9.000 Infektionen, 4.000 Tote: Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich Ebola weiter aus. Deutsche Fachkräfte schulen medizinisches Personal vor Ort, damit Erkrankte sicher behandelt werden können und sich das Virus nicht weiter verbreitet.
Vor zwei Tagen noch war Louise Götze mit ihrem Team in der Stadt Entebbe in Uganda, um ihr Wissen an rund 30 Mediziner und Pfleger dort weiterzugeben. Sie spricht mit Klinikern darüber, wie sie Patienten, die an Ebola erkrankt sind, versorgen können, ohne sich dabei selbst anzustecken.
"Diese Schulungen sind wirklich essentiell, um sicherzustellen, dass sich das Personal eben nicht infiziert und dass sie wissen, wie sie sicher arbeiten, wenn sie im roten Bereich, also in der Patientenversorgung vor Ort sind", so Götze im Interview mit Euronews.
Derzeit wisse man von 200 Fachkräften aus dem Gesundheitswesen, die selbst in Folge ihrer Berufstätigkeit infiziert worden seien. Etwa 800 bis 1.000 Patienten sind nach Angaben des Charité-Arztes Maximilian Gertler in den Regionen in Ituri und Nordkivu aktiv erkrankt oder in Behandlungsstationen.
Sieben Mal war Götze in diesem Jahr bereits in der Ebola-Krisenregion, um das Fachpersonal vor Ort auszubilden. In Berlin arbeitet sie als Intensivpflegerin auf der Sonderisolierstation der Charité. Eine weitere Reise ist in Planung. Am Ende soll ein Pool an Fachkräften in ganz Ostafrika entstehen, die wiederum ihr Fachwissen weitergeben.
Wie die internationale Gemeinschaft gegen Ebola kämpft
Deutschland entsendet unter anderem Teams in die Demokratische Republik Kongo, nach Kenia sowie nach Uganda. Denn das Virus macht an den Landesgrenzen nicht Halt.
"Wir bilden zurzeit eine Kohorte von etwa 120 Klinikern und Klinikerinnen aus den Partnerstaaten der East African Community aus", erklärt Epidemiologe Gertler von der Charité Berlin.
"Und dann haben die Absolventen unseres Programms aus der Demokratischen Republik Kongo in Kinshasa selbst angefangen, Trainings zu machen, um sich für den Fall vorzubereiten, dass auch Fälle in der Hauptstadt auftreten könnten."
Denn, das bestätigt Epidemiologe Maximilian Gertler, die Situation in der Demokratischen Republik Kongo ist noch nicht unter Kontrolle. Inzwischen ist die Zahl der Infektionen auf 9.000 angestiegen, die Todesfälle belaufen sich auf 4.000. Die Sterblichkeit liegt ihm zufolge bei diesem Ausbruch bei 50 Prozent.
Simulation in Berlin: So werden Ebola-Patienten versorgt
Er steht vor einem Zelt, in dem sich ein höhenverstellbares Patientenbett und weitere Ausrüstung, die es für die Behandlung von Ebola-Patienten braucht, befinden. Nur liegt hier in Berlin im Innenhof des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kein echter Patient. An einer Puppe soll demonstriert werden, wie an Ebola Erkrankte in der Demokratischen Republik Kongo untersucht und behandelt werden.
Mit dabei ist Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sowie der Generalsekretär der Ostafrikanischen Gemeinschaft, Stephen Patrick Mbundi.
Die klimatischen Bedingungen des Landes in Äquatornähe erschweren die Arbeit. Die Schutzkleidung kann nur etwa 45 bis 60 Minuten lang zuverlässig getragen werden. Täglich kommen über 10.000 Schutzanzüge zum Einsatz, die anschließend verbrannt werden müssen, um Kontamination zu vermeiden. Lediglich die Schutzbrillen, Gummistiefel und Schürzen aus soliderem Material halten länger.
Abhilfe schaffen außerdem Plastikwände mit Auslassungen für die Arme. "Ein innovatives Konzept, was die WHO mit Partnern in den letzten Jahren mehr und mehr entwickelt hat, ist, dass man die Wände von diesen oft zeltartigen Strukturen in den Behandlungseinrichtungen mit diesen durchsichtigen Screens ausbaut und dann kann Personal ohne die Notwendigkeit von Schutzausrüstung Patienten versorgen und überwachen", so Gertler.
