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Sieben Tage mit dem Gedanken, ich könnte Brustkrebs haben

Monica Pinna – Pink October: Nachdenken über die schmale Grenze zwischen Alltag und lebensverändernder Diagnose.
Monica Pinna – Pink October: Nachdenken über den schmalen Grat zwischen Alltag und einer das Leben verändernden Diagnose. -  Copyright  Monica Pinna
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Sieben Tage Ungewissheit nach einer Brustbiopsie werden für Euronews-Reporterin Monica Pinna zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit Krebs, Familiengeschichte und Angst – und öffnen den Blick auf Europas Ungleichheiten bei Früherkennung und Behandlung.

Neun Uhr an einem ganz normalen Montagmorgen. Der festgelegte Tag für einen Termin, den ich seit einem Jahr, vielleicht zwei, vor mir herschiebe - viel zu lange.

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Ich ziehe mich aus und betrete den Raum. Es ist doch nur Routine - oder?

„Madame, bewegen Sie sich nicht. Ich muss Sie in die richtige Position bringen. Drehen Sie sich ein wenig. Nicht so. Lassen Sie mich das machen. Bleiben Sie still. Sie sind zu angespannt, entspannen Sie sich.“ Die Frau berührt mich, bewegt mich, drückt und quetscht eine meiner Brüste in das Gerät. Am Ende sieht sie so flach aus wie eine Scheibe des italienischen Schmelzkäses ‚Sottilette‘.

Und dann die andere. „Drehen Sie sich um. Lassen Sie mich sie positionieren.“ Der Vorgang beginnt von vorn, meine Brüste werden seitlich zusammengedrückt. Es tut unangenehm weh, ein Gefühl, das viele Frauen kennen.

Als es vorbei ist, bleibe ich allein in einem winzigen Raum zurück, halb nackt, wartend. In diesem kahlen kleinen Zimmer rast mein Kopf, schwankt zwischen Hoch und Tief. Ich denke an den kurzen Blick auf die Röntgenbilder meiner Brüste, an Formen und Schatten, die aussehen wie Äste in einem stilisierten Gemälde einer riesigen Eiche.

Verborgen sich in diesen Bildern ein Krebs, den ich nicht lesen kann? Denken wir nicht alle genau das, wenn wir diese schwarz-weißen verschlüsselten Aufnahmen sehen?

Ich weiß nicht einmal, wie lange ich schon von diesen vier klaustrophobischen Wänden umgeben bin, als die Tür endlich aufgeht und ich in einen anderen dunklen Raum gebracht werde, um auf eine Ärztin und die nächste Untersuchung zu warten. Zuerst sagt die lächelnde Ärztin: „Ihr Mammographie-Befund ist völlig unauffällig.“ Die Stirnfalte, von der ich gar nicht bemerkt habe, dass sie sich in meine Haut gegraben hat, verschwindet. Ich atme tief ein und lasse den Atem lange wieder heraus.

Es ist Zeit für die Echografie. Ich beginne zu reden, als das Gel auf die eine Brust gestrichen wird und dann auf die andere. Die bewegliche Sonde des Geräts schickt Schallwellen durch das Gewebe und macht Schatten, weiße und schwarze Flecken, Wellen, dunklere Bereiche sichtbar.

Verdächtiger Bereich bei einer Brustultraschalluntersuchung entdeckt. Lyon, Oktober 2026.
Verdächtiger Bereich bei einer Brustultraschalluntersuchung entdeckt. Lyon, Oktober 2026. Monica Pinna

In unseren Brüsten existiert eine ganze Welt, die wir völlig ignorieren und die für uns schlicht unlesbar ist. Ich erkläre der Radiologin, wie sehr ich all das hasse, dass fast jede Frau in meiner Familie Brustkrebs hatte und wie sehr mich das alles nervös macht. Plötzlich konzentriert sie die Sonde auf eine bestimmte Stelle und verstummt. Sie drückt stärker, fährt mit der Sonde hin und her und drückt erneut. Es wird still.

„Ich glaube, wir müssen eine kleine Biopsie machen.“ In diesem Moment und in diesem einen Satz materialisieren sich all meine Ängste. „Da ist ein dunklerer Fleck, der nicht verschwindet, wenn ich die Sonde bewege. Es ist besser, wir überprüfen das.“

Zwei Tage später komme ich wieder. Ich will, dass es schnell geht und ich rasch weiß, wie es ausgegangen ist. In anderen Ländern, außerhalb Frankreichs, meiner Wahlheimat, hätte ich zwischen Mammographie und Echografie vielleicht Tage warten müssen und Wochen, bis die Biopsie gemacht wird.

