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Trocknet der Bodensee aus? Warum der Pegel so ungewöhnlich niedrig ist

Archiv. Ein junges Paar sitzt an einem nebligen Herbsttag am Ufer des Bodensees im Lotzbeckpark in Lindau, Deutschland, am 1. November 2020.
Archiv. Ein junges Paar sitzt an einem nebligen Herbsttag am Ufer des Bodensees im Lotzbeckpark in Lindau, Deutschland, am 1. November 2020. -  Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Der Bodensee führt so wenig Wasser wie selten zuvor zu dieser Jahreszeit: am Pegel Konstanz wurden nur rund 253cm gemessen. Damit liegt der Wasserstand etwa 90cm unter dem langjährigen Mittel. Der Pegel ist ein fester Bezugspunkt zur Messung, mit der Tiefe des Sees haben diese Werte nichts zu tun.

Der Zeitpunkt des aktuellen Niedrigwassers ist tatsächlich ungewöhnlich: Normalerweise erreicht der Bodensee seinen höchsten Wasserstand im Juni oder Juli, danach sinkt der Pegel langsam, weil die Zuflüsse aus den Alpen geringer werden. Seinen niedrigsten Stand erreicht der See üblicherweise erst im Februar oder März.

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In diesem Jahr verlief die Entwicklung jedoch anders, denn schon im Sommer wurde ein neuer Negativrekord gemessen.

Am 7. Juli 2026 sank der Pegel am Bodensee auf 321 Zentimeter. Damit wurde der bisherige Tiefststand für diesen Kalendertag aus dem Dürrejahr 1976 um zwei Zentimeter unterschritten. Der absolute Tiefstand der gesamten Messreihe liegt allerdings deutlich niedriger: Ende Februar beziehungsweise Anfang März 1858 wurden 226 Zentimeter gemessen.

Mitte September lag der Pegel schließlich bei rund 262 Zentimetern und damit ebenfalls unter dem historischen Minimalwert für diese Jahreszeit. Experten des Niedrigwasser-Informationszentrums Baden-Württemberg bezeichnen die Entwicklung als außergewöhnlich.

Der Pegel ist ein Messwert, der von einem bestimmten Bezugspunkt ausgeht, d.h., wie hoch ist der Wasserstand, den man davon ausgehend misst. Er sagt nichts über die Tiefe des Sees aus. der Bodensee ist an seiner tiefsten Stelle rund 250 Meter tief und im Durchschnitt rund 90 Meter tief.

Warum hat der Bodensee so wenig Wasser?

Für die aktuelle Situation kommen mehrere Faktoren zusammen. Ein wichtiger Grund ist der schneearme Winter in den Alpen. Normalerweise wird ein großer Teil des Niederschlags im Winter als Schnee gespeichert. Wenn die Temperaturen im Frühjahr steigen, schmilzt dieser Schnee und speist die Flüsse, die in den Bodensee münden.

2026 fehlte ein erheblicher Teil dieses Schmelzwassers. Gleichzeitig blieben die Niederschläge über längere Zeit deutlich unter dem Durchschnitt. Hinzu kamen hohe Temperaturen und damit eine verstärkte Verdunstung.

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) spricht deshalb von einer Kombination aus schneearmem Winter, ausbleibendem Regen und hoher Verdunstung. Auch der Alpenrhein, einer der wichtigsten Zuflüsse des Bodensees, führt derzeit außergewöhnlich wenig Wasser.

Wie trocken das Jahr 2026 bislang war, zeigt auch der Blick auf Baden-Württemberg insgesamt: Nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes fielen im September landesweit nur rund 19 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das entspricht lediglich etwa 27 Prozent des langjährigen Septembermittels von 70 Litern. Der Sommer 2026 war laut LUBW zudem der wärmste und der zweittrockenste seit 1961.

Die Folgen sind bereits sichtbar

Das Niedrigwasser bleibt nicht ohne Folgen. Vor allem flache Uferbereiche fallen deutlich früher trocken als üblich. Bereiche, die normalerweise im Sommer noch unter Wasser liegen würden, sind bereits freigelegt.

Das betrifft auch die Tier- und Pflanzenwelt. Nach Angaben der LUBW gehen durch das frühzeitige Trockenfallen von Ufer- und Flachwasserbereichen zeitweise Lebensräume für Fische, Muscheln und andere Wasserorganismen verloren. Wie groß die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem sein werden, hängt davon ab, wie sich die Wasserstände in den kommenden Monaten entwickeln.

Auch die Schifffahrt bekommt natürlich das Niedrigwasser zu spüren. Bereits im Sommer konnten einzelne Anlegestellen nicht mehr regulär angefahren werden. Im September mussten auf verschiedenen Strecken am Bodensee und Hochrhein Einschränkungen und Niedrigwasser-Fahrpläne berücksichtigt werden.

Was passiert im Winter?

Ob sich die Lage im kommenden Jahr entspannt, hängt entscheidend vom Wetter in den Alpen ab. Ein niederschlagsreicher Herbst und ein Winter mit ausreichend Schnee könnte die Situation verbessern. Die Schneedecke würde Wasser speichern und dieses wie gewohnt im Frühjahr während der Schneeschmelze wieder an die Zuflüsse des Bodensees abgeben.

Bleibt der Winter dagegen erneut schneearm und trocken, könnte der See auch im kommenden Jahr mit einem erheblichen Wasserdefizit in die warme Jahreszeit starten.

Kurzfristiger Regen allein reicht nicht aus, um das über Monate entstandene Defizit auszugleichen.

Die Entwicklung des Bodensees wird deshalb derzeit genau beobachtet.

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