 27 Staaten umfassenden Europäischen Union überwiegend per Funk. Geschützte Kanäle enden jedoch meist an den Landesgrenzen und erschweren so internationale Einsätze, heißt es in Brüssel.
„Wenn eine Krise eintritt, müssen unsere Ersthelfer sofort über Behörden- und Landesgrenzen hinweg in ganz Europa kommunizieren können“, sagte der EU-Innenkommissar Magnus Brunner.
Mit dem geplanten „EU Critical Communication System“ sollen die Staaten ihre Notfallkommunikation von Funk auf Breitbandtechnologien wie 5G umstellen. Nach Angaben aus Brüssel bereiten die meisten Länder diesen Schritt ohnehin bereits vor.
Die EU will anschließend dafür sorgen, dass die nationalen Systeme miteinander kompatibel sind. Ein zentrales Drehkreuz soll den Datenaustausch koordinieren, ein Monitoringzentrum Cyberrisiken beobachten und die Mitgliedstaaten unterstützen.
Nach dem Konzept dienen EU-Satelliten als Reserve, falls bodengebundene Systeme ausfallen, etwa bei einem großflächigen Stromausfall.
Breitband statt Funk soll es Einsatzkräften ermöglichen, Videos, Nachrichten und Standortdaten in Echtzeit zu teilen – in der Regel über ein Smartphone. Der EU-Plan schreibt jedoch kein bestimmtes Gerät vor.
EU-Beamte nannten Waldbrände, Anti-Terror-Einsätze, Bedrohungen durch Drohnen sowie Such- und Rettungsaktionen im Mittelmeer als Beispiele, bei denen die Technologie entscheidend sein könnte.
Auch Streitkräfte könnten das System nutzen, falls sie sich dafür entscheiden.
Brunner verwies auf die Schwierigkeiten während des großen Waldbrands in diesem Sommer im belgischen Naturgebiet Hohes Venn an der Grenze zu Deutschland.
„In dem Moment, in dem ein Ersthelfer die Grenze überschreiten musste, funktionierte sein Funkgerät nicht mehr“, sagte er.
In einem anderen Fall verwies er auf eine Schießerei in den Niederlanden, nur 200 Meter von Belgien entfernt. Sie löste eine grenzüberschreitende Polizeiverfolgung aus, „bei der jede Minute zählte“.
Aber mit dem derzeitigen System konnte das niederländische Einsatzzentrum in Maastricht seine Kollegen im belgischen Lüttich nicht direkt warnen – und damit auch nicht die Einsatzkräfte auf der Straße.
Die EU-Kommission erklärte, die kritischen Bestandteile des Systems würden von europäischen Unternehmen entwickelt.
EU-Vertreter, die anonym bleiben wollten, nannten Airbus, das italienische Unternehmen Leonardo und die österreichische Firma Frequentis als Teilnehmer eines Pilotprojekts.
Die Satelliten-Reserve könnte aus dem derzeit entstehenden EU-Satellitenverbund Iris² kommen, fügten sie hinzu.
Nach dem Willen Brüssels soll das System bis 2036 vollständig einsatzbereit sein. Die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament müssen dem Plan noch zustimmen.