Die spanische Zeitung El País hat Einsicht in einen Bericht des Innenministeriums erhalten. Der Bericht warnt vor Aufrufen zu Anschlägen auf Polizei und Demonstranten bei seit Wochen laufenden Protesten in mehreren europäischen Ländern.
Spanische Behörden haben offenbar Aufrufe dschihadistischer Gruppen entdeckt, die zu Anschlägen auf Polizisten und Demonstranten bei den laufenden Protesten in mehreren europäischen Ländern aufrufen, darunter Spanien und Portugal.
Das portugiesische System für Innere Sicherheit (SSI) erklärt, es verfolge diese Warnung „sehr aufmerksam“. „Die Generalsekretärin des Systems für Innere Sicherheit verfolgt die genannte Situation [dschihadistische Aufrufe zu Angriffen auf Polizisten und Demonstrierende] im Rahmen ihrer Zuständigkeiten sehr aufmerksam und steht dabei in ständigem Austausch mit den zuständigen Stellen“, teilte das SSI der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa mit.
Nach Informationen der Zeitung El País (Quelle auf Spanisch) hat das spanische Innenministerium auf einer Website, die mutmaßlich mit der selbst ernannten Terrormiliz Islamischer Staat verbunden ist, entsprechende Botschaften entdeckt. Darin rufen die Verfasser zu Angriffen während der Proteste auf, die seit mehreren Wochen in europäischen Ländern wie Portugal, Spanien, Frankreich und Italien andauern.
Ihren Höhepunkt erreichten die Unruhen am vergangenen Wochenende in Frankreich, wo unter anderem das Rathaus von Limoges und der Sitz des Fremdenverkehrsamtes in Lyon in Brand gesetzt und weitgehend zerstört wurden. Auch in Italien kam es zu gewaltsamen Aktionen, darunter Brandstiftungen, vor allem in Mailand.
In Portugal und Spanien stehen vor allem die hohen Lebenshaltungskosten und die Wohnungskrise hinter den täglichen Protesten und Protestcamps („acampadas“) auf den Plätzen einiger der größten Städte, etwa in Lissabon, Porto und Madrid.
Die spanische Tageszeitung gibt an, Einblick in ein internes Dokument des Koordinierungsbüros für Cybersicherheit erhalten zu haben. Darin finden sich Botschaften, die dazu ermuntern, Massendemonstrationen und Zusammenstöße auf der Straße für Anschläge auszunutzen.
Nach Angaben von El País sehen die Verfasser in der Struktur der Proteste – in Frankreich sollen sich am vergangenen Wochenende mehr als 800.000 Menschen beteiligt haben – „eine seltene Gelegenheit, sie anzugreifen“. Die Polizei werde „zur leichten Beute, wenn es zu Zusammenstößen mit Demonstrierenden kommt“.
Die Dschihadisten sollen sogar praktische Hinweise gegeben haben, wie solche Anschläge verübt werden können und rufen zum „Märtyrertum“ durch Bomben-Selbstmordattentate oder gezielte Autoangriffe auf.