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Europa: Klagen wegen Kinder-Suizid und Selbstverletzung durch soziale Medien häufen sich

In Frankreich, Italien und den USA laufen zentrale Klagen gegen soziale Netzwerke, darunter ein Fall mit einem schottischen Teenager.
Mehrere wegweisende Klagen gegen Social-Media-Konzerne in Frankreich, Italien und in den USA; betroffen ist auch ein schottischer Teenager. Copyright  Canva
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Von Anna Desmarais
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Gerichte in Italien und Frankreich verhandeln bereits mehrere Fälle. Die Familie eines schottischen Jugendlichen klagt in den USA mit.

Mehrere europäische Länder prüfen derzeit Beschränkungen für soziale Netzwerke für Kinder unter 16 Jahren. Parallel dazu rollt eine Welle von Klagen gegen die Plattformen an, ähnlich wie in den USA.

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Zivilklagen von Familien in Frankreich und Italien werfen den Plattformen vor, mit ihren Algorithmen Suizid und Selbstverletzung zu begünstigen. In den Niederlanden und in Deutschland richten sich Verfahren gegen suchtfördernde Gestaltung, fehlenden Schutz von Kindern und gezielte Manipulation.

In den USA lehnte ein Richter in Kalifornien vergangene Woche den Antrag von Meta und Google auf einen neuen Prozess in einem Suchtfall ab. Beide Konzerne sollen einem ehemaligen jungen Nutzer 6 Millionen Dollar (5,17 Mio. €) zahlen, berichteten US‑Medien.

In dem Verfahren hieß es, die Plattformen hätten junge Nutzer unzureichend vor den möglichen Folgen exzessiver Social‑Media‑Nutzung gewarnt.

Im Folgenden ein Überblick über weitere Verfahren in Europa gegen Social‑Media‑Konzerne.

Italien

Zu Beginn dieses Jahres traf eine italienische Rechteorganisation in Mailand vor Gericht auf TikTok und Meta, den Mutterkonzern von Facebook und Instagram.

Die Sammelklage, die erste ihrer Art in Italien, fordert, dass die Plattformen strengere Alterskontrollen für Nutzer unter 14 Jahren einführen.

Außerdem soll das Gericht die Unternehmen verpflichten, verständlich offenzulegen, wie ihre Algorithmen funktionieren, und potenziell manipulative Inhalte von den Plattformen zu entfernen.

Ziel ist es, rund 3,5 Millionen italienische Kinder zwischen sieben und 14 Jahren zu schützen, die heute widerrechtlich auf Social‑Media‑Plattformen unterwegs sind.

Bei der ersten Anhörung im Mai bestritten die Anwälte von Meta und TikTok, ob italienische Gerichte überhaupt über die Klage entscheiden dürfen in der ersten Anhörung im Mai (Quelle auf Englisch), heißt es in einer Erklärung von MOIGE, der Kanzlei, die die Familien vertritt.

Darin heißt es auch, Meta und TikTok hätten versucht, die wissenschaftliche Aussagekraft von Unterlagen herunterzuspielen, die belegen sollen, dass beiden Konzernen die Risiken ihrer Plattformen für Kinder längst bekannt sind.

In einer Stellungnahme an Euronews Next erklärte Meta, der Konzern nehme fortlaufend Änderungen vor, um Jugendliche auf seinen Plattformen besser zu schützen.

Man sei mit den Vorwürfen der italienischen Klage „überhaupt nicht einverstanden“, sie ignoriere „unser langjähriges Engagement für junge Menschen“.

Meta verweist darauf, dass sogenannte Teen Accounts standardmäßig besondere Schutzfunktionen bieten – etwa Einschränkungen, wer Jugendliche kontaktieren darf, welche Inhalte sie sehen und wie viel Zeit sie auf Facebook und Instagram verbringen.

„Wir stehen zu unserer Bilanz und werden weiter daran arbeiten, junge Menschen zu schützen“, so ein Unternehmenssprecher.

Euronews Next bat auch TikTok um eine Stellungnahme zu den ersten Anhörungen, erhielt jedoch zunächst keine Antwort.

Der nächste Verhandlungstermin ist den Anwälten zufolge der 30. Juni, der Schlusstermin der 19. November. Dieser liegt einen Tag vor dem Internationalen Tag der Kinderrechte.

Frankreich

Im Jahr 2024 verklagte eine Gruppe französischer Familien unter dem Namen Algos Victima TikTok, weil die Plattform Jugendliche schädlichen Inhalten ausgesetzt haben soll. Zwei von ihnen nahmen sich daraufhin das Leben.

Nach Darstellung der Kläger setzte der Algorithmus der Plattform ihre Kinder Inhalten aus, die Selbstverletzung, Essstörungen und Suizid verherrlichen.

Im November 2025 nahmen die französischen Staatsanwälte (Quelle auf Englisch) ein förmliches Strafverfahren auf. Sie prüfen, ob TikToks Algorithmen Minderjährige mit Suizid‑Inhalten konfrontierten und besonders schutzbedürftige Nutzerinnen und Nutzer gefährdeten.

Nach Angaben der Regierung könnte das Verfahren Delikte wie die Verbreitung suizidbezogener Inhalte und die unrechtmäßige Erhebung personenbezogener Daten umfassen.

Im Mai weitete Algos Victima die Klage aus. Sie umfasst nun auch den Vorwurf des Ausnutzens einer besonderen Schutzbedürftigkeit, und die Zahl der vertretenen Familien stieg auf 16.

Fünf der Familien trauern um ihre Töchter, die sich das Leben genommen haben. Die übrigen betroffenen Jugendlichen leiden laut Klageschrift unter schweren Essstörungen, Depressionen oder Suizidgedanken im Zusammenhang mit Inhalten, die sie auf der Plattform gesehen haben. Bis Juni 2026 wurden keine öffentlichen Prozesstermine bekanntgegeben.

Vereinigtes Königreich

Auch das Vereinigte Königreich ist inzwischen Teil der Klagewelle gegen Social‑Media‑Konzerne wegen mutmaßlicher Schäden für junge Nutzer.

Die Familie des schottischen Teenagers Murray Dowey, der sich im Dezember 2023 das Leben nahm, nachdem er dazu gebracht worden war, einem Instagram‑Kontakt intime Fotos zu schicken, schloss sich laut „The Guardian“ einer Klage in Delaware gegen Meta wegen widerrechtlicher Tötung an.

Das Social Media Victims Centre (Quelle auf Englisch), das die Klage eingereicht hat, erklärte 2025 in einer Stellungnahme, der Tod Doweys und anderer Betroffener sei die „voraussehbare Folge bewusster Designentscheidungen von Meta“.

Das Zentrum wirft Meta vor, seit 2019 von einer Funktion gewusst zu haben, über die fremde Erwachsene Kontakt zu Kindern aufnehmen konnten und sie so möglichen Sexualstraftätern aussetzten.

Der Konzern habe zudem Empfehlungen von Forschenden abgelehnt, Jugendkonten standardmäßig auf „privat“ zu stellen. Dadurch hätten sich schätzungsweise 5,4 Millionen Direktnachrichten verhindern lassen.

Der Beitrag wurde nachträglich um eine Stellungnahme von Meta ergänzt.

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