Hinter diesen Wänden brauchen die Pflegekräfte nicht die gesamte Schutzmontur und können trotzdem den Zustand mehrerer Menschen gleichzeitig beobachten. "Da kann man enorm Personal an einsparen, das ununterbrochen in Schutzkleidung sein muss", sagt Gertler.
21 Millionen Euro für Schutzausrüstung und Ausbildung
Das deutsche Entwicklungsministerium hat seine Hilfe seit Beginn des Ebola-Ausbruchs im Juni um 21 Millionen Euro aufgestockt, unter anderem für Schutzausrüstung. Denn die Schutzkleidung kann aufgrund der klimatischen Bedingungen vor Ort nur etwa eine Stunde lang getragen werden kann. Zehntausende Schutzausrüstungen kommen jeden Tag zum Einsatz. Das deutsche Engagement ist wichtig für die globale Gesundheit, so die Ministerin Reem Alabali Radovan (SPD).
"Wir können Ausbrüche von übertragbaren Krankheiten, Pandemien nicht vorbeugen, wenn wir nicht auch etwas aktiv dafür tun. Das heißt, es ist weiterhin wichtig, dass wir auch investieren in globale Gesundheit", sagt Alabali Radovan.
Der Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist bereits auf andere Länder übergegriffen. In Kenia gibt es bisher einen Todesfall, in Uganda hat es mehrere Dutzend Fälle von Infektionen gegeben.
"Ebola ist ausgebrochen in Regionen, die auch von Krisen und Konflikten betroffen sind. Das heißt, medizinisches Personal muss da teilweise unter lebensbedrohlichen Umständen vor Ort behandeln, wenn sie überhaupt vor Ort ankommen", macht Alabali Radovan deutlich.
"Wir versuchen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass sich der Ausbruch nicht auf die gesamte Region ausbreitet", bestätigte zuvor auch Ambassador Stephen Patrick Mbundi, Generalsekretär der Ostafrikanischen Gemeinschaft.
Der Fokus der internationalen Kampagne gegen eine weitere Verbreitung des Ebolavirus stütze sich auf die Säulen der Patientenisolierung und Behandlung, erklärt Gertler weiter. Ein weiterer Punkt sei die Aufklärungsarbeit.
Laut Gertler ist das Vertrauen in der "bürgerkriegsgeschüttelten Region in alle möglichen staatlichen Strukturen" eher schwach. Die Bevölkerung sei ein funktionierendes Gesundheitssystem nicht gewohnt. Jährlich würden 50.000 Menschen an Infektionskrankheiten wie Malaria, Cholera oder Masern sterben. Die Aufmerksamkeit für Ebola würden manche Menschen mit Skepsis betrachten, weil bisher zahlenmäßig weniger Menschen daran gestorben seien.
"Es muss Aufklärungsarbeit in den Communities geben und die muss die Menschen auch erreichen", fordert Gertler deshalb.
Alabali Radovan dankte den deutschen Kräften für Ihren Einsatz und appellierte an die internationale Zusammenarbeit, um den Ausbruch weiter einzudämmen.
Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo
In der Demokratischen Republik Kongo ist Mitte Mai diesen Jahres die Krankheit Ebola ausgebrochen. Die Zahl der bestätigten Fälle lag im Juli bereits bei über 2.000 Infektionen und 754 Toten. Inzwischen ist die Anzahl der Infektionen auf über 9.000 Fälle angestiegen, mehr als etwa 4.000 Menschen hat das Virus laut WHO-Angaben getötet. 2.269 Menschen haben das Ebolafieber überlebt. Der Ausbruch gilt als der schwerste und am schnellsten wachsende im gesamten Land.
Die Weltgesundheitsorganisation hatte direkt im Mai 2026 noch eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen. Bei einem internationalen Hilfseinsatz wurden zwei US-Amerikaner infiziert und nach Deutschland gebracht, um in speziellen Sonderisolierstationen behandelt zu werden.
Beide Ärzte wurden einige Zeit später gesund entlassen. Ob ein Infizierter wieder gesund wird, hängt nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) "maßgeblich davon ab, wie gut die medizinische Behandlung ist". Zugelassene Impfstoffe gegen das Ebola-Bundibugyo-Virus gibt es bislang nicht, ein Impfstoffkandidat befinde sich derzeit allerdings in einer Testphase.