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Neue Entdeckungen: So schminkten sich die Frauen von Pompeji

Schrank im Haus von Cornelius Maximus gefunden
Schrank im Haus von Cornelius Maximus entdeckt -  Copyright  Parco Archeologico di Pompei
Copyright Parco Archeologico di Pompei
Von Fortunato Pinto
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Edelsteine, Münzen, aber auch Werkzeuge und Kosmetika: Ein Schrank im Haus des Cornelius Maximus lässt den Alltag der Frauen von Pompeji vor dem Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. lebendig werden.

In Pompeji ist der Schrank einer Frau aus der antiken Pompeji wieder ans Licht gekommen. Dank der Arbeit von Archäologinnen und Archäologen konnten sie das Innere eines Möbels freilegen, in dem Alltagsgegenstände der Casa IX 11, 7, vermutlich des Cornelius Maximus, im zentralen Bereich der vom Vesuv verschütteten Stadt lagen.

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Beim Anblick dieser Objekte lässt sich das Leben einer Pompejanerin kurz vor der Zerstörung des Ortes im Jahr 79 n. Chr. erahnen. Gefunden wurden Schminkutensilien wie Pinzette und Spatel, ein Glasfläschchen für Duftöle, ein Räuchergefäß, das die Wohnung mit Wohlgerüchen füllte, sowie eine bronzene Öllampe. Daneben lagen Bleigewichte, wohl für den Handel bestimmt und einst in einem kleinen Holzkästchen verstaut, von dem sich nur noch schwache Spuren erhalten haben.

Marmorpfeiler - Archäologischer Park Pompeji
Marmorpfeiler - Archäologischer Park Pompeji Parco Archeologico di Pompei

Was im Schrank der Frau aus Pompeji lag

Archäologinnen und Archäologen entdeckten außerdem Bronze-, Glas- und Keramikgefäße und -töpfe. Es handelt sich um Alltagsgegenstände, möglicherweise aber auch um Stücke voller Erinnerungen, etwa ein fein gearbeitetes Kännchen mit Tannzapfen-Dekor. Hinzu kommt eine Halskette mit mindestens 24 Miniaturanhängern aus Fayence, Knochen, Glasfluss und Bergkristall. Alle besitzen eine Öffnung zum Aufhängen und zeigen Götterfiguren – zu erkennen sind Bes und Merkur – sowie Füße, Hände, Tannzapfen und Trauben.

Im Schrank gefundene Objekte - Archäologischer Park Pompeji
Im Schrank gefundene Objekte - Archäologischer Park Pompeji Parco Archeologico di Pompei

Nach Angaben der Fachleute galten solche Halsketten mitunter als „magische“ Objekte für Zauber und Liebesmittel. Tatsächlich handelt es sich um sogenannte Crepundia, wörtlich „Rasseln“: Ketten mit Amuletten, die man Kindern schenkte, um sie zu schützen und um ihre Bewegungen zu hören.

Auch Erwachsene bewahrten solche Stücke gelegentlich auf, häufig in kleinen Kästchen oder – wie hier – in Stoffbeuteln in Schränken. Offenbar dienten sie als Erinnerungen an eine Kindheit, von der sonst oft wenig blieb. Die römische Welt war durch hohe räumliche Mobilität geprägt, von Sklaven bis zu reichen Händlerinnen und Händlern. Viele Menschen lebten daher weit entfernt von ihren Verwandten und von den Orten ihrer frühen Jahre.

Kleiner Schatz im Schrank verborgen

Ein weiteres Geheimnis des Schrankes ist ein kleiner Münzschatz. Insgesamt 38 Bronzemünzen lagen in einer „Cistella“, einem kleinen Behälter aus Pflanzenfasern, der mit Flechttechnik hergestellt wurde. Die bei der Ausgrabung geborgenen Reste dieses Körbchens sind inzwischen analysiert. Die Münzen deuten darauf hin, dass die Besitzerin oder die Besitzer keine Zeit hatten, wertvolle Stücke zurückzuholen – sei es aus wirtschaftlicher oder aus emotionaler Sicht.

