Die Selbstmordrate ist in der EU 2023 leicht gesunken und liegt unter dem Niveau vor zehn Jahren. Drei von vier Opfern sind Männer. Auch in Spanien sinken die Zahlen. Die WHO fordert, das Stigma rund um Suizid zu brechen.
In der Europäischen Union nahmen sich 2023 insgesamt 48.370 Menschen das Leben. Die Sterberate durch Suizid sinkt jedoch weiter und liegt inzwischen unter dem Niveau von vor zehn Jahren.
Das zeigen die jüngsten Daten von Eurostat (Quelle auf Spanisch), veröffentlicht anlässlich des Welttags zur Prävention von Suizid, der jedes Jahr am zehnten September für dieses Problem der öffentlichen Gesundheit sensibilisieren, Stigmatisierung abbauen und Prävention stärken soll. Suizid machte in diesem Jahr rund ein Prozent aller Todesfälle in der EU aus. Die altersstandardisierte Rate lag bei 10,4 Todesfällen je 100.000 Einwohner, nach 10,6 im Jahr 2022 und 12,2 im Jahr 2013.
Zwischen den Mitgliedstaaten gibt es weiterhin große Unterschiede. Litauen verzeichnete die höchste Suizidrate in der EU, mit 18,8 Todesfällen je 100.000 Einwohner, gefolgt von Slowenien (16,4) und Ungarn (16,1). Die niedrigsten Werte meldeten Zypern (3,5), Griechenland (4,3) und Malta (5,5).
Männer waren deutlich häufiger betroffen: Sie machten 76,4 Prozent aller Suizidtodesfälle in der EU aus. Die rohe Rate lag bei 16,9 Todesfällen je 100.000 Männern, bei Frauen bei fünf Todesfällen je 100.000. Die Sterblichkeit steigt zudem mit dem Alter und erreicht 17,3 Todesfälle je 100.000 Einwohner bei Menschen ab 65 Jahren.
Spanien: Suizidzahlen gehen im dritten Jahr in Folge zurück
Auch die neuesten spanischen Zahlen zeigen diesen Trend. Im Jahr 2025 nahmen sich in Spanien 3.808 Menschen das Leben, 3,7 Prozent weniger als 2024, als 3.953 Suizidtote gezählt wurden, wie vorläufige Daten des Nationalen Statistikamts (INE) zeigen.
Damit sinkt die Zahl der Suizide bereits im dritten Jahr in Folge, ausgehend von 4.227 Todesfällen im Jahr 2022. Im Jahr 2025 war Suizid die dritthäufigste äußere Todesursache in Spanien. Bei Männern stand er jedoch an erster Stelle: 2.784 von ihnen starben durch Suizid.
Spanien hat einen Aktionsplan zur Prävention von Suizid für die Jahre 2025 bis 2027 aufgelegt, der das Thema als Aufgabe der öffentlichen Gesundheit versteht. Zu den Schwerpunkten gehören bessere Datengrundlagen, der Kampf gegen Stigmatisierung und Mythen rund um Suizid, eine frühere Erkennung von Risiken sowie eine bessere Versorgung und Abstimmung zwischen den beteiligten Einrichtungen und Behörden.
Der Plan (Quelle auf Spanisch) setzt außerdem auf breite Sensibilisierung und eine verantwortungsvolle Kommunikation, erleichtert den Zugang zu Hilfsangeboten und richtet besondere Aufmerksamkeit auf Menschen und Gruppen in besonders verletzlichen Lebenslagen.
Stigma brechen, reden, Hilfe suchen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt ihre Kampagne zum Welttag zur Prävention von Suizid unter das Motto „Changing the Narrative on Suicide“. Für 2026 ruft sie mit der Parole „Start the Conversation“ dazu auf, Mythen und Stigmatisierung zu überwinden, offen über belastende Gedanken zu sprechen und Hilfe zu suchen.
Nach Auffassung der WHO bedeutet ein verändertes Narrativ auch, die Politik zu verändern, den Zugang zu guter Versorgung zu verbessern und Präventionsstrategien einzusetzen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Die Organisation schätzt, dass weltweit jedes Jahr mehr als 720.000 Menschen durch Suizid sterben. 73 Prozent dieser Todesfälle ereignen sich in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen; global ist Suizid die dritthäufigste Todesursache bei Menschen zwischen 15 und 29 Jahren.
Die WHO betont, dass die direkte Frage, ob jemand an Suizid denkt, das Risiko nicht erhöht, sondern Betroffenen helfen kann, sich verstanden zu fühlen.
Die Notwendigkeit, den Zugang zu Unterstützung zu erleichtern, zeigt sich auch in den Hilfesuchenden. Das Hilfetelefon „Teléfono de la Esperanza“ verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Anstieg der Anfragen im Zusammenhang mit suizidalem Verhalten um 10,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Zugleich nutzt die Guardia Civil die Kampagne #PideRefuerzos, um auf Warnsignale aufmerksam zu machen und die Bedeutung professioneller Hilfe hervorzuheben.
Zu den öffentlichen Hilfsangeboten gehört die nationale Hotline Línea 024. Sie richtet sich an Menschen mit Suizidgedanken oder Suizidrisiko sowie an ihre Angehörigen und nahestehenden Personen. Im Jahr 2025 wurden dort 204.449 Kontakte verzeichnet; nach Angaben des Gesundheitsministeriums zeigten 40 Prozent der Anrufe ein mittleres bis hohes Suizidrisiko.
Die Línea 024 ist kostenlos, vertraulich und rund um die Uhr erreichbar, an 365 Tagen im Jahr. In akuten lebensbedrohlichen Situationen sollen Betroffene die Notrufnummer 112 wählen.