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Europas Antwort auf Starlink: Wer IRIS² baut und welche Rolle Deutschland spielt

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einem Besuch des Raumfahrtunternehmens OHB in Bremen am 14. Juli 2026.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einem Besuch des Raumfahrtunternehmens OHB in Bremen am 14. Juli 2026. -  Copyright  ©Bundeswehr/Tom Twardy
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Von Maja Kunert & Maja Kunert
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Wer kontrolliert die Satelliten, auf die sich Armeen verlassen? Die Berichte über Einschränkungen bei Starlink in der Ukraine machen die Frage aktuell. Die EU baut mit IRIS² ein eigenes Netz aus 348 Satelliten, ein Hersteller aus Bremen ist auch dabei.

In dieser Woche hat die ukrainische Armee Einschränkungen beim Satellitendienst Starlink gemeldet. Demnach reißt die Verbindung ab, sobald die Empfangsgeräte schneller als 160 Kilometer pro Stunde unterwegs sind, wie es bei Drohnen der Fall ist. Der Dienst wurde zunächst teilweise wiederhergestellt, eine Obergrenze blieb bestehen. Wer die Einschränkung veranlasst hat, ist unklar.

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SpaceX-Chef Elon Musk hat die Verantwortung zurückgewiesen. Starshield stehe unter der Kontrolle der US-Regierung, schrieb er auf der Plattform X. Dabei ist zu unterscheiden: Starlink und Starshield stammen beide von SpaceX, richten sich aber an unterschiedliche Kunden. Starlink ist der Dienst für Privat- und Geschäftskunden, Starshield das Angebot für Regierungen und Militär. Teils wird berichtet, betroffen sei die militärische Variante.

Polens Außenminister Radosław Sikorski reagierte auf X scharf mit den Worten: "Hey, Elon Musk, du großer Mann, machst du schon wieder Politik mit deinen Produkten? Als deine europäischen Kunden behalten wir dich im Auge."

Polen hat die ukrainischen Terminals zu einem großen Teil bezahlt. Wie abhängig Streitkräfte von Satellitenverbindungen sind, ist damit wieder Thema. Europa arbeitet deshalb schon länger an einer eigenen Lösung.

Die europäische Antwort: IRIS²

Seit rund sechs Jahren arbeitet die EU an IRIS², einem eigenen Satellitennetz. Die Abkürzung steht für "Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite". Auf Deutsch heißt das etwa Infrastruktur für Widerstandsfähigkeit, Vernetzung und Sicherheit durch Satelliten. Das System soll Regierungen, Unternehmen und Bürgern sichere Verbindungen bieten und Funklöcher in Europa und Afrika schließen. Für die Verschlüsselung setzt es auf Quantentechnik über die Europäische Quantenkommunikationsinfrastruktur EuroQCI.

Anfang August haben sich die EU-Kommission und das Konsortium SpaceRISE auf die Umsetzung geeinigt. Das Netz wächst auf 348 Satelliten, davon 330 in niedriger und 18 in mittlerer Erdumlaufbahn. 66 zusätzliche Satelliten sollen speziell Verteidigung, Sicherheit und Rettungsdienste stärken. Dadurch steigt die gesicherte Kapazität für staatliche Nutzer nach Berechnung der Kommission um 60 Prozent in der EU und um 54 Prozent weltweit.

Der Schwerpunkt liegt auf Staaten, Militär und kritischen Diensten, später sollen auch Privatpersonen das Netz nutzen können. Die ersten Satelliten sollen 2029 starten. Erste Dienste sollen schrittweise ab 2029 oder 2030 angeboten werden.

Starlink wird von Elon Musks US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben.
Starlink wird von Elon Musks US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben. Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.

Rolle von Deutschland

Aus Deutschland ist der Bremer Raumfahrtkonzern OHB dabei, kurz für Orbitale Hochtechnologie Bremen. Er hat am 31. August mit dem Satellitenbetreiber SES einen Vertrag über knapp eine Milliarde Euro für 18 Satelliten der mittleren Umlaufbahn unterzeichnet. Ein einzelner Satellit wiegt beim Start etwa 2,6 Tonnen. OHB-Chef Marco Fuchs sieht in dem Programm einen wichtigen Schritt zu mehr europäischer Unabhängigkeit.

Um den deutschen Anteil gab es schon früh Streit. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte im Dezember 2023 in einem Brandbrief an die beteiligten Unternehmen gefordert, die Beteiligung der deutschen Industrie und ihren Anteil an der Wertschöpfung dringend zu klären, wie die Frankfurter Rundschau berichtete.

Bundeswehr: Ein eigenes Satellitennetz?

