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Senkt die Freigabe weiterer Notreserven Europas die Dieselpreise?

Archivbild: Blick auf die Ölraffinerie Fos-Lavera bei Marseille in Südfrankreich, Mittwoch, dem elften März 2026.
Archiv: Blick auf die Ölraffinerie Fos-Lavera nahe Marseille in Südfrankreich am Mittwoch, dem elften März 2026. -  Copyright  AP Photo/Philippe Magoni
Copyright AP Photo/Philippe Magoni
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Die EU ist zu einer gemeinsamen Aktion mit der IEA für eine Notfreigabe bereit. Dieselreserven könnten Zapfsäulenpreise rasch senken, aber nur kurz entlasten.

Die seit längerem hohen Dieselpreise in der EU und die wachsende Sorge vor einem möglichen US-Exportverbot für Diesel haben innerhalb des Blocks Forderungen nach raschem Handeln ausgelöst.

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Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen erklärte am Freitag, die EU sei bereit, mit der Internationalen Energieagentur zusammenzuarbeiten, um gegebenenfalls Treibstoffreserven freizugeben und die Energiepreise zu drücken.

Am Mittwoch bestätigte die Internationale Energieagentur, sie könne eine weitere Freigabe von Öl-Notreserven prüfen, falls sich die Lieferprobleme zuspitzen.

Zum jetzigen Zeitpunkt steht das Volumen eines möglichen Eingriffs noch nicht fest, obwohl Frankreich die Freigabe von 50 Millionen Barrel Diesel – rund 6,7 Millionen Tonnen – sowie weiterer 50 Millionen Barrel Rohöl aus den Notbeständen der Internationalen Energieagentur vorgeschlagen hat, wie EU-Diplomaten berichten.

George Shaw, leitender Insight-Analyst für Destillatmärkte beim Datenanbieter Kpler, hält die geplante Freigabe von 50 Millionen Barrel Diesel für beträchtlich.

Nach Kpler-Daten führten EU und Vereinigtes Königreich im September 24,25 Millionen Barrel Diesel aus Drittstaaten ein. Die nun diskutierte Freigabe entspräche damit etwa dem Doppelten eines Monatsvolumens.

Analysten sind sich einig: Die Wirkung auf die Preise hängt vom freigegebenen Volumen und vom Tempo ab, mit dem der Diesel den Markt erreicht.

Alan Gelder, Senior Vice President für Raffinerien, Chemie und Ölmärkte beim Beratungsunternehmen Wood Mackenzie, sagte: „Eine umfangreiche Freigabe von Dieselreserven könnte die Großhandelspreise um 20 bis 30 US-Dollar je Barrel senken. Das entspricht etwa 0,10 bis 0,15 Euro pro Liter an der Zapfsäule.“ Autofahrer könnten den Rückgang innerhalb weniger Tage spüren, fügte er hinzu. Shaw erklärte, deutliche Veränderungen der Marktpreise bräuchten üblicherweise eine bis zwei Wochen, bis sie an der Tankstelle ankommen.

Gelder warnte jedoch, dies sei nur eine kurzfristige Maßnahme. „Weitere Freigaben verschaffen uns lediglich Zeit. Das weltweite Dieselangebot liegt weiterhin unter der Nachfrage. Wir greifen daher weiter auf Lagerbestände zurück und bleiben anfällig für die Exportpolitik anderer Länder, etwa der USA“, sagte er.

Die untenstehende Grafik zeigt die gesamten Öl-Notreserven nach Ländern, einschließlich der Dieselvorräte.

Die Dieselversorgung in Europa ist stark beeinträchtigt. Ein Grund sind russische Raffinerien, die nach Drohnenangriffen nicht wieder voll laufen. Hinzu kommen geringere Ausfuhren raffinierter Produkte aus dem Nahen Osten und niedrigere Exporte aus Asien als Reaktion auf den Konflikt zwischen den USA und Iran, der Rohölausfuhren aus dem Nahen Osten einschränkt.

Zur Höhe der strategischen Reserven in Europa sagte Gelder, große Länder verfügten über Vorräte für 70 bis 100 Tage. Vorgeschrieben sei, Bestände im Umfang von rund 60 Tagen Binnenverbrauch oder 90 Tagen Importen zu halten – je nachdem, welcher Wert höher ist. „Wir haben also mindestens zwei Monate Absicherung, falls keine Lieferungen eintreffen und die europäischen Raffinerien weiterlaufen“, erklärte er.

Benzin und Diesel bleiben in Europa besonders teuer. Der Grund sind nicht nur steigende internationale Rohölpreise, sondern auch die rapide gestiegenen Kosten und die begrenzte Verfügbarkeit von Raffineriekapazitäten.

Die europäischen Raffinerien arbeiten seit Monaten nahe an der Auslastungsgrenze; zusätzliche Produktion ist kaum möglich.

Nach Angaben Gelders liegt die genutzte Raffineriekapazität in den europäischen OECD-Staaten bei über 80 % – gemessen am Rohölzufluss im Verhältnis zur ausgewiesenen Kapazität – und verarbeitet rund elf Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Die Produktion bewegt sich damit nahe am Maximum.

Diese Engpässe machen Europa stark abhängig von Dieselimporten. Eine Freigabe raffinierter Produkte aus den strategischen Reserven der EU-Staaten könnte daher der schnellste Hebel sein, um die Preise zu beeinflussen.

Das Auffüllen dieser Reserven würde jedoch Zeit brauchen. Shaw sagte: „Eine Freigabe strategischer Bestände würde einen wichtigen Puffer aufzehren.“ Er warnte, wie lange die Krise dauern werde, sei unklar. Der Wiederaufbau der Lager hänge von höherer Produktion und mehr Exporten aus dem Nahen Osten ab.

Die USA drängen die EU, einen Teil ihrer strategischen Ölreserven „sofort“ freizugeben, um die weltweiten Dieselpreise zu senken.

Brüssel übte am Freitag scharfe Kritik an dem angedrohten US-Verbot für Dieselausfuhren und warnte, ein solcher Schritt würde das Vertrauen in Washington als verlässlichen Partner untergraben. „Wir lehnen jedes Verbot von Diesel kategorisch ab“, hieß es.

Eine neue Freigabe würde auf die Vereinbarung der IEA-Mitgliedstaaten vom März folgen, dem Markt 400 Millionen Barrel aus den Öl-Notreserven zur Verfügung zu stellen. Jedes Land legt dafür seinen eigenen Zeitplan fest.

Shaw zufolge lagen die Dieselexporte aus dem Nahen Osten im September weiterhin mehr als 50 % unter dem Niveau des Vorjahres.

Gelder betonte: „Damit die Dieselpreise dauerhaft sinken, muss sich das weltweite Raffineriesystem entspannen. Dafür braucht es eine Lösung des Konflikts zwischen den USA und Iran, damit die exportierenden Länder im Nahen Osten mehr produzieren können, sowie höhere Ausfuhren anderer Anbieter wie Russland.“

Der Druck auf die Dieselversorgung könnte auch nachlassen, falls die hohen Energiepreise und steigende Renditen von Staatsanleihen eine weltweite Konjunkturabkühlung auslösen und die Nachfrage nach dem Kraftstoff sinkt.

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