OpenAI startet eine Charmeoffensive. Gleichzeitig stürzen weltweit die Aktien großer Halbleiterkonzerne kräftig ab und verunsichern Anleger.
Der Widerstand gegen Rechenzentren in den Vereinigten Staaten hat in dieser Woche bei den US-Zwischenwahlen viele Wähler beeinflusst. Die Demokraten gewannen die Kontrolle über den Kongress und wichtige Gouverneursposten in Texas, Georgia und Ohio, nachdem sie Beschränkungen beim Ausbau der künstlichen Intelligenz versprochen hatten.
Senator Bernie Sanders schrieb auf X: „Amerikaner wollen nicht, dass Big-Tech-Oligarchen die Umwelt zerstören, Jobs vernichten und die Zukunft der Menschheit bedrohen“ und forderte ein „landesweites Moratorium für Rechenzentren, und zwar jetzt“.
Technologiekonzerne erlitten in dieser Woche an der Börse deutliche Verluste, weil Anleger befürchten, dass die Siege der Demokraten den Bau von Rechenzentren tatsächlich bremsen könnten.
Dies sind einige der betroffenen Unternehmen und ihre Reaktionen.
OpenAI
OpenAI hat in den USA eine Charmeoffensive gestartet und neue Zusagen für die „Gemeinden, in denen wir bauen, sowie politische Vorschläge für eine verantwortungsvolle KI-Infrastruktur“ angekündigt.
Das Unternehmen veröffentlichte einen politischen Fahrplan. Darin schlägt es Regeln „dafür vor, dass der Ausbau von Compute-Campuses den Gemeinden eine echte Mitsprache gibt, Familien vor neuen Kosten schützt und die wirtschaftlichen Gewinne durch KI breit geteilt werden“.
Außerdem legte OpenAI eine Selbstverpflichtung vor, in der steht, was „Gemeinden von OpenAI auf künftigen Campus-Standorten, die wir besitzen und betreiben, erwarten können“.
Im September begann OpenAI, seine Rechenzentren als „Computer-Campus“ zu bezeichnen.
Was diese Zusagen konkret bedeuten, ist unklar. Sie sollen jedoch für künftige Standorte gelten, die das Unternehmen selbst besitzt und betreibt. Ebenfalls offen ist, was mit der Rechenzentrums-Infrastruktur geschieht, die bei Partnern wie Oracle steht.
OpenAI erklärte zudem, man werde die Kosten für Strom und Netzausbau in Regionen mit eigenen Rechenzentren übernehmen. Außerdem wolle das Unternehmen Baupläne, Lärmgutachten und Daten zum Wasserverbrauch öffentlich machen.
Meta
Am Donnerstag, dem fünften November, verlor die Meta-Aktie rund vier Prozent. Der Konzern hatte zugesagt, eine Milliarde Dollar (890 Millionen Euro) in den Bau eines riesigen Rechenzentrums in Ohio zu investieren. Meta besitzt derzeit Rechenzentren in 23 US-Bundesstaaten.
Die Unternehmenspräsidentin Dina Powell McCormick sagte, die Ergebnisse der Zwischenwahlen werden es Unternehmen schwerer machen, Rechenzentren zu bauen.
Sie sagte am Mittwoch auf der Wall Street Journal Tech Conference: „Die sichtbare Form von KI ist ein Rechenzentrum, und das ist etwas, bei dem die Menschen sagen können: ‚Das will ich nicht in meiner Gemeinde.‘“
„Ich denke, dahinter steckt ein größeres Grundproblem, nämlich wie Menschen generell zu KI stehen.“
Sie fügte hinzu, die Branche habe „nicht so gute Arbeit geleistet, wie nötig gewesen wäre, um die Vorteile dieser Investitionen zu erklären“.
„Es steht viel auf dem Spiel bei der Frage, wer die Technologie entwickelt, die Krebs heilt und Zugang zu Bildung ermöglicht, auch das ist ein sehr grundlegender Unterschied“, sagte Powell McCormick.
„Darum geht es, wenn wir sagen, die Zukunft sei für alle da. Menschen sollen nicht zurückgelassen werden. Und um das sicherzustellen, muss diese Technologie demokratisiert werden, die Menschen müssen in sehr fairer und transparenter Weise Zugang dazu haben“, ergänzte sie.
Elon Musk
Elon Musk, der 474 Millionen Dollar (420 Millionen Euro) in die Unterstützung republikanischer Kandidaten bei den Zwischenwahlen steckte, gehört zu den größten Verlierern der Tech-Branche.
Musk baut in Memphis an seinem „Colossus“, einem riesigen Verbund KI-spezifischer Rechenzentren und Supercomputern in Memphis, und schrieb nach dem Ergebnis der US-Zwischenwahlen am Dienstag auf X: „Rechenzentren im Weltraum wirken im Moment ziemlich attraktiv.“
Die Anteile seines Raumfahrtunternehmens SpaceX fielen in dieser Woche um fast vier Prozent, die von Tesla um zwei Prozent.
Halbleiterkonzerne weltweit
Beim Chipentwickler und KI-Infrastruktur-Anbieter Nvidia brachen die Aktien um neun Prozent ein. Firmengründer und Vorstandschef Jensen Huang verlor damit seinen Platz in den Top Ten des Bloomberg Billionaires Index und rutschte von Rang neun auf Rang 13 der reichsten Menschen der Welt.
Nvidia ist der weltweit wichtigste Anbieter von Hochleistungsmikrochips, die in Einrichtungen wie Rechenzentren zur Entwicklung und zum Betrieb künstlicher Intelligenz eingesetzt werden.
Auch andere Chiphersteller weltweit gerieten unter Druck. Beim deutschen Unternehmen Infineon gaben die Aktien um acht Prozent nach.
Zudem verlor ASML, der einzige Hersteller von Extreme-Ultraviolett-(EUV)-Lithografiemaschinen für die Produktion hochentwickelter Chips, sechs Prozent an Börsenwert.
Das niederländische Unternehmen ist für Nvidia entscheidend, weil es die fortschrittlichen Grace-Blackwell-KI-Chips des Konzerns fertigt. Es ist auch für andere Firmen unverzichtbar, die an der nächsten Generation von Halbleitern arbeiten.
Schließlich verlor auch Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) an Wert. Das Unternehmen, das den Großteil der Chips für Nvidia, Apple, AMD und Qualcomm produziert, verzeichnete einen Kursrückgang von zehn Prozent.
Ändert sich jetzt etwas?
Unternehmen könnten künftig stärker darauf achten, wie sie Rechenzentren vermarkten und ob sie sich an Stromrechnungen beteiligen. Laufende oder bereits genehmigte Rechenzentrumsprojekte werden aber voraussichtlich weitergebaut, sagte ein Experte zuvor gegenüber Euronews Next.
Präsident Trump hat eine Sicherheitskrise bei KI bereits als „Schwindel“ abgetan und erklärt, „die einzige Kontrolle oder die einzigen ‚Leitplanken‘, die KI brauche, sei ein STARKER UND INTELLIGENTER (mit hohem IQ!) PRÄSIDENT“.
Republikanische Abgeordnete müssen nun entscheiden, ob sie Trumps Linie folgen oder mit den Demokraten über eine Sicherheitspolitik für KI sprechen.