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Tränen statt Triumph: Warum Liam Gallagher bei Fontaines D.C. daneben liegt

Tränen statt Spott: Warum Liam Gallagher bei Fontaines D.C. danebenliegt
Jetzt heulen, Liam Gallagher: Darum irrt er bei Fontaines D.C. -  Copyright  AP Photo
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Liam Gallagher: „Fontaines D.C. sind nicht gut genug, um Oasis auf ihrer ‚Live ’27‘-Tour zu eröffnen“ – viele Fans reagieren genervt.

Liam Gallagher haut vieles raus. Seine jüngste Einschätzung ist jedoch völlig daneben.

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Oasis’ Live ’27 Tour wurde im vergangenen Monat angekündigt, nach viel Spekulation und dem großen Erfolg der Live ’25 Tour. Wegen der riesigen Nachfrage haben die Britpopper die Tour auf 42 Termine quer durch Kontinentaleuropa ausgeweitet – alle Shows sind inzwischen ausverkauft.

Bisher steht nur Richard Ashcroft als Support für die kommenden Konzerte fest. Und wir wissen schon jetzt von einem Act, der garantiert nicht dabei sein wird...

Der großmäulige Oasis-Frontmann erklärte, die irische Band Fontaines D.C. sei „nicht gut genug“, um bei der Live ’27 Tour als Vorband aufzutreten, und setzte noch nach, sie hätten „keine Songs“.

Mit allem Respekt vor Gallagher, dem selbsternannten „Godlike rasta icon legend biblical omnipresent prophet“ (so beschreibt er sich auf X): Diese Aussage ist ein Haufen Unsinn.

Fangen wir vorne an: Fontaines D.C. sind derzeit vermutlich die beste Band, die Platten aufnimmt und auf Tour geht. Eine steile Behauptung – aber die Belege sprechen für sich.

Seit ihrem Debüt „Dogrel“ aus dem Jahr 2019 steigern sich Grian Chatten und seine Post-Punk-Mitstreiter fast im Rekordtempo. Innerhalb von acht Jahren haben sie fünf Alben veröffentlicht. Jede neue Platte übertrifft die vorige, die Band ruht sich nie auf Erfolgen aus und treibt ihren Sound konsequent weiter.

Ihr drittes Album, das 2022 erschienene „Skinty Fia“, wirkte wie ein Höhepunkt: ein Dreierlauf, der die meisten modernen Bands vor Neid erblassen lässt. Doch dann kam 2024 „Romance“, eine Platte, die wir in unserer Jahresbestenliste als „Weihe“ beschrieben haben – und als Beweis, dass Fontaines D.C. „eine der konstant aufregendsten Bands der Gegenwart“ sind.

Das bestätigten auch ihre jüngsten Live-Auftritte. Die Band liefert auf der Bühne nicht nur musikalisch ab, sondern zeigt auch, dass sie ohne Angst für ihre Überzeugungen einsteht – anders als so mancher zuckersüße Sänger für den ersten Hochzeitstanz auf der Kitsch-Feier.

Viele glaubten, sie könnten „Romance“ nicht übertreffen und ein Einbruch sei nur eine Frage der Zeit. Doch erneut haben Fontaines D.C. alle Erwartungen überholt: Am vergangenen Freitag, dem 16. Oktober, erschien ihr fünftes Album „Dopamine Chamber“. Die düstere, schwerere und fast schon filmische Platte zementiert ihren Status als beste Band ihrer Generation. Die Iren setzen stärker auf Synthesizer; Songs wie die Single „Marianne“ und das Highlight „Mimesis“ erinnern klar an Depeche Mode. Ein weiterer Bezugspunkt ist The Cure, denn die Gitarren auf „Happy For You“ und „You Miss Me“ klingen wie aus dem Lehrbuch von Robert Smith.

Trotz dieser Anknüpfungen wirkt „Dopamine Chamber“ nie wie ein Nostalgieprojekt. Die Musik klingt eindeutig nach Fontaines. Chattens eindringliche Texte und seine Stimme zeigen einmal mehr, was für ein fesselnder Frontmann er ist. Auf dem neuen Album lädt er die Hörerinnen und Hörer ein, Kraft daraus zu ziehen, die Dunkelheit unserer trostlosen Zeiten direkt anzusehen – statt in blindem Optimismus Zuflucht zu suchen.

„Dopamine Chamber“ ist ein verblüffendes Werk, nur knapp unter Meisterwerk-Niveau. Liam Gallagher sollte sich die Songs von Fontaines D.C. vielleicht erst anhören, bevor er über sie herzieht. Keine zeitgenössische Band liefert auf diesem Qualitätsniveau. Vergleicht man ihre Bilanz von fünf aus fünf Alben mit der Oasis-Diskografie, liegt der Schluss nahe, dass Gallaghers jüngste Einschätzung schlicht hoffnungslos verfehlt ist.

Niemand bestreitet, dass Oasis im Zentrum der Britpop-Bewegung standen und den Sound der 90er für eine Generation mitgeprägt haben. Doch im direkten Vergleich verblassen ihre Werke gegen die von Fontaines D.C. Sicher, „Definitely Maybe“ (ein Album, das wir bei Euronews Culture als überbewertet eingestuft haben) und „(What’s The Story) Morning Glory?“ gelten als Klassiker. Aber seit „The Masterplan“ von 1998 haben Oasis kein wirklich geschlossenes Album mehr veröffentlicht. Ihr bislang letztes Werk „Dig Out Your Soul“ von 2008 ließ viel zu wünschen übrig. Konkrete Pläne für neue Studioaufnahmen sind nicht in Sicht – die Band spielt die alten Hits.

Daran ist nichts verkehrt, und es geht hier nicht darum, die eine Band gegen die andere auszuspielen. Es geht darum, Respekt anzuerkennen.

Woher kommt dann Gallaghers Seitenhieb? Möglicherweise von einem Interview mit Studio Brussel aus dem Jahr 2024. Damals sagte Fontaines-Gitarrist Carlos O’Connell, ihm sei das Oasis-Comeback „scheißegal“. Bassist Conor Deegan III ergänzte: „Um ehrlich zu sein, ich freue mich auch nicht darauf. Ich habe das Gefühl, wir hängen immer noch in der vergangenen Ära, in den Zehnerjahren, fest – in einer so nostalgischen Blase, dass wir vergessen, Neues zu schaffen.“

Darauf reagierte Gallagher mit: „Scheiß auf diese kleinen Rotzlöffel, ich habe Roadies gesehen, die besser gekleidet sind.“

Schon klar, Liam. Doch abgesehen davon, dass diese Sprüche wie der Wutanfall eines übergroßen Kleinkinds wirken, beweisen diese „Rotzlöffel“ ständig, dass sie die Zukunft sind. Sie müssen ihre Tickets jedenfalls nicht allein über Nostalgie verkaufen. „Dopamine Chamber“ zeigt nur, wie dankbar Oasis sein könnten, eine Band vom Kaliber der Fontaines als Vorgruppe zu haben. As you were.

„Dopamine Chamber“ ist jetzt erschienen.

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