Umweltverbände und Politik schlagen Alarm: Kirschlorbeer ist eine invasive Art, die der heimischen Vegetation in den Wäldern den Platz streitig macht. Die illegale Entsorgung von Gartenabfällen trägt zu ihrer Ausbreitung bei.
Immergrün, also auch im Winter als Hecke ein blickdichter Sichtschutz, pflegeleicht – aber zunehmend eine Bedrohung für die heimischen Wälder: Umweltschützer und Politik schlagen deshalb gegen Kirschlorbeer Alarm.
Das Landratsamt Rastatt in Baden-Württemberg warnte im September vor einer zunehmenden Ausbreitung in den Wäldern des Landkreises und geißelte die aus Kleinasien stammende Pflanze als "ökologische Plage". Besonders an Waldrändern und in stadtnahen Gebieten hätten die Förster im Landkreis in den vergangenen Jahren eine besorgniserregende Zunahme beobachtet, die Stadt Gaggenau ergreife nun Gegenmaßnahmen.
Kirschlorbeer nimmt heimischen Pflanzen Licht und Platz
Denn Kirschlorbeer ist in allen Teilen giftig, wächst schnell und bildet ein dichtes Blätterdach, unter das wenig Licht dringt. Damit verdrängt die konkurrenzstarke Pflanze in der freien Natur hierzulande die heimischen Strauch- und Baumarten. Im Wald wachsen in der Nähe von Kirschlorbeer-Sträuchern kaum junge Bäume, und damit wird die Waldverjüngung verhindert und die Artenvielfalt sinkt, warnen das Landratsamt und auch der BUND Baden-Württemberg.
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), auch Lorbeerkirsche genannt, gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae), war ursprünglich in Kleinasien, insbesondere in Georgien, und in Südosteuropa verbreitet und ist zum beliebten Hecken- und Zierstrauch in Europas Parks und Gärten geworden. Alle Pflanzenteile enthalten cyanogene Glycoside, aus denen sich beim Zerkauen giftiger Cyanwasserstoff (Blausäure) bildet. Ökologisch gilt er als vergleichsweise weniger wertvoll als heimische Pflanzen, von denen heimische Insekten und Vögel meist mehr Nutzen haben.
Illegale Entsorgung von Gartenabfällen verschlimmert das Problem
Für seine Ausbreitung sorgen nicht nur Vögel, die seine Früchte fressen und die Samen kilometerweit in die Wälder tragen, sondern auch illegal entsorgter Grünschnitt und Gartenabfälle, die an Waldrändern, Parkplätzen und sonstwo in der freien Natur abgelegt werden. Schon kleinste Pflanzen- oder Wurzelreste können so anwachsen, warnt das Landratsamt Rastatt. Ähnliche Warnungen gab es auch aus der Stadt Karlsruhe.
Im Stadtwald Gaggenau ergreifen Förster in einem vom Land Baden-Württemberg geförderten Projekt Gegenmaßnahmen: Noch gibt es dort laut Landratsamt zwar nur kleinräumige Vorkommen, aber um die Ausbreitung des Kirschlorbeers zu verhindern, werden die unerwünschten Gewächse samt Wurzeln mit einem Bagger möglichst vollständig aus der Erde gezogen. Die betroffenen Flächen sollen auch in den kommenden Jahren genau beobachtet werden, um neue Sprösslinge früh zu entdecken. Damit will man künftige aufwändigere Bekämpfungsmaßnahmen vermeiden.
Naturschutzverbände und Regionalverwaltungen appellieren außerdem an die Gartenbesitzer, ihren Grünschnitt nicht einfach in der freien Natur zu entsorgen, sondern kanalisiert über die Grünabfall-Sammelplätze. Und am besten ganz auf die Anpflanzung von Kirschlorbeer zu verzichten beziehungsweise diesen aus dem Garten zu entfernen.
In der Schweiz sind Verkauf und Verbreitung von Kirschlorbeer und einiger anderer invasiver Neophyten schon seit September 2024 verboten.