Unabhängig von IRIS² plant die Bundeswehr ein eigenes Satellitennetz. Es ist ein nationales Projekt, das der Bund bezahlt. Generalmajor Armin Fleischmann, Weltraumbeauftragter im Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, sagte dem MDR, man plane eine ähnliche Konstellation wie Starlink, nur kleiner. Dem Handelsblatt sagte er, man wolle "fliegende Fritzboxen" im All haben. Das Netz soll zuerst die Nato-Ostflanke abdecken, unter nationaler Kontrolle. Einzelne Komponenten kämen von westlichen Partnern, darunter den USA.

Schon im September 2025 hat Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Weltraumkongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie in Berlin angekündigt, bis 2030 insgesamt 35 Milliarden Euro in militärische Weltraumprojekte zu investieren. Im Juli hat er OHB in Bremen besucht und sich Satellitenprogramme und die laufende Produktion zeigen lassen.

Das Vorhaben heißt SATCOMBw 4, die Abkürzung steht für Satellitenkommunikation der Bundeswehr. In der Endausbaustufe soll es nach Angaben der Bundeswehr eine dreistellige Zahl an Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn umfassen und acht bis zehn Milliarden Euro kosten. Schon 2029 soll eine erste Teilkonstellation mit bis zu 40 Satelliten einsatzbereit sein, der Vollbetrieb ist ab 2030 vorgesehen.

Um den Auftrag bewirbt sich das Gemeinschaftsunternehmen "OHB Rheinmetall Space Networks" mit Sitz in Bremen, das beide Konzerne im Juni gegründet haben. OHB würde nach Unternehmensangaben die Satelliten verantworten, Rheinmetall die Bodenstationen und Endgeräte. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Branchenberichten zufolge wird die Vergabe zum Jahreswechsel erwartet, Insider halten auch Anfang 2027 für möglich. OHB wäre damit an beiden Großprojekten beteiligt, an IRIS² als Satellitenbauer und am Bundeswehr-Netz als Teil des Gemeinschaftsunternehmens.

Bisher nutzt die Bundeswehr zwei eigene Satelliten in geostationärer Umlaufbahn in rund 36.000 Kilometern Höhe, COMSATBw-1 und COMSATBw-2, die 2009 und 2010 gestartet sind. Ihre Nachfolger baut Airbus, sie sollen 2029 im Orbit übergeben werden. Der erste der drei deutschen Radarsatelliten SARah ist 2022 mit einer Falcon 9 von SpaceX gestartet.

Junges Unternehmen aus Belgien baut Europas Satellitennetz mit

Gebaut werden die Satelliten für IRIS² von mehreren Unternehmen. Den größten Teil soll kein etablierter Konzern liefern, sondern ein junges Unternehmen: Aerospacelab, 2018 gegründet und in Charleroi in Belgien ansässig, baut 264 Satelliten für die niedrige Erdumlaufbahn.

Das Auftragsvolumen beträgt nach Angaben des Unternehmens 2,4 Milliarden Euro. Die Satelliten sollen bis 2030 ausgeliefert werden. Entstehen sollen sie in einer neuen Fabrik in Charleroi, in der ab 2027 bis zu 500 Satelliten pro Jahr gebaut werden.

Airbus baut mindestens 66 Satelliten der ersten Schicht für militärische Kommunikation, sie sollen 2029 fertig sein. Damit ist das gesamte Segment der niedrigen Umlaufbahn mit 330 Satelliten vergeben. Zusammen mit den 18 Satelliten von OHB für die mittlere Umlaufbahn kommt das Netz auf 348 Satelliten.

Wie realistisch ist 2029?

Ob der Zeitplan hält, ist offen. Die ersten Satelliten sollen 2029 starten, ursprünglich war das laut Medienberichten zwei Jahre früher geplant.

Als Engpass sehen Fachleute die Raketenstarts. Ohne Raketen kommen auch die besten Satelliten nicht ins All, und wer sie nicht selbst starten kann, bleibt von anderen abhängig. Europa setzt dafür auf die Trägerrakete Ariane 6, die seit 2024 fliegt. Andreas Knopp von der Universität der Bundeswehr München verweist in der Wochenzeitung Das Parlament auf die begrenzte Zahl ihrer Starts, die Politikwissenschaftlerin Antje Nötzold von der TU Chemnitz spricht im MDR von einem "Launcherproblem".

In diesem Jahr ist die Ariane 6 bislang viermal gestartet, drei dieser Flüge haben Satelliten für Amazon Leo ins All gebracht, das Satelliteninternet des US-Konzerns, das auch Starlink Konkurrenz machen soll. Amazon hat mindestens 18 Starts der Ariane 6 gebucht. Die Beschaffung der Startdienste für IRIS² nannte die Kommission Anfang August als einen der nächsten Schritte.

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