EU-Kommission genehmigt österreichische Staatshilfe für Infineon: Werk in Villach soll zur weltweit ersten Großserienfabrik für Halbleiter der nächsten Generation ausgebaut werden.
Die Europäische Kommission hat 319 Millionen Euro an österreichischer Staatshilfe für den Halbleiterkonzern Infineon Technologies genehmigt. Damit soll ein Investitionsprojekt in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für die Modernisierung des Werks in Villach finanziert werden. Die Investition ermöglicht es dem Unternehmen, seine Produktion deutlich hochzufahren und nach eigenen Angaben die weltweit erste Fertigung im großen Maßstab für Gallium-Nitrid-Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Wafern aufzubauen.
Die Kommission erklärte in ihrer Mitteilung (Quelle auf Englisch) vom Mittwoch, 28. Oktober, dass die Unterstützung im Rahmen des EU-Chip-Gesetzes dazu beitragen solle, „die Position und Autonomie der EU in der Halbleiter-Wertschöpfungskette zu stärken“. Die Staatengemeinschaft will ihre Abhängigkeit von Halbleiterimporten aus Drittstaaten verringern und sich als Technologieführer neben den USA und China etablieren.
Die EU strebt an, ihren Anteil an der weltweiten Halbleiterproduktion von zehn Prozent im Jahr 2023 bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln. Das Chip-Gesetz soll außerdem die Nachfrage nach in Europa gefertigten Chips ankurbeln und heimische Anbieter beim Wachstum unterstützen.
Infineon sieht die Investition als Schritt, um den Standort Villach zu einem „globalen Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter“ auszubauen.
Österreichs Kanzler Christian Stocker nannte das Vorhaben „eine der größten Einzelinvestitionen in der Geschichte der österreichischen Hightech-Industrie“.
„Das ist nicht nur ein starkes Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Österreich. Es trägt auch dazu bei, dass die Zukunft der Halbleiterindustrie nicht allein in Asien oder den Vereinigten Staaten gestaltet wird, sondern ebenso in Österreich und Europa“, ergänzte er.
Infineon ist ein deutscher Konzern, der sich auf Leistungselektronik und Halbleiter für die Automobilindustrie spezialisiert hat. Im Bereich Leistungssysteme hält das Unternehmen einen Marktanteil von 29 Prozent, bei Autochips liegt der Anteil bei 50 Prozent.
„Diese erhebliche Investition unterstreicht unser klares Bekenntnis zur Stärkung des europäischen Halbleiter-Ökosystems und der technologischen Souveränität Europas“, sagte Jochen Hanebeck (Quelle auf Englisch), Vorstandschef von Infineon Technologies AG. „Mit der Einführung einer Fertigung im großen Maßstab auf 300-Millimeter-Wafern werden wir als erstes Unternehmen weltweit Gallium-Nitrid-Leistungselektronik in die Massenproduktion bringen“, fügte er hinzu.
Neue Generation von Halbleitern
Nach eigenen Angaben war Infineon 2024 das erste Unternehmen, dem die erfolgreiche Verarbeitung von 300-Millimeter-Gallium-Nitrid-(GaN)-Wafern gelungen ist.
GaN-Leistungshalbleiter verdrängen Silizium in der Leistungselektronik zunehmend. Sie verkraften höhere Spannungen, schalten schneller und halten höhere Temperaturen aus.
Sie kommen in Netzteilen für Smartphones, Laptops und Tablets zum Einsatz, ebenso in KI-Rechenzentren, Elektroautos, Solaranlagen, Windrädern, 5G- und 6G-Basisstationen sowie Robotern. Ihre hohe Energieeffizienz macht sie besonders attraktiv für Anwendungen, bei denen ein niedriger Stromverbrauch entscheidend ist.
Die 300-Millimeter-Wafer sind größer als herkömmliche 200-Millimeter-Scheiben. Auf ihnen lassen sich 2,3-mal so viele einzelne Chips herstellen, was die Produktionskosten senkt.
Branchenanalysten rechnen damit, dass der Markt für GaN-Leistungshalbleiter bis 2031 auf rund 3,1 Milliarden Dollar wächst. Das entspräche einem jährlichen Wachstum von etwa 35 Prozent im Zeitraum 2025 bis 2031.
Die Ausbaumaßnahmen am Standort Villach sollen 2034 abgeschlossen sein.