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EIB setzt auf grenzüberschreitende Projekte für Zentralasiens Wachstum

Marek Mora
Marek Mora -  Copyright  Still from the interview
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Von Galiya Khassenkhanova
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Die Europäische Investitionsbank will ihre grenzüberschreitenden Investitionen in Zentralasien ausbauen und fordert strenge Umweltauflagen mit Vorteilen für die Region und die europäische Industrie.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) will ihr Engagement für grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte in Zentralasien ausbauen. So soll die wirtschaftliche Entwicklung in der gesamten Region vorankommen.

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„Uns interessieren nicht nur einzelne Landesprojekte. Noch spannender wäre ein Projekt über mehrere Staaten hinweg, weil wir darin Entwicklungschancen für die ganze Region sehen“, sagte EIB-Vizepräsident Marek Mora im Gespräch mit Euronews bei seinem Besuch in Astana.

Staatenübergreifendes Wasserkraftwerk

Eines der auffälligsten Beispiele für Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ist der Bau des Wasserkraftwerks Kambar-Ata-1 im kirgisischen Gebirge, den die EIB unterstützt.

Das Projekt treiben Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan gemeinsam voran. Die EIB stellt den drei Ländern dafür €900 Millionen zur Verfügung – für Maßnahmen in der Wasserwirtschaft und für neue Stromnetze.

Das Kraftwerk soll etwa 2035 fertig sein und jährlich rund 5,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Es stärkt die Energiesicherheit der gesamten Region deutlich.

Nach Moras Einschätzung kann auch Europa davon profitieren.

„Wir haben Ideen gehört für einen Energie- beziehungsweise Stromverbund von Kasachstan unter dem Kaspischen Meer nach Aserbaidschan, der dann weiter Richtung Europa führen könnte“, sagte er.

Wichtig ist auch der wasserwirtschaftliche Teil des Projekts. Das Kraftwerk entsteht am größten Fluss Kirgisistans, dem Naryn. Der Naryn trifft in Usbekistan auf den Kara Darya und bildet dort den Syr Darya.

Der Syr Darya durchquert Usbekistan und Kasachstan und mündet in den Aralsee. Für beide Länder gehört er zu den wichtigsten Flüssen, die Bewässerungswasser für die Landwirtschaft und Trinkwasser liefern.

Das Kraftwerk soll den saisonalen Wasserstand des Naryn regulieren. Es speichert Wasser, wenn Schnee und Gletscher schmelzen, und gibt es in den trockenen Monaten wieder ab. So fließt dem Syr Darya künftig gleichmäßiger und berechenbarer Wasser zu.

Kasachstan setzt auf Industrie entlang Transitrouten

Großes Interesse hat die EIB auch an Verkehrsprojekten. Die Bank sieht die Bedeutung Zentralasiens als Transportkorridor zwischen Asien und Europa.

Mora betonte, dass Kasachstan mehr Potenzial hat, als nur Transitland zu sein.

„Wir sind überzeugt, dass Kasachstan nicht nur als Transitland Chancen besitzt. Rund um diese Transitwege kann eine eigene Industrie entstehen – Logistik, Dienstleistungen“, sagte Mora.

Bereits heute gibt es einen Kredit über €150 Millionen an KazAvtoZhol, den nationalen Straßenbetreiber Kasachstans, um das Straßennetz auszubauen.

Das Projekt umfasst zentrale Verkehrsachsen des Landes, darunter Zufahrtsstraßen zu internationalen Grenzübergängen, die Kaspische Route, Korridore nach China, die südliche Transitstrecke und wichtige Fernstraßen zwischen den Regionen.

Ein ähnlicher Kredit über €200 Millionen geht an die Entwicklungsbank Kasachstans und ist für Verkehrs- und Energieprojekte gedacht.

„Dieser Rahmen wurde anschließend durch eine Absichtserklärung erweitert, um den Betrag um weitere €120 Millionen zu erhöhen“, ergänzte Mora.

EIB-Finanzierung: Welche Projekte eine Chance haben

Damit ein Projekt Geld von der EIB erhält, braucht es viel Vorbereitung, erklärt der Vizepräsident. Es muss verlässlich sein, klare Ziele und Methoden vorweisen und transparente Vergaberegeln einhalten, bevor die Bank Mittel bereitstellt.

„Es gibt zwei Gruppen von Bedingungen, die ein Projekt erfüllen muss, damit wir es finanzieren. Die erste betrifft Umwelt- und Sozialstandards, auf die wir großen Wert legen“, sagte Mora.

Das bedeutet: Vorhaben rund um Kohle, Kohletechnologien oder Gas gehören nicht zu den möglichen Investitionen. Die Bank interessiert sich mehr für grüne Technologien, etwa das Projekt für autonome Lastwagen, über das Mora mit dem kasachischen Verkehrsminister Nurlan Sauranbayev gesprochen hat.

„Wir hatten heute ein sehr gutes Gespräch mit dem Verkehrsminister. Er stellte uns ein mögliches künftiges Projekt vor: Kasachstan würde spezielle Straßen für autonome Lkw bauen, die das Land queren. Diese Lkw könnten sogar elektrisch sein und vielleicht aus europäischer Produktion stammen“, erläuterte Mora.

Die zweite Bedingung für eine EIB-Finanzierung ist eine klare Win-win-Situation.

„Ein Gewinn für Kasachstan, aber auch ein Gewinn für die europäische Wirtschaft und Industrie. Wenn wir ein Projekt in Kasachstan finanzieren, soll es natürlich die kasachische Industrie stärken. Wenn möglich möchten wir jedoch auch europäischen Anteil sehen – das interessiert uns besonders“, sagte Mora.

Zugleich hob er hervor, dass die Entwicklung der gesamten Region zu den Prioritäten der Bank gehört.

„Wasserwirtschaft ist ein globales öffentliches Gut. Je besser wir in Kasachstan mit dieser Ressource umgehen, desto mehr tragen wir zur weltweiten Bewirtschaftung bei. Wasser wird überall knapper werden – und in Kasachstan ist es heute schon knapp“, sagte er.

Im Juni eröffnete die EIB ein Vertretungsbüro in Taschkent in Usbekistan und unterstreicht damit die strategische Bedeutung der Region.

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