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Studie: In Filmen spielen eher ein Chris oder sprechende Tiere als Frauen über sechzig

Studie: In Filmen spielen eher ein „Chris“ oder sprechende Tiere die Hauptrolle als Frauen über sechzig
Studie: In Filmen spielen eher Männer namens Chris oder sprechende Tiere Hauptrollen als Frauen über sechzig Copyright  AP Photo - StudioCanal - Canva
Copyright AP Photo - StudioCanal - Canva
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Eine britische Kampagne gegen Altersdiskriminierung zeigt: Erfolgsfilme der letzten drei Jahre besetzen lieber einen Chris oder ein sprechendes Tier als eine Hauptdarstellerin über sechzig. Warum?

Schon mal aufgefallen, wie unverhältnismäßig viele Hollywood-Stars und Blockbuster-Lieblinge Chris heißen?

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Chris Evans, Chris Hemsworth, Chris Pine, Chris Pratt...

Das Ganze hat sogar den Spitznamen „Battle of the Chrises“ bekommen. In sozialen Netzwerken wird fleißig der Lieblings-Chris gekürt.

Spoiler: Nur selten ist es Pratt, eigentlich müsste es immer Walken sein. Und starren Sie besser nicht zu lange in Pines blaue Augen. In diesem Ozean sind schon viele Seefahrer untergegangen.

Doch hinter der Frage „Welcher Chris ist der beste Chris?“ steckt mehr als nur der Fluch besonders gut aussehender Schauspieler. Laut Daten der britischen Organisation Ageing Better und ihrer Age-Without-Limits-Kampagne (Quelle auf Englisch) stehen die Chancen auf Erfolg auf der großen Leinwand besser, ein Mann namens Chris zu sein als eine Frau über sechzig.

Die Kampagne, die sich gegen Ageismus richtet und Menschen ermutigt, ihr Bild vom Älterwerden zu überdenken, hat die hundert erfolgreichsten Filme ausgewertet, die 2023, 2024 und 2025 im Vereinigten Königreich gestartet sind. Ergebnis: Nur fünf der hundert umsatzstärksten Filme der vergangenen drei Jahre hatten eine Frau über sechzig in der Hauptrolle.

Zum Vergleich: In sechs Filmen spielte ein Chris die Hauptrolle – die Hälfte davon Chris Pratt (The Super Mario Bros Movie; Guardians of the Galaxy Volume 3, The Garfield Movie).

Für alle, die sich fragen, welche Filme mit einer weiblichen Hauptrolle über sechzig an den britischen Kinokassen am besten liefen: Allelujah (2023) mit Jennifer Saunders; My Big Fat Greek Wedding 3 (2023) mit Nia Vardalos; Book Club: The Next Chapter (2023) mit Diane Keaton; The Substance (2024) mit Demi Moore; und Freakier Friday (2025) mit Jamie Lee Curtis.

Bevor Sie Protest einlegen: Der zweiterfolgreichste Film des Jahres 2025 in Großbritannien, Bridget Jones: Mad About The Boy, fiel durchs Raster – Renée Zellweger hat noch drei Jahre, bis sie sechzig wird.

Und es kommt noch dicker. Die Recherchen von Age Without Limits zeigen außerdem: Filme haben viermal so häufig ein sprechendes Tier in der Hauptrolle wie eine Schauspielerin über sechzig.

Pos Abenteuer in Kung Fu Panda und Paddington dürften sich jetzt ziemlich kleinlaut anfühlen.

Emma Thompson
Emma Thompson AP Photo

Die Kampagne Age Without Limits fordert die Filmbranche nun auf, ältere Frauen besser zu repräsentieren – und bei der 67-jährigen, oscarprämierten britischen Schauspielerin Dame Emma Thompson ist der Appell angekommen.

„Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus – und wir werden älter“, erklärte Thompson in einer Stellungnahme. „Wo sind also die Geschichten über uns? Je älter wir werden, desto interessanter sind wir. Ich möchte mehr Filme sehen, in deren Mittelpunkt ältere Frauen stehen. Wir sind spannend, nahbar und längst überfällig für die erste Reihe.“

Sie fügte hinzu: „Ältere Frauen brauchen keine Erlaubnis, auf der Leinwand zu existieren. Sie gibt es längst in der Welt, das Kino muss nur nachziehen.“

Dr. Carole Easton OBE, Geschäftsführerin des Centre for Ageing Better, sagte: „Es ist völlig absurd, dass in den vergangenen Jahren so wenige Filme gedreht wurden, in denen eine ältere Frau eindeutig im Mittelpunkt steht. Bis zu jede fünfte Kinobesucherin beziehungsweise jeder fünfte Kinobesucher in Großbritannien ist 55 Jahre oder älter, diese Altersgruppe gibt jedes Jahr Hunderte Millionen Pfund fürs Kino aus.“

