Paris: Macron eröffnet Ausstellung zum Erbe der antiken libanesischen Stadt Byblos – Israels Krieg verschärft die humanitäre Not.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in Paris eine große historische Ausstellung zur antiken libanesischen Stadt Byblos eröffnet.
Byblos: Die Jahrtausendstadt des Libanon im Arabischen Weltinstitut zeichnet mehr als siebentausend Jahre Geschichte nach. Im Mittelpunkt steht eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt.
Doch als Macron neben dem libanesischen Kulturminister Ghassan Salamé sprach, rückte die Botschaft weit über Archäologie hinaus. Es ging um den aktuellen Krieg im Libanon.
„In einer Zeit, in der uns manche weismachen wollen, Sicherheit lasse sich nur durch den Einmarsch in einen angeblich bedrohlichen Nachbarn erreichen“, sagte Macron, „erinnert uns der Libanon an eines: an die Kraft des Universalismus.“
Macrons Worte fallen in eine Phase, in der Israels Offensive im Libanon andauert. Luftangriffe und ein Bodeneinsatz im Süden haben sich in den vergangenen Wochen nochmals verstärkt.
Nach Angaben libanesischer Stellen sind bereits mehr als eintausend Menschen getötet worden, bis zu eine Million weitere sind auf der Flucht. Zudem melden die Behörden großflächige Schäden an ziviler Infrastruktur.
Die Eskalation ist Teil eines größeren regionalen Konflikts im Zusammenhang mit dem von den USA und Israel geführten Krieg gegen Iran. Die Hisbollah feuert als Reaktion Raketen ab.
Byblos: Jahrtausendealte Stadt des Libanon
Die Schau verknüpft Vergangenheit und Gegenwart des Landes auf untrennbare Weise.
Byblos liegt an der libanesischen Mittelmeerküste und ist seit etwa 6900 vor Christus besiedelt. Die Stadt gilt vielen als der älteste Hafen der Welt.
Über Jahrtausende war sie ein Knotenpunkt zwischen Ägypten, Mesopotamien und dem übrigen Mittelmeerraum. Byblos spielte eine zentrale Rolle für Handel, Sprache und frühe städtische Kultur.
Byblos gehört zu den bekanntesten historischen Städten des Libanon. Die Unesco führt sie als Welterbestätte; das Bild des Landes im Ausland prägt sie seit Langem mit.
Die Ausstellung in Paris vereint fast vierhundert Objekte: prähistorische Werkzeuge und Schmuck aus der Bronzezeit, Skulpturen und Grabbeigaben. Sie zeigt eine Stadt, deren Vergangenheit die Identität des Libanon bis heute prägt.
Dennoch bleibt die Schau unvollständig.
Ursprünglich sollte die Ausstellung bereits 2024 eröffnet werden. Doch der Krieg erschwerte den Transport der Objekte immer mehr. Versicherungskosten schossen in die Höhe, Transportwege galten plötzlich als unsicher, mehrere Schlüsselstücke kamen nie in Paris an.
Eine Lieferung großer Steinobjekte wurde nach neuerlichen militärischen Eskalationen gestrichen. Andere Objekte, darunter ein Obelisk aus dem dritten Jahrtausend vor Christus, stuften die Verantwortlichen als zu wertvoll ein, um sie zu gefährden; sie blieben im Libanon.
Einige Vitrinen bleiben deshalb leer, ein sichtbarer Hinweis auf das, was fehlt.
Für Kuratorin Tania Zaven ist das Absicht. Die Ausstellung sei „eine Form kulturellen Widerstands“.
Besucherinnen und Besucher wandern durch Jahrtausende Geschichte und werden immer wieder daran erinnert, unter welchen Bedingungen dieses Erbe heute bewahrt wird.
Anne-Claire Legendre, die erste Präsidentin des Instituts, sagte: „Diese Ausstellung ist mit großem Durchhaltewillen, mit viel Mut und mit großem Vertrauen zwischen den Teams entstanden, in einem besonders schwierigen Umfeld.“
Die Schau stehe zugleich für die Jahrtausende währende Geschichte des Libanon und führe vor Augen, „wie sehr es unsere Pflicht ist, diese Geschichte zu bewahren und dieses Erbe vor jeder Auslöschung zu schützen“.
Frankreich und Libanon
Das Verhältnis Frankreichs zum Libanon verleiht der Ausstellung eine Bedeutung, die über reines Kulturprestige hinausgeht.
Beide Länder verbindet eine lange politische, sprachliche und geistige Beziehung und seit Jahrzehnten eine enge Zusammenarbeit in der Archäologie.
Französische Forscherinnen, Forscher und Grabungsteams prägten seit dem späten neunzehnten Jahrhundert maßgeblich das heutige Wissen über Stätten wie Byblos. Diese gemeinsame Verantwortung spiegelt sich bis heute darin, wie libanesisches Kulturerbe in Paris gezeigt wird.
Diese institutionelle Verbundenheit steckt auch in der Ausstellung selbst. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem libanesischen Kulturministerium und der Generaldirektion für Altertümer und ist damit nicht nur ein Museumsprojekt, sondern auch ein gemeinsamer Akt des Bewahrens in Kriegszeiten.
Macron bezeichnete seine Teilnahme an der Eröffnung „vor allem als Zeichen der Wertschätzung, des Respekts und der Freundschaft“ und nutzte die Zeremonie, um die Archäologie in eine breitere Verteidigung der libanesischen Souveränität einzubetten.
Seine Worte machten deutlich: Es geht nicht nur darum, eine antike Stadt zu feiern, sondern an der Seite eines angegriffenen Landes zu stehen.
Die Symbolik verstärkte die Anwesenheit des libanesischen Kulturministers Ghassan Salamé, der im Namen von Präsident Joseph Aoun sprach und die Tiefe der libanesisch-französischen Beziehungen betonte. Er dankte Frankreich für seine anhaltende Unterstützung und äußerte die Hoffnung, dass diese Hilfe dem Libanon auch künftig beim Wiederaufbau seiner Zukunft zugutekommen werde.
Salamé nutzt seine Reise nach Paris zudem, um internationale Unterstützung für libanesische Kulturerbestätten zu mobilisieren, die durch den Krieg bedroht sind.
In den vergangenen Tagen kündigte er an, an Krisentreffen zum Kulturerbe teilzunehmen, die dem Schutz archäologischer Stätten im Libanon vor den anhaltenden Angriffen gewidmet sind.
Byblos: Die Jahrtausendstadt des Libanon ist noch bis zum 23. August 2026 im Arabischen Weltinstitut zu sehen.