Im Schrank gefundene Münzen - Archäologischer Park Pompeji
Im Schrank gefundene Münzen - Archäologischer Park Pompeji Parco Archeologico di Pompei

Falls sie sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in der Stadt aufhielten, dürften sie die Flucht ergriffen haben. Wer entkam, kehrte offenbar nicht zurück, um wie andere, deren Spuren jüngste Grabungen zeigen, den Boden nach seinem Besitz zu durchsuchen. Vielleicht schafften sie es aber gar nicht. Dann könnten sie zu jenen gehört haben, die nach dem Historiker Tacitus ohne Erben starben. Deren Vermögen sollte in den Wiederaufbau Pompejis fließen – ein Projekt, das nie Realität wurde. Diese Fragen bleiben offen.

Pompeji: Menschliche Seite der Vergangenheit rekonstruiert

„Pompeji ist nicht nur ein Ort großer Kunstwerke. Es ist auch ein Ort, an dem selbst die gewöhnlichsten Objekte die menschliche Dimension der Vergangenheit sichtbar machen. Der Wert dieser Entdeckung liegt darin, dass wir unterschiedliche Spuren eines Lebens gemeinsam lesen können: persönliche Gewohnheiten, Arbeit, Erinnerungen“, erklärt der Direktor des Archäologischen Parks, Gabriel Zuchtriegel.

„Wir können die Identität der Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses nicht sicher bestimmen, doch diese Fragmente bringen uns ihrem Alltag näher“, fügt der Direktor hinzu.

Im Schrank gefundene Objekte -
Im Schrank gefundene Objekte - Parco Archeologico di Pompei

Was wir über die Casa di Cornelius Maximus wissen

Die Ausgrabung hat neue Details zu dem Haus gebracht, in dem der Schrank stand. Die Fassade der Wohnanlage, die aufgrund heute nicht mehr sichtbarer Inschriften vorsichtig einer Person namens Cornelius Maximus zugeschrieben wird, war bereits 1912 freigelegt worden. Erst jetzt untersuchten Fachleute Teile der dahinterliegenden Räume im Rahmen eines großen Restaurierungs- und Zugänglichkeitsprojekts für die benachbarte Insula der Casti Amanti.

Auch wenn das Wissen über die Casa noch lückenhaft bleibt, ergeben sich einige interessante Punkte. Die fein ausgeführten Wandmalereien des vierten Stils in dem Raum mit dem Schrank, vermutlich aus der Werkstatt in der Via di Castricio, deuten auf einen gewissen Lebensstandard hin. Das passt zur zentralen Lage des Hauses, das an eine der Hauptverkehrsachsen der antiken Stadt grenzt.

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs liefen dort zudem verschiedene Bauarbeiten, die den Alltag erheblich beeinträchtigt haben dürften. Hinzu kommt der Fund von mindestens zwei Mäuseskeletten in einer Amphore auf einem Zwischenboden. Analysen im Labor des Parks legen nahe, dass sie zur Gattung Apodemus sylvaticus gehörten, der sogenannten „Waldmaus“.

Gefäße und Urnen - Archäologischer Park Pompeji
Gefäße und Urnen - Archäologischer Park Pompeji Parco Archeologico di Pompei

In der Regel lebt diese Maus in natürlichen Umgebungen und Gärten und dringt von dort aus auf der Suche nach Nahrung in Dachböden und Lagerräume menschlicher Häuser ein. Die beiden in Pompeji gefundenen Tiere waren noch nicht vollständig ausgewachsen, wie der Entwicklungsstand ihrer Skelette zeigt – 117 winzige Knochenfragmente. Der Fund reiht sich ein in weitere Nachweise für die Präsenz von Nagetieren in vesuvianischen Kontexten, etwa in den Dienervierteln der vorstädtischen Villa von Civita Giuliana oder in den Abwasserkanälen von Ercolano. Er zeichnet das Bild einer Stadtgesellschaft, die auch mit ungebetenen Gästen zu kämpfen hatte.

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