Bei fast 5.000 Tests in Russland sind keine gefährlichen Erreger gefunden worden, so das Gesundheitsamt. Der Kreml nannte die meisten Medienberichte über einen möglichen Pestfall "falsch" und wies Forderungen nach Transparenz zurück.
Russland weist am Mittwoch Forderungen nach Transparenz im Zusammenhang mit dem Tod einer Labortechnikerin an der Pest in Sibirien zurück. Zugleich berichten Medien über einen zweiten möglichen Infektionsfall.
Die Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadzor erklärte, sie sehe "kein epidemisches Risiko" nach dem Tod einer 28-jährigen Mitarbeiterin des Antipest-Forschungsinstituts in Irkutsk. Es handelt sich um Darya Shipilova, die vergangene Woche in der Stadt Schelekhov nahe Irkutsk gestorben ist.
Die Behörde teilte mit, Shipilova sei "geimpft gewesen und habe eine Immunität gegen die gefährlichen Infektionen besessen, mit denen sie gearbeitet habe", und dass fast 5.000 Labortests keine gefährlichen Krankheitserreger nachgewiesen hätten.
Mehr als 90 Prozent der Personen, die Kontakt zu ihr hatten, hätten die medizinische Überwachung bereits abgeschlossen, hieß es weiter.
Der Kreml wies Berichte über einen zweiten mutmaßlichen Pestfall in Sibirien zurück und erklärte vor Journalistinnen und Journalisten, der Großteil der Berichterstattung über die Lage sei "falsch".
"Die Medien berichten derzeit sehr viel, und die überwältigende Mehrheit dessen, was die Medien rund um diese Situation verbreiten, ist falsche Information", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow und rief die Bevölkerung dazu auf, sich ausschließlich auf die offiziellen Mitteilungen von Rospotrebnadzor zu stützen.
Die russischen Behörden betonen seit Wochenbeginn, Shipilova sei an einer Lungenentzündung gestorben und ihre Todesursache bleibe "ungeklärt".
Internationale Besorgnis hält an
US-Präsident Donald Trump hatte für Mittwoch ein Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin angesetzt, um den Vorfall rund um die Pest zu besprechen, und seine Regierung übermittelte Moskau eine Demarche mit der Bitte um zusätzliche Informationen.
"Wir haben von der russischen Regierung offiziell zusätzliche Informationen angefordert. Wir stehen außerdem in offiziellem Kontakt mit anderen Ländern rund um die Welt, um Informationen auszutauschen", erklärte am Mittwoch eine Sprecherin des US-Außenministeriums.
Peskow sagte, ihm sei keine offizielle Beschwerde der USA beim Kreml bekannt.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte Moskau am Mittwoch auf, die Lage zu klären. Anlass waren Medienberichte über eine zweite Mitarbeiterin mit einer Lungenentzündung unklarer Herkunft.
WHO-Chef fordert zügige Aufklärung
"Eine rechtzeitige, umfassende und transparente Weitergabe von Informationen im Einklang mit den Internationalen Gesundheitsvorschriften ist entscheidend", sagte Tedros.
Die WHO hatte bereits am Vortag erklärt, der mögliche Fall berge über Russlands Grenzen hinaus nur ein "sehr geringes" Risiko. Sie verwies auf die stark eingeschränkten Kontakte des Landes zum Rest der Welt infolge des anhaltenden Angriffskriegs in der Ukraine und der damit verbundenen Sanktionen.
Sie stellte fest, dass das Institut mit "gefährlichen Erregern" arbeitet und dass die Pest in der Region Irkutsk natürlicherweise bei Wildtieren vorkommt.
Die Lungenpest, die gefährlichste Form der Erkrankung, befällt die Lunge und kann sich über Tröpfchen in der Luft von Mensch zu Mensch übertragen. Die Inkubationszeit kann 24 Stunden betragen.
Ohne angemessene Behandlung verläuft sie oft tödlich, doch wird sie früh erkannt und therapiert, bestehen gute Heilungschancen. Typische Symptome sind Atemnot, Husten und blutig gestreifter Auswurf.
Die häufiger auftretende Beulenpest wird durch den Biss eines infizierten Flohs ausgelöst und kann eitrige Geschwüre hervorrufen. Bestätigt sich der Fall in Sibirien, wäre es die erste nachgewiesene Pestinfektion in Russland seit 2016.