Haushalte mit 18- bis 24-Jährigen verfügen meist über ein geringeres verfügbares Einkommen. Fachleute warnen jedoch, dass Statistiken nur einen Teil der Lage abbilden.
In den vergangenen Wochen haben sich in mehreren europäischen Ländern Proteste ausgebreitet. Auslöser sind steigende Lebenshaltungskosten, unerschwinglicher Wohnraum, niedrige Löhne und der Druck auf öffentliche Dienste. In Frankreich stehen Studierende und junge Menschen an der Spitze dieser Proteste.
Damit rückt Europas Generation Z in den Fokus.
Der EU-Rechtsexperte Alberto Alemanno warnt, die Proteste als „Teenager-Revolution“ abzutun, sei hochgradig irreführend. Er betont, dass die Jugendproteste in Europa viele Gesichter haben.
Wie steht das Haushaltseinkommen junger Menschen im europäischen Vergleich da? Wie ist die finanzielle Lage ihrer Familien? Und wo liegt Frankreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?
Das sogenannte äquivalisierte verfügbare Einkommen zeigt nicht die ganze Wirklichkeit, ist aber ein wichtiger Indikator. Nach Eurostat ist es „das gesamte Einkommen eines Haushalts (Quelle auf Englisch) nach Steuern und Abzügen, das zum Ausgeben oder Sparen bleibt, geteilt durch die Zahl der Haushaltsmitglieder, umgerechnet in gleichgestellte Erwachsene“. Sozialleistungen sind darin enthalten.
Eurostat erhebt diese Daten für junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren. Die Zahlen beziehen sich auf das Einkommen der Haushalte, in denen sie leben – nicht auf das, was sie selbst verdienen.
Junge Menschen in Frankreich leben laut Eurostat im Jahr 2025 in Haushalten mit einem mittleren äquivalisierten Einkommen von 23.850 Euro. Der EU-Durchschnitt liegt bei 21.482 Euro.
Im Vergleich von 34 europäischen Ländern, darunter EU-Staaten, Beitrittskandidaten und EFTA-Länder, liegt Frankreich auf Rang 11.
„In Frankreich erfasst der Indikator Studierende, die allein oder in Gemeinschaftsunterkünften wie Wohnheimen leben, nicht, da sie aus der Stichprobe herausfallen“, sagte Anne Brunner, Studienleiterin beim Observatoire des inégalités, gegenüber Euronews Business.
Sie weist außerdem darauf hin, dass die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sehr unterschiedlich ist: Sie umfasst sowohl Studierende, die noch bei ihren Eltern leben, als auch junge Erwerbstätige, von denen viele geringe oder keine Qualifikationen haben, in prekären Jobs arbeiten und armutsgefährdet sind.
Die höchsten mittleren äquivalisierten Haushaltseinkommen für junge Menschen verzeichnet die Schweiz mit 52.206 Euro. Es folgen Luxemburg mit 43.028 Euro und Österreich mit 37.299 Euro.
Unter den „großen Vier“ der EU-Volkswirtschaften erzielt Deutschland mit 26.330 Euro den höchsten Wert. Italien mit 20.315 Euro und Spanien mit 19.338 Euro liegen unter dem EU-Durchschnitt.
Nordmazedonien weist mit 4.640 Euro das niedrigste mittlere äquivalisierte Einkommen der 18- bis 24-Jährigen auf, gefolgt von Albanien mit 5.736 Euro und der Türkei mit 5.987 Euro.
Auch in Bulgarien mit 8.680 Euro, Ungarn mit 8.576 Euro, Serbien mit 7.754 Euro und Rumänien mit 7.237 Euro erreicht dieser Wert weniger als die Hälfte des EU-Durchschnitts.
Daten und Realität
Das Sekretariat des Europäischen Jugendforums betont, dass Einkommen nur ein Teil der Realität ist. In manchen Ländern wirken junge Menschen statistisch besser gestellt, weil sie länger im Elternhaus bleiben. Hinter diesen Zahlen steht jedoch eine Generation, die es sich nicht leisten kann, auszuziehen, eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen und ein eigenständiges Leben aufzubauen.
„Das Paradoxon ist: Junge Menschen wirken wohlhabender, wenn sie länger von ihrer Familie abhängig bleiben, und ärmer, sobald sie auf eigenen Beinen stehen“, so das Sekretariat gegenüber Euronews Business.
