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Pinkeln fürs Klima: Fußballfans lösen Schwedens Düngeproblem mit Urin

Eleda-Stadion in Malmö setzt auf Nachhaltigkeit: Neue Öko-Pissoirs und Unisex-Toiletten
MFF-Eleda-Stadion: „Pee for the Planet“-Urinale und Unisex-Toiletten Copyright  VISUAL REPLICA AB MALMO SWEDEN
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Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
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Steckt im Urin die Lösung für Europas Düngerkrise? Schwedische Fußballfans sammeln auf den Stadiontoiletten, um das herauszufinden.

Schwedische Fußballfans nehmen dieses Jahr an einem ganz anderen Turnier teil: „Pee for the Planet“.

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Das Eleda-Stadion, Heimat von Malmö FF, öffnet am Sonntag, dem 24. Mai, seine Tore – und seine Toiletten – für eine Aktion, die tausend Liter menschlichen Urins sammeln soll.

Das Ziel: Schwedens Abhängigkeit von importiertem, auf fossilen Energieträgern basierendem Kunstdünger zu durchbrechen.

Weltweit verursachen diese stickstoffhaltigen Dünger jedes Jahr 1,13 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente. Das ist mehr als der gesamte Luftverkehr, zeigt eine Studie des Center for International Environmental Law (CIEL).

„Pee for the Planet“-Pissoirs und Unisex-Toiletten im MFF-Eleda-Stadion.
„Pee for the Planet“-Pissoirs und Unisex-Toiletten im MFF-Eleda-Stadion. VISUAL REPLICA AB MALMO SWEDEN

Diese Emissionen bereiten Klimafachleuten seit Langem Sorgen. In den vergangenen Wochen geraten Kunstdünger zusätzlich unter Druck, weil geopolitische Spannungen die Versorgung gefährden.

Iran blockiert weiterhin die wichtige Schifffahrtsroute Straße von Hormus. Dadurch liegt rund ein Drittel des weltweiten Düngerhandels auf Eis – mit Folgen für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit rund um den Globus.

Die Meerenge ist auch zentral für den Transport von Erdgas-Exporten. Dieses Gas ist entscheidend für die Herstellung von synthetischen Stickstoffdüngern, die in Europa und darüber hinaus weit verbreitet sind.

Taugt menschlicher Urin als Alternative zu Kunstdünger?

Menschlicher Urin enthält reichlich die drei wichtigsten Nährstoffe für Pflanzen: Stickstoff, Phosphor und Kalium. Auch synthetische Dünger bestehen im Kern aus diesen Stoffen.

Die Schwedische Universität für Agrarwissenschaften (SLU), der Hafermilch-Hersteller Oatly, Malmö FF und Sanitation360 haben sich zusammengeschlossen, um zu erforschen, ob Urin als kreislauforientierte und sichere Alternative zur Düngung von Nutzpflanzen taugt. Der im Stadion gesammelte Urin wird dafür in Dünger umgewandelt.

„Es geht darum, eine Ressource zu nutzen, die wir derzeit verschwenden“, sagt Björn Vinnerås, Professor an der SLU und Experte bei Sanitation360.

„Wir müssen auch unser Denken ändern. Urin zu sammeln und wiederzuverwenden ist nichts Fremdes, wenn man es mit Plastik vergleicht. Heute setzen wir ganz selbstverständlich Mist von Kühen, Schweinen und Hühnern als Dünger ein – das gilt als völlig normal.“

Testlauf für den großen Maßstab

Im Heimstadion von Malmö FF wurden für das Projekt fünfzehn Urinale und eine Toilette installiert, die den Urin getrennt sammeln können.

Vom Anpfiff an diesem Sonntag bis zum letzten Heimspiel der schwedischen Saison am 29. November dient das Stadion als Testlabor: für die Sammeltechnik, für Hygiene und Logistik – und für die Frage, wie das Publikum darauf reagiert.

Im Rahmen des Projekts prüfen die Forschenden auch, wie sicher aus Urin gewonnener Dünger für Lebensmittelpflanzen ist. Diese Frage ist zentral, weil mögliche Arzneimittelrückstände und Krankheitserreger geklärt sein müssen, bevor ein System im großen Stil eingeführt werden kann.

Gelingt der Versuch, könnte er den Umbau bestehender Toiletten und die Entwicklung neuer Anlagen anstoßen, die Urin in großem Umfang erfassen.

Das Konzept könnte zudem ein weiteres Problem entschärfen: die Belastung der Abwasserbehandlung in großen Arenen wie dem Stadion mit Platz für 22 500 Zuschauerinnen und Zuschauer. Ein Teil der Nährstoffe im Urin wird bisher nicht zurückgewonnen und landet als Schadstoff in Seen und Meeren.

Die Forschenden schätzen, dass Urin theoretisch bis zu dreißig Prozent des in Schweden eingesetzten Kunstdüngers ersetzen könnte.

Langfristig wollen sie auch herausfinden, ob Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, Lebensmittel zu akzeptieren, die mit Nährstoffen aus recyceltem Urin erzeugt wurden.

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