Der offizielle Castingprozess für den neuen James-Bond-Film hat unter der Leitung von Nina Gold begonnen. Wer sind die Favoriten – und warum wirft das Weiße Haus Trumps MAGA-Kappe in den Ring?
Die Suche nach Daniel Craigs Nachfolger in der begehrten Rolle des James Bond hat offiziell begonnen.
Amazon MGM hat bestätigt, dass die Suche nach dem neuen 007 läuft. Die renommierte britische Casting-Direktorin Nina Gold (Star Wars: The Force Awakens, Conclave, Game of Thrones, The Crown, Slow Horses) trifft sich bereits mit jungen Schauspielern für die Rolle.
Amazon MGM Studios erklärte vergangene Woche: „Die Suche nach dem nächsten James Bond läuft. Wir planen nicht, während des Casting-Prozesses auf einzelne Details einzugehen, freuen uns aber darauf, den 007-Fans Neuigkeiten zu geben, sobald der Zeitpunkt dafür gekommen ist.“
Im Klartext: Die Maschinerie läuft. Vorsprechen finden statt, die Spekulationen um die Besetzung kochen weiter hoch. Und die Erfahrung zeigt, dass selten der Name am Ende die Doppelnull-Lizenz bekommt, der zuvor als heißester Favorit gehandelt wurde.
Die Gerüchteküche brodelte schon vor der offiziellen Suche: Genannt wurden unter anderem Aaron Taylor-Johnson, Tom Holland, Harris Dickinson und Scott Rose-Marsh. Zusätzlich kursierten Berichte, dass Callum Turner bereits als Bond besetzt sei.
Der jüngste Favorit nach den Veröffentlichungen von Frankenstein und Wuthering Heights heißt Jacob Elordi.
Seit klar ist, dass Nina Gold die Besetzung verantwortet, sind drei weitere Namen auf der ständig wachsenden Liste der Männer gelandet, die Bond spielen könnten.
Der erste heißt Jack Lowden, der 35-jährige Schauspieler, den Gold in Slow Horses als River Cartwright besetzt hat. Spionage-Credo? Check. Charisma-Level? Smoking an und los. Bestehende Chemie mit der Casting-Direktorin? Abgehakt. Verheiratet mit Saoirse Ronan, die bereits Interesse an einer Bond-Schurkenrolle bekundet hat? Bitte möglich machen.
Der zweite Name, der in den Bond-Korridoren geflüstert wird, ist Louis Patridge, der in Disclaimer, Paddington 2 und als Edward Guinness in der Netflix-Serie House of Guinness zu sehen war – jener Serie, die von dem neuen Bond-Autor Steven Knight stammt. Mit dreiundzwanzig Jahren ist er vielleicht einen Tick zu jung für Bond, doch Berichte deuten darauf hin, dass Amazon gezielt einen jüngeren Schauspieler sucht, der den Smoking für fünf bis sechs Filme übernimmt. Könnte also gut passen.
Der dritte Name ist Tom Francis, der laut Variety bereits für Gold vorgesprochen haben soll. Der 26-Jährige ist vor allem für seine Darstellung des Joe Gillis in Jamie Lloyds Neuinszenierung von Andrew Lloyd Webers Sunset Boulevard bekannt, für die er den Laurence-Olivier-Preis als bester Darsteller in einem Musical gewann. Zudem war er im vergangenen Jahr in Jay Kelly an der Seite von George Clooney zu sehen und gab in der Serie You sein TV-Debüt.
Trotzdem sollte man all diese Namen mit einer Prise Skepsis betrachten. Das Casting läuft, und traditionell gilt: Sobald ein Name öffentlich kursiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende doch ein anderer den Zuschlag erhält. Jemand mit dem Profil von Francis wirkt dennoch bemerkenswert passend für 007.
Die Rolle des Bond macht meist erst den Star, und bevorzugt werden oft aufstrebende Darsteller. Sean Connery war vor Bond relativ unbekannt; George Lazenby hatte außerhalb einiger Werbespots nie gespielt. Roger Moore war dank The Saint zwar ein Begriff, hatte aber noch keinen großen Kino-Durchbruch. Timothy Dalton besaß einen hervorragenden Ruf auf der Bühne, war jedoch kein etablierter Filmstar. Pierce Brosnan galt zwar lange als Bond-Anwärter, blieb jedoch vor allem als Remington Steele aus der gleichnamigen Serie in Erinnerung. Nur Daniel Craig kam bereits mit größeren Kino-Credits wie Road To Perdition, Layer Cake und Munich. Doch erst Casino Royale machte ihn endgültig zum Leading Man.
Vor diesem Hintergrund, und weil etablierte Stars deutlich höhere Gagen verlangen, spricht vieles dafür, dass Amazon eher auf einen relativ unbekannten Schauspieler Ende zwanzig setzt als auf jemanden, der ohnehin stark gefragt ist.
Dagegen ließe sich einwenden, dass Amazon, das im vergangenen Jahr die kreative Kontrolle über das Bond-Franchise von den langjährigen Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson übernommen hat, den Trend bricht und einen bekannteren Namen verpflichtet. Dann würde das Publikum jedoch keinen „neuen“ Darsteller entdecken und müsste die Figur stärker von früheren Erfolgsrollen lösen – etwa bei Tom Holland, der für viele untrennbar mit Spider-Man verbunden ist.
Die Suche geht jedenfalls weiter, und in den kommenden Wochen und Monaten dürften noch einige bislang unbekannte Namen auftauchen – bis zur endgültigen Bekanntgabe. Sicher ist jedoch: Der nächste Bond wird nicht an der Adresse 1600 Pennsylvania Avenue wohnen.
Tatsächlich reagierte das Weiße Haus in einem deprimierend vorhersehbaren Akt der Selbstmythologisierung auf den offiziellen Casting-Start und postete ein Bild, das Donald Trump als 007 zeigt.
Hier der Beitrag:
Der Post wurde mit Spott überzogen – Nutzer kommentierten etwa „Pie Another Day“ und „License to Groom“ und stellten ein Bild dazu, das Jeffrey Epstein als 007 zeigt. Bemerkenswert ist, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos als prominenter Trump-Verbündeter gilt.
Bleibt zu hoffen, dass der neunundsiebzigjährige Ex-Präsident sich nicht auch noch mit purem Druck eine Cameo-Rolle im sechsundzwanzigsten Bond-Abenteuer erkämpft.
Bond 26 wird von Denis Villeneuve inszeniert und von Peaky-Blinders-Schöpfer Steven Knight geschrieben. Der Drehbeginn ist für 2027 geplant, die Veröffentlichung für 2028.