Junge Menschen fallen in den meisten Ländern zurück
Ein Vergleich mit der Gesamtbevölkerung im eigenen Land zeigt, ob junge Menschen den Anschluss verlieren. Mehrere Faktoren spielen dabei zusammen.
„Insgesamt haben junge Menschen weniger Berufserfahrung und häufig einen niedrigeren Bildungsstand als ältere Erwachsene, weil viele noch studieren. Studierende verfügen meist über geringere Einkommen. Auch die Wohnsituation kann eine Rolle spielen, etwa in den nordischen Ländern“, sagt Ilari Ilmakunnas, Senior Researcher am Finnish Centre for Pensions (ETK), im Gespräch mit Euronews Business.
In 28 der 34 untersuchten Länder leben junge Menschen in Haushalten mit einem niedrigeren mittleren Einkommen als die Gesamtbevölkerung.
In der EU erreichen junge Menschen im Schnitt 93,6 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung: 21.482 Euro gegenüber 22.939 Euro.
In Frankreich liegt die Quote bei 90,1 %. Junge Menschen leben dort in Haushalten mit einem mittleren Einkommen, das 2.609 Euro unter dem nationalen Median liegt: 23.850 Euro gegenüber 26.459 Euro.
Wo die Lücke am größten ist
Am größten ist die Lücke in Finnland. Junge Menschen leben dort in Haushalten mit einem mittleren Einkommen von 22.277 Euro, während die Gesamtbevölkerung auf 29.740 Euro kommt. Das entspricht 74,9 % des nationalen Medians.
Es folgen Dänemark mit 78,3 %, Norwegen mit 82,7 %, Luxemburg mit 86,0 % und Schweden mit 88,2 %.
Anne Brunner verweist darauf, dass die Politik in den nordischen Ländern die Selbstständigkeit junger Menschen gezielt fördert. Sie ziehen früher aus dem Elternhaus aus und leben deutlich häufiger allein oder in Wohngemeinschaften.
„Ihr Haushaltseinkommen wird dann auf Grundlage ihrer eigenen, oft bescheidenen Ressourcen gemessen und nicht gemeinsam mit dem Einkommen der Eltern. Das vergrößert automatisch den Abstand zur Gesamtbevölkerung. Ein niedriger Wert sollte in diesen Ländern daher nicht als Hinweis auf größere Not gelesen werden“, erklärt sie.
In sechs Ländern leben junge Menschen in Haushalten mit höherem Einkommen als die Gesamtbevölkerung. In Kroatien liegt der Median der Haushalte junger Menschen bei 15.921 Euro, verglichen mit 15.057 Euro für die Gesamtbevölkerung.
Kroatien liegt mit 105,7 % an der Spitze, gefolgt von Malta mit 105,5 % und Slowenien mit 105,4 %. Litauen und Österreich kommen jeweils auf 102,1 %. Die Schweiz liegt bei 100,5 %.
Österreich bei Kaufkraft vorn
Die Preise unterscheiden sich deutlich innerhalb Europas. In Kaufkraftstandards (PPS) gemessen liegt das mittlere äquivalisierte Haushaltseinkommen der 18- bis 24-Jährigen in Österreich mit 33.052 PPS am höchsten. Es folgen Luxemburg mit 32.391 PPS und die Schweiz mit 29.989 PPS.
In PPS gerechnet belegt Frankreich mit 21.446 PPS Rang 13 und liegt damit leicht über dem EU-Durchschnitt.
Deutschland kommt mit 24.237 PPS auf einen höheren Wert, während Spanien mit 21.272 PPS und Italien mit 20.883 PPS unter Frankreich liegen, wenn auch mit relativ geringen Abständen.
Albanien mit 8.175 PPS, Nordmazedonien mit 8.994 PPS und Montenegro mit 9.955 PPS verzeichnen die niedrigsten Werte.
Appell: Nicht nur aufs Einkommen schauen
Das Europäische Jugendforum fordert, nicht nur auf Einkommen zu blicken, sondern den Begriff des sozialen Lohns stärker zu berücksichtigen: also bezahlbaren Wohnraum, öffentliche Dienste, Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialen Schutz, die darüber entscheiden, wie weit ein Einkommen tatsächlich reicht.
„Ein menschenwürdiges Leben darf nicht allein von einem guten Gehalt oder vom Vermögen der Familie abhängen. Es braucht angemessene Löhne und zugleich starke öffentliche Dienste, die das Lebensnotwendige erschwinglich machen“, so das Sekretariat.