Zuerst bekomme ich eine lokale Betäubung, dann einen kleinen Schnitt, den ich nicht spüre. Die Ärztin lächelt beruhigend, doch ich bleibe angespannt und zugleich gedanklich schon weit weg. Fünfmal dringt eine lange Kanüle tief in mein Gewebe ein. Blutige Spuren weißlichen Gewebes kommen heraus und wandern in winzige Glasbehälter.

Einführen einer Biopsiekanüle in einen verdächtigen Bereich der Brust. Lyon, Oktober 2026.
Einführen einer Biopsiekanüle in einen verdächtigen Bereich der Brust. Lyon, Oktober 2026. Monica Pinna

Das war der Beginn einer Woche, die ich nie vergessen werde.

Ich muss sieben Tage warten, bis ich endlich erfahre, ob ich Krebs habe. Ich trete in eine Art Parallelwelt ein. Alles wirkt wie durch einen Filter, alles scheint weit weg. Körper und Leben stehen still. Pläne sind eingefroren. Eine Dienstreise und Treffen mit Freundinnen verschiebe ich. Ich beginne, den Gedanken zu akzeptieren, dass dieses Tabuwort - Krebs - eine mögliche Realität für mich wird. Es ist möglich, dass ich wenige Tage später in denselben Raum zurückkomme und man mir sagt, dass ich operiert werden und anschließend eine Chemotherapie machen muss.

Alles, was jede Krebspatientin durchmacht: Angst, Warten, Ungewissheit. Eine Zeit, in der sich Freundinnen melden, an die man gar nicht gedacht hätte, und in der andere, auf die man zu zählen glaubte, vielleicht verschwinden. Alte Ängste tauchen wieder auf, Menschen in der Umgebung reagieren anders. Ich schwebe, bereite mich vor, rüste mich innerlich. Wie vor einem Flug, den man antreten muss, obwohl draußen ein Sturm tobt.

„Ich habe ihn, ich habe ihn nicht. Ich weiß es nicht. Ich muss warten.“

Kreisende Gedanken treiben mich in die Tiefen meines Bewusstseins und meiner Ängste, manchmal sehr weit hinab. Ich erinnere mich an meine Mutter, die dieselben Ängste hatte, operiert wurde, eine Strahlentherapie bekam und es geschafft hat. Ich denke an meine Tante, die es nicht geschafft hat. An meine Cousine, die heute eine schöne, strahlende Überlebende ist. Ich denke an deren Schwester, der der Magen entfernt werden musste und die dennoch immer lächelt und gelassen wirkt, trotz der medizinischen Kontrollen, die sie ihr Leben lang ertragen muss.

Während ich all diese Gesichter und Geschichten derjenigen vor Augen habe, die es geschafft haben und derjenigen, die es nicht geschafft haben, schwebe ich losgelöst von der Welt. Die Studierendenproteste, die Ausschreitungen und Plünderungen in französischen Städten, zu denen ich als Journalistin früher gerannt wäre, sind nur noch ein fernes Geräusch.

Am Morgen der Ergebnisse fühlt es sich an, als sei ich in einer anderen Dimension.

Ich versuche, mich auf das Schlimmste vorzubereiten, wie auf eine Notlandung. Mein Termin ist um Mittag, und ich beginne schon um neun Uhr, durch die Straßen von Lyon zu treiben. Ich gehe Kilometer um Kilometer wie eine verlorene Seele. Das Absurde daran: All das passiert mir ausgerechnet im „Pink October“, dem jährlichen Monat zur Sensibilisierung für Brustkrebs. Die Kampagne wurde 1985 in den Vereinigten Staaten gestartet und ist zu einer der bekanntesten Gesundheitskampagnen der Welt geworden. In meiner „Auszeit-Woche“ sehe ich überall rosa Schleifen und Brust-Symbole.

