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Steinzeit-Siedlung im Arendsee – das versunkene Atlantis des Ostens?

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See-Symbolbild -  Copyright  Victor Oonk
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Von Kevin Koehrmann
Zuerst veröffentlicht am
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Tief unter der Wasseroberfläche könnte sich ein Geheimnis aus längst vergangenen Zeiten verbergen. Gab es am Arendsee im Norden Sachsen-Anhalts einst eine steinzeitliche Siedlung, die im Laufe der Jahrtausende versank? Die Geschichte erinnert an Atlantis – nur mitten in der Altmark.

In 20 Metern Tiefe haben Forscher des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt bei einem Tauchgang im Arendsee, der an der gleichnamige Stadt liegt, eine sensationelle Entdeckung gemacht. Ein für Laien unscheinbares Stück Holz ist bis zu 10.500 Jahre alt und stammt somit aus der Mittelsteinzeit (Mesolithikum).

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Die Holzkonstruktion ist rund 1,60 Meter lang und wurde von Jägern und Sammlern bearbeitet. Ist sie ein Hinweis auf Wohnbauten – lange bevor die ersten Bauern in dieser Region sesshaft wurden? Muss die Geschichte neu geschrieben werden?

Bei einem etwa 1,6 Meter hohen Pfahl aus dem Arendsee mit Fäll- und Bearbeitungsspuren könnte es sich um das tragende Element eines mittelsteinzeitlichen Bauwerks gehandelt ha
Bei einem etwa 1,6 Meter hohen Pfahl aus dem Arendsee mit Fäll- und Bearbeitungsspuren könnte es sich um das tragende Element eines mittelsteinzeitlichen Bauwerks gehandelt ha © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Juraj Lipták

"Neben den üblicherweise aus dieser Zeit erhaltenen Funden, wie Steingeräten oder Tierknochen, konnten unsere Taucher spektakuläre Hölzer bergen, welche aus dieser Epoche nur sehr selten erhalten geblieben sind", sagt Landesarchäologe Harald Meller. "Die Funde werfen ein ganz neues Licht auf die Mittelsteinzeit, für die Spuren von Bauten bislang in Mitteldeutschland nur in Form von Erdverfärbungen bekannt sind." Nach ersten Erkenntnissen könne es sich bei den Resten um ehemalige Konstruktionen handeln.

Dank einer geologischen Besonderheit sind die Spuren der damaligen Besiedlung und die einstige Uferlandschaft im Arendsee außergewöhnlich gut erhalten. Während andere Seen im Laufe der Jahrtausende durch Ablagerungen immer flacher werden, sinkt der Grund des Arendsees durch geologische Prozesse über einem unterirdischen Salzstock langsam ab. Dadurch liegen die Funde aus der Mittelsteinzeit heute unter einer dünnen Sedimentschicht und sind hervorragend konserviert.

Bergung des mittelsteinzeitlichen Holzes durch Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhal
Bergung des mittelsteinzeitlichen Holzes durch Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhal © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Juraj Lipták

Muss die Geschichte neu geschrieben werden?

"Ob wir hier Reste von Hütten, oder andere, bisher vollkommen unbekannte Holzkonstruktionen vor uns haben, ist Gegenstand der laufenden und zukünftigen Forschungen. Sollten bereits vor 10.500 Jahren – also 3.000 Jahre vor der Ankunft der ersten Bauern mit ihren Langhäusern in Mitteleuropa – dauerhafte Bauten, oder intensiv gestaltete Lebensräume existiert haben, hätte dies nicht nur weitreichende Folgen für unser Bild von Jägern und Sammlern, sondern auch der Herkunft moderner Kulturlandschaften", sagt Marcel Weiß, Projektleiter vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. »

Die Unterwasserarchäologie am Arendsee böte eine einmalige Chance, die Wurzeln der modernen Welt kennenzulernen. "Bislang wird die grundsätzliche Transformation der natürlichen Umwelt zu Kulturlandschaften mit den ersten Bauern verbunden, die um 5.500 vor Christus nach Mitteldeutschland einwanderten", so Weiß. Diese Annahme kann sich nun ändern.

Bereits seit mehreren Jahren erfolgen im Arendsee (Altmarkkreis Salzwedel) taucharchäologische Untersuchungen. Aufsehen erregten etwa der Fund jungsteinzeitlicher Fischzäune, eines hochmittelalterlichen Prahms (flachbodiges Lastschiff) sowie eines spätmittelalterlichen Einbaums.

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