Seit mehr als 600 Tagen liegt die "Eventin" vor Rügen. Der Betrieb kostet laut einer Expertenschätzung bis zu 8.000 Euro täglich. Während Gerichte über die Beschlagnahmung streiten, trägt der Staat vorerst die Kosten.
Seit mehr als 600 Tagen liegt der Öltanker "Eventin" vor der deutschen Insel Rügen und verursacht dort erhebliche Kosten. Nach einer Expertenschätzung könnten für den laufenden Betrieb täglich bis zu 8.000 Euro anfallen, so das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bezahlt wird zunächst aus staatlichen Mitteln – obwohl noch nicht abschließend geklärt ist, ob Deutschland den Tanker und seine Ladung überhaupt einziehen darf.
Die "Eventin" wird der russischen Schattenflotte zugerechnet. Mit diesem Begriff werden Schiffe bezeichnet, die russisches Öl trotz westlicher Sanktionen und Einschränkungen auf internationalen Märkten transportieren. Häufig stehen dabei komplexe Eigentumsverhältnisse, wechselnde Betreiber und Flaggen verschiedener Staaten im Mittelpunkt.
Der Tanker, der unter der Flagge Panamas fährt, geriet im Januar 2025 aufgrund eines technischen Defekts in Schwierigkeiten und trieb in Richtung Rügen. Der deutsche Zoll setzte das Schiff und seine Ladung anschließend fest. An Bord befinden sich nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks rund 99.000 Tonnen russisches Rohöl.
Seitdem muss das Schiff in einem betriebsfähigen und möglichst sicheren Zustand gehalten werden. Dazu gehören die Versorgung der technischen Anlagen, die Besatzung und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Insbesondere Diesel für die Energieversorgung sowie die Sicherung des Tankers verursachen laufende Ausgaben.
Bei angenommenen Tageskosten von bis zu 8.000 Euro ergibt sich über 600 Tage eine Summe von bis zu 4,8 Millionen Euro. Diese Rechnung ist eine Hochrechnung auf Basis der genannten Schätzung, keine bestätigte Endabrechnung. Die tatsächlichen Gesamtkosten hängen unter anderem davon ab, welche Ausgaben bereits angefallen sind und wie sich der weitere Betrieb entwickelt.
Wer am Ende dafür aufkommen muss, ist offen. Solange das Verfahren nicht abgeschlossen ist, schießt der Staat die Kosten zunächst vor.
Rechtsstreit bremst eine endgültige Entscheidung
Die Beschlagnahmung ist juristisch umstritten. Der Bundesfinanzhof hatte Zweifel daran geäußert, ob die Einziehung des Schiffes und seiner Ladung rechtmäßig war. Ein wesentlicher Punkt: Die "Eventin" war nach bisherigem Kenntnisstand nicht absichtlich in deutsche Küstengewässer gefahren, sondern infolge eines Maschinenschadens dorthin getrieben.
Damit stellt sich die Frage, inwieweit das Nothafenrecht greift. Es soll Schiffen in einer Notlage ermöglichen, einen sicheren Ort anzulaufen. Eine Havarie allein begründet nicht automatisch das Recht des Staates, ein Schiff und seine Ladung dauerhaft einzuziehen.
Aktuell läuft dazu ein Verfahren. Wann es abgeschlossen wird, ist derzeit nicht absehbar. Bis dahin wird der Frachter voraussichtlich vor Rügen liegen bleiben und die Kosten werden weiter steigen.
Warum der Tanker nicht in einen Hafen gebracht wird
Eine Verlegung an Land ist bislang keine Alternative. Nach früheren Angaben des Umweltministers von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, wurden verschiedene Liegeplätze geprüft. Das Bundesfinanzministerium kam demnach zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland keinen geeigneten Hafen für eine Verlegung des 274 Meter langen Tankers gebe.
Der derzeitige Standort rund fünf Seemeilen vor der Ostküste Rügens gilt deshalb als bevorzugte Lösung. Zusätzliche Schlepper sollen im Notfall schnell eingreifen können, während die Küstenwache den Liegeplatz überwacht.
Doch die Situation bleibt heikel. Umweltverbände und Vertreter der Tourismusbranche warnen vor den Folgen eines möglichen Unfalls. Ein Austritt von Öl könnte empfindliche Küstenabschnitte der Ostsee gefährden. Die laufenden Sicherheitsmaßnahmen sollen solche Risiken begrenzen, können sie aber nicht vollständig ausschließen.