Audi plant sein erstes eigenes Automobilwerk in den USA. Der Ingolstädter Autobauer will Milliarden in einen neuen Produktionsstandort im Bundesstaat Georgia investieren.
Audi wagt den großen Schritt nach Amerika: Der Premiumhersteller aus Ingolstadt will rund vier Milliarden US-Dollar in sein erstes eigenes US-Autowerk im Bundesstaat Georgia investieren.
Die Ankündigung erfolgte am Samstag, dem 24. Oktober 2026, bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump in Perry, Georgia. Trump trat gemeinsam mit Döllner auf und betonte in seiner Rede, dass seine Handelspolitik Unternehmen zur Verlagerung ihrer Produktion in die Vereinigten Staaten bewege. Die Ankündigung dürfte gut in den Kampf um die Zwischenwahlen am 3. November passen.
Audi-Chef Gernot Döllner begründete die Investition in seiner Ansprache mit den langfristigen Ambitionen des Unternehmens in den USA: Der amerikanische Markt gehöre zu den wichtigsten Premiumautomobilmärkten weltweit, Audi habe dort sein Potenzial bislang aber nicht ausgeschöpft.
Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre starten
Geplant sind eine Jahreskapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen und rund 4.500 Arbeitsplätze. Das Werk soll am Standort Middle Georgia Megasite im Peach County entstehen, in der Nähe der Stadt Macon. Georgia setzte sich nach Angaben des Bundesstaates unter anderem wegen seiner vorhandenen Zulieferindustrie, der Verkehrsanbindung und des verfügbaren Fachpersonals als Standort durch. Auch die Möglichkeit, die Anlage später zu erweitern, spielte bei der Auswahl eine Rolle.
Nach Unternehmensangaben ist der Beginn der vorbereitenden Arbeiten für 2027 vorgesehen, die Serienproduktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Die Regierung von Georgia nennt 2031 als angestrebten Start der vollständigen Produktion.
Mit rund 4.500 geplanten Arbeitsplätzen wäre das Vorhaben ein bedeutendes Industrieprojekt für die Region. Hinzu kommen würden Stellen bei Zulieferern, Logistikunternehmen und Dienstleistern.
Große SUVs für den amerikanischen Markt
In dem neuen Werk sollen vor allem große, hochpreisige Geländewagen produziert werden. Reuters berichtet unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter, dass die Modelle Audi Q7, Q8 und Q9 vorgesehen seien. Audi selbst spricht von besonders großen und hochwertigen SUVs, die auf die Bedürfnisse nordamerikanischer Kunden zugeschnitten werden sollen.
Für Audi ist der Schritt strategisch bedeutsam, denn bislang importiert das Unternehmen seine Fahrzeuge für den US-Markt aus Europa oder Mexiko. Eine lokale Produktion würde die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten und Wechselkursschwankungen reduzieren. Zugleich würde Audi näher an seinen amerikanischen Kunden produzieren und seine Wettbewerbsposition gegenüber Herstellern mit eigener US-Fertigung stärken, wie der Autobauer in einer offiziellen Mitteilung betont.
Trump reklamiert Erfolg für seine Zollpolitik
Trump hatte die Einfuhr von Autos und Autoteilen mit zusätzlichen Zöllen belegt und ausländische Hersteller wiederholt aufgefordert, mehr in den USA zu produzieren. Für Unternehmen wie Audi erhöht diese Politik die Kosten von Importen, somit wird eine Fertigung vor Ort wirtschaftlich attraktiver. Reuters zufolge belasteten Trumps Zölle Audi im Vorjahr mit rund 1,2 Milliarden Euro.
Allerdings lässt sich daraus nicht explizit nicht ableiten, dass die Zölle allein für die Standortentscheidung verantwortlich sind: Audi verweist auch auf den langfristigen Ausbau seines US-Geschäfts, den Zugang zum Absatzmarkt, die vorhandene Infrastruktur und die regionale Zulieferbasis.
Was bedeutet das für Deutschland?
Die Entscheidung wirft Fragen für die deutschen Standorte des Volkswagen-Konzerns auf. Eine zusätzliche Produktion in den USA bedeutet zwar nicht automatisch, dass Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, sie verändert jedoch die geografische Verteilung künftiger Investitionen und stärkt die Bedeutung Nordamerikas.
Audi betont, dass Deutschland und Europa das industrielle Rückgrat des Unternehmens bleiben sollen, die bestehende Kompetenz in Entwicklung, Technik und Produktion soll durch den neuen Standort lediglich ergänzt werden.
Die IG Metall begrüßt nach Angaben der Tagesschau grundsätzlich die stärkere Erschließung des US-Marktes, forderte zugleich aber verbindliche Perspektiven für die Beschäftigten an den deutschen Standorten. Zudem steht die endgültige Entscheidung nach Angaben der Gewerkschaft unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Volkswagen-Gremien.
Georgia: Ein Industriestandort mit Auto-Tradition
Georgia ist längst ein Zentrum der amerikanischen Autoindustrie. Der südkoreanische Autokonzern Kia produziert seit 2009 in West Point, Hyundai, ebenfalls aus Südkorea, hat nahe Savannah eine milliardenschwere Fabrik für elektrifizierte Fahrzeuge aufgebaut. Hinzu kommen die leistungsfähigen Häfen von Savannah und Brunswick, über die Fahrzeuge und Komponenten international transportiert werden können.
Für Trump wäre die Investition ein weiterer Trumpf in seiner Strategie, mehr industrielle Produktion in die USA zu holen. Für Audi bedeutet sie einen Schritt näher an einen der wichtigsten Automobilmärkte der Welt.