Weltweit kommen jedes Jahr Millionen Euro zusammen, doch die Teilnahme an organisierten Brustkrebs-Screenings liegt in Frankreich weiterhin unter 50%. Und ich? Ich bin Journalistin. Ich kenne die Zahlen, ich habe schwere Krankheiten in meiner Familie erlebt. Trotzdem habe ich meinen Termin hinausgeschoben. Reine Angst. Wie soll ich, wie soll irgendjemand bereit sein für den Satz: „Sie haben Krebs“? Und doch wird er gesprochen. Früherkennung kann Leben retten.

Früherkennung: Es geht nicht nur um Angst, sondern um Zugang zu Behandlung

Wird Brustkrebs entdeckt, bevor er sich ausbreitet, liegt die fünfjährige Überlebensrate bei nahezu 100% (Quelle auf Englisch), verglichen mit 38% bei Frauen, deren Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Trotz dieser Bedeutung und obwohl die Europäische Kommission rund 80 Millionen Euro in den Ausbau der Früherkennung im gesamten Block im Rahmen ihres „Europe’s Beating Cancer Plan (Quelle auf Englisch)“ steckt, bleibt der Zugang zu Screenings in Europa ungleich. Die Chancen auf eine frühe Diagnose hängen also weiterhin davon ab, wo eine Frau lebt, nicht nur von ihren Ängsten. Verantwortlich sind die Organisation der Programme, die Verfügbarkeit von Terminen, Eigenbeteiligungen und das Wissen um den Nutzen von Screenings sowie soziale Ungleichheiten, wie neue Untersuchungen der EU und der OECD zeigen..

Wie Luis Seijo, Co-Vorsitzender des Präventions-, Früherkennungs- und Screening-Netzwerks der European Cancer Organisation, in einem Statement gesagt hat (Quelle auf Englisch), „kosten Ungleichheiten bei der Krebsfrüherkennung Menschenleben.“

Unterschiede in Europa gibt es nicht nur bei der Teilnahme an der Früherkennung, sondern auch bei der Zeitspanne zwischen Screening und Diagnose. Sie reicht von einer mittleren Wartezeit von acht Tagen in Dänemark bis zu 32 Tagen in Rumänien (Quelle auf Englisch).

Bei mir dauerte es etwas mehr als eine Woche, bei Maria Assunta, die in der italienischen Region Sardinien lebt, dagegen siebenmal so lange.

Seit dem Alter von 40 Jahren lässt sie jedes Jahr ihre Brust untersuchen, rund zehn Jahre früher als das von der Europäischen Union allgemein empfohlene Alter für Routine-Screenings. Vor vier Jahren, mit 46, zeigte eine Ultraschalluntersuchung einen 4-Zentimeter-Knoten in einer Brust. Einen Monat später wurde eine Biopsie durchgeführt, drei Wochen danach erhielt sie die Diagnose Brustkrebs.

Maria Assunta befindet sich jetzt in der Nachsorgephase, mit Kontrollen alle sechs Monate. Sie beschreibt die Betreuung, die sie erhalten hat, als „hervorragend, menschlich wie medizinisch“ und nennt ihre Ärztinnen und Ärzte ihre „Engel“. Seit dieser Erfahrung setzt sie sich leidenschaftlich für Prävention und Früherkennung ein.

Maria Assunta nimmt an einem Spaziergang zur Unterstützung der Forschung zu Krebserkrankungen von Frauen teil. Cagliari, Italien, 18. Oktober 2026.
Maria Assunta nimmt an einem Spaziergang zur Unterstützung der Forschung zu Krebserkrankungen von Frauen teil. Cagliari, Italien, 18. Oktober 2026. Monica Pinna

Auch der Zeitraum zwischen Diagnose und Beginn der Behandlung unterscheidet sich von Land zu Land. Bei Maria Assunta lag zwischen der Diagnose und dem Start der Therapie fast keine Lücke. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht lange Wartezeiten auf Facharzttermine, bildgebende Verfahren und Diagnosetests in mehreren Ländern, darunter Irland, Griechenland, Rumänien und Spanien, als Problem.

Spaziergang zur Unterstützung der Forschung zu Krebserkrankungen von Frauen. Cagliari, Italien, 18. Oktober 2026.
Spaziergang zur Unterstützung der Forschung zu Krebserkrankungen von Frauen. Cagliari, Italien, 18. Oktober 2026. Monica Pinna

Stockende Teilnahme an Brustkrebs-Screenings

Langfristig hat sich die Früherkennung verbessert und die Sterblichkeit ist gesunken, doch laut Bericht der OECD und der Europäischen Kommission „Health at a Glance: Europe 2020 (Quelle auf Englisch)“ ist der Fortschritt in vielen Ländern ins Stocken geraten, und die Teilnahme an Screenings unterscheidet sich weiterhin stark in Europa.

