Monatelang hielt sich Trump zurück, jetzt setzt er ein Signal: Eine Woche vor der Wahl in Israel stärkt der US-Präsident Netanjahu öffentlich den Rücken. Zugleich droht er, einen Konflikt mit Iran notfalls ohne Israel zu beenden.
US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag den unter Druck stehenden israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Endspurt seines Wahlkampfs öffentlich unterstützt.
Die Rückendeckung gilt in Israel wegen Trumps Popularität als wichtiger Schub. Monatelang hatte er sie jedoch zurückgehalten, während sich der Wahltermin näherte und die Strategien der beiden Politiker im Nahen Osten immer weiter auseinandergingen.
In einem Beitrag in sozialen Netzwerken schrieb Trump, Netanjahu sei “ein großartiger, kämpferischer Premierminister und ein noch größerer Partner für den Frieden im Kampf gegen die Islamische Republik Iran”.
Die Israelis wählen am 27. Oktober. Es ist die erste landesweite Wahl seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023.
“Danke, Präsident Trump, für die enorme Unterstützung und die gemeinsame Arbeit”, erklärte Netanjahu in einer hebräischsprachigen Botschaft auf X. “Gemeinsam werden wir den Auftrag vollenden!”
Die lange ausgebliebene offizielle Empfehlung hatte den Likud-Politiker geschwächt. Seine engen Beziehungen zu Trump hatte er bislang als zentrales Argument für den Verbleib im Amt genutzt. Die Likud-Partei veröffentlichte zu Netanjahus Erklärung ein 35-sekündiges Video. Es zeigt gemeinsame Auftritte der beiden Politiker sowie Szenen, in denen Trump Netanjahu lobt.
Welchen Einfluss die Unterstützung haben wird, ist noch unklar. Der Wahlkampf gilt als äußerst knapp.
Trumps Unterstützung folgt auf Monate des Zögerns
Schon in früheren Wahlkämpfen hatte Trump Netanjahu den Rücken gestärkt. Im November bat er Israels Präsidenten Isaac Herzog in einem Schreiben, Netanjahu von den Korruptionsvorwürfen zu entlasten.
In den vergangenen Monaten klangen Trumps Äußerungen über den israelischen Regierungschef deutlich zurückhaltender. Auf die Frage, ob er Netanjahu erneut unterstützen werde, wich er mehrfach aus. In einem Interview mit dem Magazin “Time”, das in diesem Monat erschien, sagte Trump: “Ich mische mich nicht mehr in Politik ein.” In den USA macht er dennoch weiterhin Wahlkampf und unterstützt Politiker.
Trump bleibt in Israel beliebt. Viele Israelis, darunter prominente Kommentatoren, zeigen sich jedoch enttäuscht über den offenen Ausgang des Kriegs gegen Iran und über Trumps Waffenstillstandsplan. Aus ihrer Sicht verfehlte dieser mehrere zentrale Ziele, die beide Länder zu Beginn des gemeinsamen Militäreinsatzes im Februar formuliert hatten.
In seinem Beitrag vom Sonntag drohte Trump erneut, den Konflikt mit Iran “bald zu beenden”, sollte das Regime sein Verhalten nicht sehr schnell ändern. Dazu sei er womöglich weniger bereit, wenn Netanjahu die Wahl verliere. “Wenn Israel den falschen Regierungschef hat, also irgendjemanden außer Bibi, muss Amerika diese Arbeit allein erledigen, und dazu neige ich nicht”, erklärte Trump. Netanjahu beschrieb er als “stark, mutig und brillant angesichts eines enormen Widerstands, auch aus Israel selbst”.
Spannungen im Iran-Krieg
Trump und Netanjahu gelten seit Jahren als enge Verbündete. Nach den gemeinsamen US-israelischen Angriffen auf iranische Atomanlagen im Jahr 2025 schienen sie politisch noch enger zusammenzurücken. Im fast achtmonatigen Krieg gegen Iran in diesem Jahr kam es jedoch zu deutlichen Spannungen.
Trump kritisierte Israels Entscheidung, in den ersten Kriegswochen ein wichtiges iranisches Gasfeld anzugreifen. Im Juni nannte er Netanjahu “crazy”, auf Deutsch “verrückt”, und sagte, er sei “ein wenig verärgert”. Grund war, dass die Kämpfe Israels mit der Hisbollah im Libanon Friedensgespräche mit Iran verzögerten.
Im August lehnte Netanjahu Trumps jüngsten Plan für einen Waffenstillstand im Gazastreifen ab. Das Konzept sah vor, dass sich Israel aus Teilen des von ihm kontrollierten Gebiets zurückzieht, noch bevor die Hamas vollständig entwaffnet ist.
Einmischung in ausländische Wahlen
Vor allem in seiner zweiten Amtszeit versucht Trump, mit ausdrücklichen Empfehlungen bei Wahlen im Ausland Einfluss zu nehmen und spätere Erfolge für sich zu verbuchen. Er stellte sich unter anderem hinter den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der sich erfolglos um eine fünfte Amtszeit bewarb. Auch Japans Regierungschefin Sanae Takaichi, Polens Präsident Karol Nawrocki und mehrere Staats- und Regierungschefs in Lateinamerika erhielten seine Unterstützung.