„Die Präsenz älterer Schauspielerinnen und Schauspieler in großen Filmrollen steht in keinem Verhältnis zum Anteil älterer Frauen im Kinopublikum – dieser Mangel an Sichtbarkeit ist ehrlich gesagt beleidigend“, so Easton weiter. „Leider ist das nicht nur im Kino so. In vielen Medien, Branchen und Bereichen des öffentlichen Lebens wird der Beitrag älterer Frauen kleingeredet, an den Rand gedrängt oder schlicht ignoriert.“

Dr. Easton ergänzte: „Wir müssen alle gegen Ageismus und seine Überschneidung mit Sexismus ansteuern, indem wir den kulturellen Gatekeepern sagen, dass wir alle Lebensphasen und Lebensrealitäten in dem wiederfinden wollen, was wir sehen, hören und lesen.“

Demi Moore in „The Substance“
Demi Moore in „The Substance“ MUBI - Metropolitan Filmexport

Das Centre for Ageing Better hat außerdem viertausend Menschen im Vereinigten Königreich befragt, wie groß das Interesse an Geschichten ist, in denen Frauen über sechzig die Hauptrolle spielen.

Jede dritte befragte Person (33 Prozent) sagt, es würden nicht genug Filme mit weiblichen Hauptrollen über sechzig gedreht – verglichen mit etwa jeder dreißigsten Person (3 Prozent), die meint, es gebe zu viele Filme mit Schauspielerinnen über sechzig in der Hauptrolle.

Unter den befragten Frauen stieg der Anteil derjenigen, die finden, dass es zu wenig Filme mit Schauspielerinnen über sechzig in der Hauptrolle gibt, auf fast zwei von fünf (39 Prozent).

Die Studie, die Forscherinnen und Forscher der University of West London School of Film, Media and Design verfasst haben, zeigt außerdem: Weibliche Figuren ab 65 Jahren tauchen in britischen Filmen der vergangenen Dekade mehr als dreimal seltener auf als männliche Figuren gleichen Alters.

Weibliche Figuren über fünfzig sprechen in den untersuchten Filmen zudem vierzehn Prozent weniger als ältere Männer.

Die Forschenden stellten auch fest, dass selbstbewusste, aktive und vielschichtige ältere Frauenfiguren rar sind. Stattdessen zeigen Filme ältere Frauen deutlich häufiger als „passiv, bemitleidenswert, verspottet, weil sie sich nicht ihrem Alter entsprechend verhalten, und oft irrelevant für die Haupthandlung“.

„Indem die Filmindustrie ältere Menschen – und ältere Frauen ganz besonders – nicht angemessen darstellt, trägt sie aktiv dazu bei, sie an den Rand der Gesellschaft zu drängen“, sagte Harriet Bailiss, Co-Leiterin der Age-Without-Limits-Kampagne.

„Für viele ältere Menschen, die ihren eigenen Wert infrage stellen, weil sie den Ageismus verinnerlicht haben, dem sie im Alltag ständig begegnen, bestätigt dieser Mangel an Repräsentation nur die Vorstellung, dass ältere Menschen mit jedem Jahr weniger zählen. Kein Wunder, dass so viele Frauen davon sprechen, unsichtbar zu werden, wenn sie sich in der populären Kultur oder Werbung kaum wiederfinden.“

Bailiss ergänzte: „Ageismus ist die häufigste Form der Diskriminierung, wird aber immer noch nicht ernst genug genommen. Ageismus beschneidet Chancen im Beruf, greift die Gesundheit, Beziehungen, Ziele und das Selbstvertrauen an – und entscheidet letztlich darüber, in welche Leben investiert wird. Ageismus betrifft uns alle, aber wir alle können dazu beitragen, ihn zu beenden. Ihn zu hinterfragen und ihm zu widersprechen, beginnt bei jeder und jedem Einzelnen.“

Meryl Streep in „The Devil Wears Prada 2“
Meryl Streep in „The Devil Wears Prada 2“ 20th Century Studios

Gibt es in diesem Jahr schon Fortschritte?

Die 76-jährige Meryl Streep hat mit der Fortsetzung von The Devil Wears Prada weltweit die Marke von 600 Millionen Dollar an den Kinokassen überschritten und damit einen der Überraschungshits des Jahres 2026 gelandet. Doch sowohl Project Hail Mary als auch The Super Mario Galaxy Movie liegen vorne, mit einem weltweiten Einspielergebnis von derzeit 670 beziehungsweise 800 Millionen Dollar.

Im ersten Film spielt ein sprechender außerirdischer Felsen die Hauptrolle. Im zweiten Chris Pratt.

Drücken wir die Daumen, dass sich das ändert – und Hollywood nicht länger nur mit seinen Chrises herumalbert.

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