Im Vergleich zu 2019 sind die Brustkrebs-Screening (Quelle auf Englisch)-Raten in neun EU-Ländern mit verfügbaren Daten gestiegen. Die stärksten Zuwächse verzeichnete die Slowakei mit über 12%, gefolgt von Kroatien und Estland.

Präventive Brustkrebs-Screenings 2019-2024
Präventive Brustkrebs-Screenings 2019-2024 Eurostat

Brustkrebs nimmt in der EU zu

Für meine eigene Geschichte kommt der Moment schließlich doch. Ich gehe hinein und warte noch eine halbe Stunde, bis mein Name aufgerufen wird.

„Ich kann Sie beruhigen, da ist nichts, aber es war richtig, es zu überprüfen“, sagt die Ärztin lächelnd. Die ganze Spannung fällt von mir ab. Ich bedanke mich und schüttele ihr die Hand wie eine perfekt höfliche Italienerin. Trotzdem bleibe ich von dem, was geschehen ist, verstört.

Ich hatte Glück, doch jedes Jahr erhalten in der Europäischen Union rund 360.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs, davon 61.000 in Frankreich. Brustkrebs nimmt in Europa zu, bedingt durch demografische Veränderungen, veränderte Reproduktionsmuster mit späteren und weniger Schwangerschaften, Lebensstilgewohnheiten sowie metabolische und hormonelle Faktoren. Zugleich laufen Studien zu Umweltschadstoffen, Verschmutzung und Ernährungseinflüssen. Statistiken zeigen (Quelle auf Englisch), dass eine von elf Frauen im Laufe ihres Lebens Brustkrebs entwickeln wird. Das bedeutet nicht, dass sie daran sterben wird, aber es bedeutet auch nicht, dass der Weg durch die Krankheit leicht sein wird.

Was geschieht mit Frauen nach der Brustkrebs-Diagnose?

Ich hatte das Glück, diesen Raum mit demselben Leben zu verlassen, das ich zuvor geführt habe. Für viele andere, die eine andere Diagnose bekommen, können die Angst, die Ungewissheit und das Gefühl des Stillstands, die ich nur sieben Tage erlebt habe, zu einem dauerhaften Teil ihres Lebens werden.

Also: Wird die Seele ebenso gut versorgt wie der Körper, egal ob der Weg zur Genesung führt oder letztlich zum Lebensende?

Der European Cancer Inequalities Report 2026 der OECD zeigt, dass nur sechzehn EU-Länder von 27, dazu Norwegen und Island, psychologische Unterstützung fest in den Krebsbehandlungsweg einbauen. Selbst dort ist das Angebot jedoch ungleich verteilt.

In Frankreich gehört psychologische Betreuung offiziell zum Paket der unterstützenden Krebsversorgung, zusammen mit Schmerztherapie, Ernährungshilfe und sozialer Unterstützung. In Italien bleibt der Zugang trotz entsprechender Gesetze und Leitlinien begrenzt. Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit rund 3.000 Krebspatientinnen und -patienten ergab, dass nur 20% angaben, psychologische Unterstützung (Quelle auf Englisch) erhalten zu haben, und nur 16% berichteten, dass sie während der gesamten Behandlung von einer Therapeutin oder einem Therapeuten begleitet wurden. Vieles davon hängt weiterhin von privaten Initiativen ab.

Eleonora ist heute 52 und lebt in der italienischen Stadt Genua. Mit 39 unterzog sie sich einer Mastektomie, nachdem bei der ersten Ultraschalluntersuchung ihres Lebens ein vier Zentimeter großer Knoten in ihrer Brust entdeckt worden war.

In den dreizehn Jahren seit ihrer Diagnose ist sie ehrenamtliche Mitarbeiterin der gemeinnützigen Vereinigung Braccialetti Bianchi (Quelle auf Englisch) geworden und Qigong-Lehrerin. Qigong, verwurzelt in der traditionellen chinesischen Medizin, ist eine der ergänzenden Praktiken, die der Verein hospitalisierten Patientinnen und Patienten sowie Menschen in der Rehabilitation anbietet. Weitere Angebote sind Kreistanz, Yoga, empathische Begleitung, Biodanza* und Shiatsu. Eleonora sagt, diese Therapien „können den gesamten Weg mit Krebs einfach erträglicher machen“.

