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Proteste in Italien: Festnahmen, Feuer und Krawalle

Mailand: Proteste auf der Piazza Duomo, 17.10.2026
Mailand: Proteste auf der Piazza Duomo, 17.10.2026 -  Copyright  Stefano Porta/LaPresse via AP
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Von Fortunato Pinto
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Die Polizei nimmt in Mailand Dutzende Menschen nach Zusammenstößen fest. Auch in Turin und Bologna kommt es zu Spannungen, mehrere Demonstranten erleiden Verletzungen.

Im Gefolge der in Frankreich ausgebrochenen Proteste kommt es nun auch in Italien zu Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten. In mehreren Städten eskalieren sie und führen zu gewaltsamen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften.

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Die größten Spannungen gibt es in Mailand. Dort gerät der Protestzug zunächst außer Kontrolle und breitet sich anschließend ins Zentrum aus, vor allem auf der Piazza Duomo. Die Innenstadt verwandelt sich stellenweise in ein regelrechtes Schlachtfeld. In der lombardischen Metropole werden 25 Menschen verletzt und in verschiedene Krankenhäuser gebracht, darunter zehn Polizisten. Niemand von ihnen muss als Notfall mit höchster Dringlichkeitsstufe eingeliefert werden.

Krawalle in Mailand: Geschäfte verwüstet, mobiles WC in Flammen

Während der Ausschreitungen in Mailand setzt die Polizei Tränengas ein und fährt Wasserwerfer auf, um die Menge zu zerstreuen. Demonstrierende öffnen Feuerlöscher, zünden Böller und Feuerwerkskörper und schleudern Gegenstände, darunter Mülltonnen und Absperrgitter.

Der Vorstoß der Beamten in voller Schutzmontur erreicht auch die Galleria Vittorio Emanuele II, die Metrostationen der Linien M1 und M3 werden geschlossen. Mehrere Geschäfte im Zentrum werden beschädigt, auf der Piazza Duomo steckt jemand eine mobile Toilette in Brand. In den Seitenstraßen fliegen Stühle, Tische kippen um, Müllcontainer und Bänke werden aus der Verankerung gerissen. Am Ende des Protests meldet die Polizei 50 vorläufig festgenommene Menschen, die Hälfte von ihnen ist minderjährig.

Turin: Polizei nimmt zwölf Personen fest, zehn sind minderjährig

Auch in Turin kommt es zu Spannungen und Zusammenstößen. Rund eine Stunde lang ist die Stadt Schauplatz von Unruhen mit sehr jungen, vermummten Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie reißen Müllcontainer aus der Verankerung und schieben sie auf die Fahrbahn, benutzen Tische und Stühle aus Außengastronomien als Barrikaden und werfen Flaschen, Böller, Stöcke und Steine auf die Sicherheitskräfte.

Die Polizei stoppt zwölf Personen, darunter zehn Minderjährige. Bei ihnen finden die Beamten Molotowcocktails, Böller, Pflastersteine und Nothämmer. Einige werden verdächtigt, Sachschäden verursacht zu haben, Ermittlerinnen und Ermittler prüfen nun ihre genaue Rolle.

Proteste in Bologna im Bahnhofsviertel: sieben Festnahmen

In Bologna konzentrieren sich die Auseinandersetzungen rund um den Bahnhof und auf der Piazza Medaglie d'Oro. Vermummte Jugendliche werfen dort zahlreiche Steine und andere Gegenstände, Dutzende Leihräder landen umgestürzt auf dem Boden. Der Protestzug setzt sich am frühen Nachmittag auf der Piazza Minghetti in Bewegung, begleitet von Sprechchören gegen steigende Preise. Er führt über die Via Farini und die Via Marconi. In der Umgebung des Bahnhofs löst sich eine Gruppe von Demonstrierenden und wirft Rauchkörper, Glasflaschen und Absperrgitter.

Die Sicherheitskräfte setzen Wasserwerfer und Tränengas ein, der Protest verlagert sich daraufhin in die zentrale Via Indipendenza. Dort nimmt die Polizei derzeit sieben Personen fest, deren genaue Situation noch geprüft wird.

Meloni fordert Opposition zu klarer Verurteilung der Gewalt auf

Zu den Ereignissen am Nachmittag äußern sich zahlreiche Politikerinnen und Politiker. Regierungschefin Giorgia Meloni verweist zunächst auf die Kundgebung der Gewerkschaft Cgil, die am Samstag stattfand, und betont, Demonstrieren sei ein Recht. Anschließend verurteilt sie die Ausschreitungen in den italienischen Städten und veröffentlicht ein Video der Krawalle in Mailand. „Ich erneuere meine Bitte an die Opposition: Sie darf bei diesem Thema nicht zweideutig sein. Jede Zurückhaltung wird zur Rechtfertigung“, erklärt Meloni.

Vizepremier und Außenminister Antonio Tajani erklärt: „Es ist inakzeptabel, dass Teile der Mitte-links-Opposition Öl ins Feuer gießen, um ihre eigene Ideen- und Konzeptlosigkeit zu kompensieren.“ Der zweite Vizepremier und Verkehrsminister Matteo Salvini behauptet, auf den Plätzen hätten sich „Sozialzentren, Jugendgangs und verdorbenes linkes Gesindel“ versammelt. Er fragt: „Wird es immer noch Menschen geben, die sie schützen und verteidigen?“

Auf der Gegenseite meldet sich der Bürgermeister von Mailand, Giuseppe Sala, zu Wort: „Die Gründe für den Protest waren nachvollziehbar. Die Gewalt gegen die Sicherheitskräfte und die schweren Schäden in der Stadt sind nicht zu rechtfertigen. Die Politik kann versuchen, das auszuschlachten, um Wählerstimmen zu gewinnen. Oder sie kann diesen schwierigen historischen Moment mit Besonnenheit angehen – ich hoffe, dass sie diesen Weg wählt.“ Pierfrancesco Majorino, Vorsitzender der PD-Fraktion in der Region Lombardei, erklärt: „Die heutigen Gewalttaten sind völlig inakzeptabel und müssen klar verurteilt werden. Niemand darf sie nutzen, um Studentinnen und Studenten zu kriminalisieren, die seit Tagen ganz friedlich auf die Straße gehen und zentrale Fragen nach dem Recht auf Wohnen, auf Bildung und insgesamt auf Zukunft stellen.“

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