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Studie: Rund 41 % reagieren nicht auf Hitzealarme der britischen Regierung

Eine Person mit Regenschirm geht am Donnerstag, 13. August 2026, durch trockenes Gras nahe Stonehenge in Wiltshire, England. (AP Photo/Kin Cheung)
Eine Person mit Regenschirm geht am Donnerstag, 13. August 2026, durch vertrocknetes Gras bei Stonehenge in Wiltshire, England. (AP Photo/Kin Cheung) Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Alexandra Leistner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In England nehmen Hitzewellen zu, doch laut Studie reagieren 41 Prozent der Menschen trotz Hitze-Warnungen nicht – warum verhallen die Appelle?

Die Hitze in diesem Sommer ist extrem. Eine Hitzewelle folgt auf die nächste und trocknet ganze Landstriche aus, lässt Gletscher schmelzen, Seen und Flüsse schrumpfen. Waldbrände haben enorme Flächen verbrannt; viele Landschaften wirken inzwischen völlig verändert.

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Die Folgen der Extremhitze reichen jedoch weit über das hinaus, was in der Landschaft sichtbar ist. Eine der gravierendsten Auswirkungen ist kaum zu erkennen: Sie trifft unsere Gesundheit.

Trotz wiederholter Warnungen von Gesundheitsbehörden nehmen viele Menschen in England große Hitze noch immer nicht als ernstes Gesundheitsrisiko wahr.

Eine neue Untersuchung von Fachleuten der Universität der Vereinten Nationen (Quelle auf Englisch) zeigt eine deutliche Lücke zwischen Hitze-Gesundheitswarnungen und dem Verhalten der Menschen. Die Studie analysiert, wie Menschen auf Heat Health Alerts (HHA) reagieren und warum Warnungen nicht immer zu Schutzmaßnahmen führen.

Das Forschungsteam befragte 1.097 Erwachsene in England und führte 29 Interviews mit Personen, die beruflich über Hitzerisiken informieren.

Wissen führt nicht automatisch zu Handeln

Die Ergebnisse machen die Diskrepanz deutlich zwischen dem Wissen über Hitze und dem tatsächlichen Verhalten.

Etwa sieben von zehn Befragten hatten bereits eine Hitze-Gesundheitswarnung gesehen. Von diesen gaben 41 Prozent an, keinerlei Schutzmaßnahmen ergriffen zu haben.

Der häufigste Grund: Sie sahen für sich persönlich kein Risiko.

Nur 18,1 Prozent der Teilnehmenden empfanden Extremhitze als hohes Risiko. Rund 30 Prozent gaben zudem an, wenig oder gar kein Wissen über mögliche Schutzmaßnahmen zu haben.

Die Gründe für das Nicht-Handeln waren unterschiedlich. 19 Prozent sprachen von einem geringen Gefühl eigener Gefährdung. Neun Prozent hatten die Warnung gar nicht als solche erkannt. Sieben Prozent wussten nicht, welche Schritte sie unternehmen sollten. Fünf Prozent fanden die Warnung schwer verständlich.

Warum viele Menschen auf Warnungen nicht reagieren

Die Forschenden betonen, dass eine Warnmeldung allein nicht ausreicht. Menschen müssen verstehen, dass Extremhitze ihre Gesundheit gefährden kann. Sie müssen erkennen, wann eine Warnung für sie gilt, und wissen, wie sie sich schützen können.

Ein Teil des Problems liegt auch in der Art, wie die Warnungen verbreitet werden.

Von den befragten Fachleuten für Hitze-Kommunikation nutzten 90 Prozent digitale Kanäle. Darüber verbreiten sich Informationen schnell, sie erreichen Menschen aber nicht gleichermaßen. Soziale Medien gelten besonders bei älteren Erwachsenen als am wenigsten vertrauenswürdige Quelle für Hinweise zu Hitze.

Rund 30 Prozent der Befragten gaben an, überhaupt keine Hitze-Gesundheitswarnungen oder Informationen zum Hitzeschutz zu erhalten. Das führt zu einer bedenklichen Schieflage: Die genutzten Kommunikationskanäle erreichen gerade die besonders gefährdeten Gruppen oft nicht.

Menschen jenseits der digitalen Welt erreichen

Das Team empfiehlt, zusätzlich vertrauenswürdige lokale Einrichtungen einzubeziehen – etwa Bürgerinitiativen, Bibliotheken, soziale Dienste, Wohlfahrtsverbände und Religionsgemeinschaften. Über sie lassen sich Menschen erreichen, die digitale Warnsysteme leicht übersehen.

Die Forschenden fordern von Behörden zudem bessere Ansätze, um den Erfolg von Kommunikation zu messen. Statt nur Klickzahlen, Reichweiten in sozialen Medien oder Berichterstattung zu zählen, sollten sie prüfen, ob Menschen die Warnungen verstehen – und ob diese tatsächlich zu Schutzverhalten führen.

Hitze-Warnungen klarer und handlungsorientierter gestalten

Die Interviews mit Fachleuten für Hitze-Kommunikation machen ein weiteres Problem sichtbar. In England richtet sich der Schwerpunkt der Hitze-Kommunikation stark auf Abstimmung zwischen Institutionen und die Vorbereitung auf Notfälle. Die Unterstützung konkreter Verhaltensänderungen der Bevölkerung steht deutlich weniger im Fokus.

Nach Einschätzung der Forschenden dominiert bislang das Ziel, Menschen zu informieren. Information allein reicht jedoch oft nicht aus, um zu wirksamem Selbstschutz zu motivieren.

Kommunikation ist zudem nur ein Teil des Problems.

Die Studie verweist auch auf grundlegendere Faktoren, die die Verletzbarkeit gegenüber Hitze bestimmen. Dazu gehören Wohnbedingungen, soziale Benachteiligung, bestehende gesundheitliche Einschränkungen, die Belastung durch die Umwelt sowie der Zugang zu Ressourcen.

Warnmeldungen allein können diese Faktoren nicht verändern.

Über Warnungen hinaus: Wohnraum und Nachbarschaften hitzeresilient machen

Angesichts häufigerer und stärkerer Hitzewellen plädieren die Forschenden dafür, dass England von einem fast ausschließlich warnungsbasierten Ansatz abrückt.

Das bedeutet, die Kommunikation über Hitzerisiken zu verbessern. Gleichzeitig braucht es langfristige Veränderungen, die die Belastung und Verwundbarkeit der Menschen verringern.

Zentrales Handlungsfeld ist der Wohnungsbau. Die Studie fordert, Hitzebeständigkeit systematisch in Baustandards, Raumplanung und Sanierungsprogramme zu integrieren. Vorgaben zur Vermeidung von Überhitzung in Gebäuden sollten konsequenter umgesetzt und kontrolliert werden.

Die eigentliche Herausforderung besteht nach Ansicht der Forschenden daher nicht nur darin, rechtzeitig vor der nächsten Hitzewelle zu warnen. Ziel sollte sein, dass deutlich weniger Menschen gefährdet sind, wenn sie eintrifft.

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