Eleonora nimmt an einer Kreistanz-Sitzung in Genua teil.
Eleonora nimmt an einer Kreistanz-Sitzung in Genua teil. Braccialetti Bianchi association, 2026

Dieses kostenlose Unterstützungsprogramm wurde vor rund dreißig Jahren von einer Gruppe von Ärztinnen und Ärzten am San-Martino-Krankenhaus in Genua ins Leben gerufen. Maria Giuseppina Vidili ist eine der Onkologinnen, die die Initiative mit aufgebaut haben. Sie ist auf Krebsrehabilitation spezialisiert und erklärt, dass Medizinerinnen, Mediziner und Vereine angesichts knapper nationaler Budgets und Kürzungen im Gesundheitswesen tun, was sie können. Sie sagt, sie habe jahrelang unermüdlich daran gearbeitet, freundliche Räume für Patientinnen und Patienten in jeder Phase ihrer Krebserkrankung zu schaffen.

Vor vier Jahren ist sie in den Ruhestand gegangen und bietet dennoch weiterhin ergänzende Aktivitäten an. Sie sagt, Ärztinnen, Ärzte und Vereinigungen stünden an vorderster Front, um die Lücken des nationalen Gesundheitssystems zu schließen, zumindest was die psychologische Unterstützung betrifft.

Nach Angaben der Italienischen Föderation der Freiwilligenverbände in der Onkologie (FAVO) bieten nur rund 20% der Krankenhäuser spezialisierte psychoonkologische Unterstützung an. Nach Ende der Krebsbehandlung wird dieses Angebot noch seltener. Doktor Vidili fordert, dass ein standardisiertes psychoonkologisches Angebot im ganzen Land verfügbar sein sollte. Initiativen wie die von ihr aufgebaute erreichen bislang nur eine begrenzte Zahl von Menschen. Manche italienische Kliniken, sagt sie, verfügen nicht einmal über eigene Reha-Einheiten.

Onkologin Maria Giuseppina Vidili während einer Qigong-Sitzung mit Krebspatientinnen und -patienten. Genua, September 2026.
Onkologin Maria Giuseppina Vidili während einer Qigong-Sitzung mit Krebspatientinnen und -patienten. Genua, September 2026. Maria Giuseppina Vidili

Pink October, jeden Monat

Am Tag nach meinem „Alles in Ordnung“-Bescheid soll ich wieder arbeiten, E-Mails beantworten, Telefonate für Interviews führen, die nächste Recherchereise planen. Ich soll einfach dort weitermachen, wo ich aufgehört habe, als wäre nichts geschehen.

Aber es ist etwas geschehen, und es hat Spuren hinterlassen.

Den größten Teil dieses Artikels habe ich an jenem Morgen geschrieben, zwischen fünf und neun Uhr. Ich musste mir das wortwörtlich von der Brust schreiben, in der Hoffnung, dass meine Erfahrung wenigstens einer Frau hilft, ihre Angst anzuschauen und regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Zugleich war das Schreiben ein Weg, mich einem Thema zu nähern, vor dem viele, mich eingeschlossen, lieber die Augen verschließen. Ich habe gerungen, Krebs zu recherchieren und zu behandeln wie jedes andere journalistische Thema. Es ist mit einer Last verbunden.

Heute gelten meine Gedanken denen, die ums Leben kämpfen, und denen, die an neuen Therapien arbeiten. Aufklärungskampagnen sind wichtig, doch Bewusstsein allein reicht nicht. Frauen brauchen Zugang zu Screenings, eine rasche Diagnose und eine angemessene Behandlung. Sie müssen ermutigt werden, ihre Gesundheit an erste Stelle zu setzen, auch wenn die Angst dazu verführt, wegzusehen.

Psychologische Hilfe und ergänzende Therapien sollten überall für alle zugänglich sein, nicht nur für die begrenzte Zahl von Menschen, die derzeit in der EU davon profitieren kann.

Eines ist sicher: Meinen nächsten Screening-Termin werde ich pünktlich wahrnehmen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
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