Der Schriftsteller aus Québec stand seit Wochen im Zentrum einer Debatte. Am Mittwoch räumte sein kanadischer Verlag Les Éditions du Boréal ein, dass beim Schreiben seines jüngsten Romans tatsächlich KI zum Einsatz kam.
Seit Wochen sorgt der Fall in der frankophonen Verlagswelt für Aufruhr. An diesem Mittwoch, dem 21. Oktober, teilte der kanadische Verlag Les Éditions du Boréal in einer Mitteilung (Quelle auf Französisch) mit, dass Thélyson Orélien beim Schreiben seines Romans „C’était ça ou mourir“ tatsächlich auf künstliche Intelligenz (KI) zurückgegriffen hat, entgegen seinen bisherigen Beteuerungen.
„Neue, in den vergangenen Tagen bestätigte Informationen deuten darauf hin, dass im Schreibprozess des Romans künstliche Intelligenz eingesetzt wurde, obwohl uns der Autor mehrfach versichert hatte, bei der Entstehung seines Buches nie darauf zurückgegriffen zu haben“, erklärte der Verlag am Mittwoch in seiner Mitteilung.
„In der Folge wird Boréal den Roman nicht neu auflegen und keine weiteren Bücher von Thélyson Orélien veröffentlichen.“
Die Kehrtwende kommt, nachdem der Verlag vor einer Woche noch erklärt hatte, er stehe hinter dem Autor und habe keinerlei Belege für einen eindeutigen Einsatz von KI.
Angesichts der Zweifel und nachdem Thélyson Orélien „angekündigt hatte, keine weiteren Unterlagen vorzulegen“, teilte der Verlag mit, er habe eine „umfassende externe Analyse“ aller „Arbeitsfassungen des Romans“ in Auftrag gegeben.
„Wir wissen noch immer nicht, in welchem Ausmaß bei der Entstehung von „C’était ça ou mourir“ künstliche Intelligenz genutzt wurde, und vermutlich werden wir darauf nie eine endgültige Antwort bekommen“, heißt es weiter, „für uns ist die grundlegende Frage jedoch die nach dem Vertrauen zwischen Autorinnen, Autoren und Verlagen“, erklärte der Verlag.
Ausgelöst hatte die Kontroverse der X-Account „Balance ton Claude“, der behauptete, im Roman einen massiven Einsatz von KI erkannt zu haben. Der Fall schürte daraufhin wochenlang die Debatte über die Zukunft des Schriftstellerberufs.