Der US-Präsident äußerte sich am Mittwoch auf seinem Netzwerk Truth Social. Er forderte Unternehmen auf, Abkommen mit Gemeinden zu schließen, um Rechenzentrumsprojekte populärer zu machen.
US-Präsident Donald Trump schlägt vor, dass Unternehmen, die Rechenzentren bauen, eine „Dividende“ an die Gemeinden zahlen, in denen sie angesiedelt sind. So sollen die Projekte für die Menschen vor Ort attraktiver werden.
Weltweit treiben Unternehmen den Aufbau von KI-Infrastruktur voran. Gleichzeitig regt sich immer mehr Widerstand gegen neue Projekte. Gründe sind der hohe Wasser- und Energiebedarf der Anlagen und ihre Folgen für Umwelt vor Ort, Strompreise und Wasserknappheit.
Der US-Präsident erklärte, er beobachte Rechenzentren „sehr genau“ und sei zu einer „sehr klaren Schlussfolgerung“ gekommen: Stark umstrittene Projekte würden „äußerst beliebt“, sobald eine finanzielle Vereinbarung die Sorgen der Bevölkerung aufgreife.
Beim Thema Energie sagte Trump, er habe persönlich angeordnet, dass Rechenzentren „ihren eigenen Strom erzeugen und Überschüsse der Gemeinde oder dem Netz geben oder verkaufen“ müssen, um Preisanstiege abzufedern. Wenn dies gelinge, „könnte es zu einem deutlichen Rückgang“ der Energiepreise kommen.
Allein im Jahr 2026 sind laut der Finanzplattform Investing Live mindestens 47 Großprojekte verzögert worden. Mehr als 1000 Kommunen in den USA haben Moratorien, Obergrenzen bei der Flächennutzung oder strenge Umweltauflagen für neue KI-Infrastruktur vorgeschlagen oder eingefordert.
Trotzdem gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die Entwicklung verlangsamt. Analysten von Investing Live erwarten, dass die Ausgaben für KI-Infrastruktur in den USA zwischen 2025 und 2032 mehr als zehn Billionen Dollar (8,9 Billionen Euro) erreichen – rund 3,6 % der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.
Einige Rechenzentrumsprojekte wurden nach Vereinbarungen mit Kommunen doch umgesetzt. Diese Abmachungen werden inzwischen „Community Benefits Agreements“ (CBAs) genannt. Die öffentliche Stimmung hat sich dadurch jedoch nicht grundlegend verändert.
Im Frühsommer einigte sich Meta mit dem Gouverneur von Texas, Greg Abbott, auf ein Abkommen (Quelle auf Englisch) zu einem umstrittenen Rechenzentrumsprojekt in El Paso, Texas, das vom Investmentriesen BlackRock finanziert wird.
Aus einer ursprünglich geplanten Investition von 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) im Jahr 2023 wurde ein Mega-Campus im Wert von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro). Das löste heftigen Protest aus, und die Behörden prüften, das Projekt ganz zu stoppen. Im Juni stimmte der Stadtrat jedoch mit fünf zu drei Stimmen gegen eine Aufkündigung des Deals.
Der Gouverneur erzielte anschließend ein weiteres Abkommen, das mehrere Schutzmechanismen für die Gemeinde festlegt. Meta muss demnach seine gesamte Strominfrastruktur selbst finanzieren, sein Prozesswasser wiederverwenden und zusagen, die „Abhängigkeit von veralteten, vom Steuerzahler finanzierten Anreizen zu beenden“.
Meta äußerte sich seitdem zu der Vereinbarung, ging aber nicht auf die Details ein, die der Gouverneur festgelegt hat. Zu den Kritikerinnen gehört Gina Hinojosa, die demokratische Kandidatin für das Gouverneursamt in Texas. Sie moniert, dass das Abkommen keine verbindlichen Auflagen für den Tech-Konzern enthält. Meta rechnet damit, den Bau in zwei Jahren abzuschließen.
Im September verabschiedete der Stadtrat von Lancaster in Pennsylvania das erste vollständig ausgearbeitete CBA für ein Rechenzentrumsprojekt in den USA. Es betrifft einen Cloud- und KI-Komplex im Umfang von sechs bis zehn Milliarden Dollar (5,3 bis 8,9 Milliarden Euro) – den „Lancaster AI Hub“.
Das Paket umfasst mehrere Maßnahmen zur Unterstützung der Stadt. Dazu gehören ein Wirtschaftsentwicklungsfonds über zehn Millionen Dollar (8,9 Millionen Euro), ein weiterer Fonds in gleicher Höhe für nachhaltige Entwicklung und erneuerbare Energien sowie ein Planungsfonds über 250.000 Dollar (222.500 Euro). Außerdem erhält die Stadt Kreditlinien über zehn Millionen Dollar (8,9 Millionen Euro), falls das Projekt seine Umwelt- und Finanzzusagen nicht einhält.
Im Oktober erhielt der Entwickler Digital Realty eine erste öffentliche Genehmigung für ein Projekt in De Soto im Bundesstaat Kansas. Geplant ist ein Rechenzentrums-Campus auf 280 Acre, rund 113 Hektar. Das Unternehmen umging dafür lokale Vorgaben und entschädigt die Bürgerinnen und Bürger direkt.
Das Unternehmen bietet Anwohnern über einen Zeitraum von zehn Jahren Versorgungs- und Grundsteuergutschriften im Wert von 1000 Dollar (890 Euro) an. Insgesamt will Digital Realty 20 Millionen Dollar (17,8 Millionen Euro) investieren. Der Konzern verspricht sich davon dauerhafte Steuereinnahmen, neue Arbeitsplätze und weitere wirtschaftliche Vorteile für die Bevölkerung.
Auch in Europa setzt sich der sogenannte „Cash for Communities“-Ansatz zunehmend durch.
Irland beherbergt einen der größten Rechenzentrumscluster Europas. Im Oktober kündigte OpenAI dort an, künftige Rechenzentren könnten Zahlungen an die lokale Bevölkerung enthalten, um Sorgen über ihre Auswirkungen zu mindern.
Das Land hat allerdings bereits strenge Vorgaben für Rechenzentren. Unter anderem müssen sie Strom in das öffentliche Netz einspeisen.
Auch Deutschland verlangt klare Gegenleistungen, vor allem bei der Energienutzung. In großen Standorten wie Dietzenbach, wo Google einen Campus im Milliardenbereich baut, müssen Projektentwickler zunächst Vereinbarungen zur Energieinfrastruktur schließen. Überschüssige Abwärme aus den Rechenzentren soll in das Netz eingespeist werden und so die Strom- und Heizkosten der Haushalte vor Ort senken.