Das in Aarhus gelegene Freilichtmuseum Den Gamle By erhält den European Museum of the Year Award 2026 für neue Maßstäbe bei Innovation, Relevanz und Publikumswirkung.
Das dänische Museum Den Gamle By (Nationales Freilichtmuseum für Stadtgeschichte und -kultur) hat Grund zum Feiern: Es wurde mit dem begehrten European Museum of the Year Award. Das in Aarhus beheimatete Kulturzentrum nahm den Preis am Samstagabend bei der EMYA-Gala im spanischen Bilbao entgegen.
Bei der Preisverleihung würdigte EMYA-Co-Vorsitzende und Jurymitglied Daniëlle Kuijten Den Gamle By als „eine wegweisende Institution, die historische und heutige Stadträume zusammenführt, um drängende Fragen unserer Zeit zu thematisieren – von Migration über Nachhaltigkeit bis zu sozialer Gerechtigkeit“.
Den Gamle By ist ein Freilichtmuseum zur Stadtgeschichte, entstanden „von (ganz normalen) Menschen über (ganz normale) Menschen“. Die Institution in der zweitgrößten Stadt Dänemarks lädt Besucherinnen und Besucher ein, 400 Jahre Geschichte in interaktiven, immersiven Ausstellungen zu erkunden.
Derzeit führen vier Ausstellungen das Publikum auf eine Zeitreise von 1600 bis 2014: Man kann Pferde streicheln, bunte Reklame entdecken, der typischen Kleinfamilie begegnen oder das Ticketbüro der Fluglinie SAS besuchen – alles an einem Ort.
Das Museum will die Öffentlichkeit für drängende Themen sensibilisieren, etwa Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung und Selbstermächtigung.
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf Umweltfragen. In ihrer Begründung für die Auszeichnung lobte die Jury: „Nachhaltigkeit ist ein immer wichtigeres Thema in den neu entwickelten Angeboten des Museums – von der Pflege und Vermittlung alter Kulturpflanzensorten über Gartenkurse bis hin zu Werkstätten für die Reparatur von Kleidung und Gebäuden.“
Im Mittelpunkt steht die Idee eines sich ständig wandelnden Ortes, nicht eines statischen Museums. Zugleich bringt Den Gamle By die Menschen aus der Umgebung zusammen – an einem Ort, an dem sich alle gesehen und gehört fühlen sollen.
„Freiwillige spielen eine zentrale Rolle: Sie bringen Fachwissen und persönliche Erfahrungen in die erzählten Geschichten ein. Partizipative Projekte verankern das Museum tief im öffentlichen Leben“, schreibt das Preiskomitee.
Auch die übrigen Anwärterinnen und Anwärter auf den renommierten Preis reisten nicht mit leeren Händen aus der nordspanischen Stadt ab. Bei der Zeremonie vergab EMYA mehrere weitere Auszeichnungen.
Das Young V&A in London, Vereinigtes Königreich, erhielt den Museumspreis des Europarats. Den Kenneth-Hudson-Preis für institutionellen Mut und berufliche Integrität gewann das Museum of Madness Institute im slowenischen Trate.
Das Museum der ländlichen Zivilisation des Mendrisiotto in Stabio in der Schweiz erhielt den Portimão Museum Prize für Willkommenskultur, Inklusion und Zugehörigkeit.
Der Silletto-Preis für Beteiligung und Engagement der Gemeinschaft ging an das AlpenStadtMuseum in Sonthofen in Deutschland.
Das finnische Lahti Museum of Visual Arts Malva wurde mit dem Museumspreis für ökologische Nachhaltigkeit ausgezeichnet.
Besondere Anerkennungen gingen an das Obersalzberg Documentation Centre (Berchtesgaden, Deutschland), das Cern Science Gateway (Meyrin, Schweiz), das Tartu City Museum (Tartu, Estland), das Research Centre – Tsitsanis Museum (Trikala, Griechenland), Sensoria – The House of Fragrances and Flavours (Holzminden, Deutschland) und das Kunsthaus Baselland (Basel, Schweiz).
„Die Preisträgerinnen und Preisträger 2026 stehen für ein breites Spektrum thematischer Schwerpunkte, geografischer Kontexte und Arbeitsweisen. Sie alle eint der Wille zum Wandel: etablierte Erzählungen zu hinterfragen, sich mit schwierigen Geschichtsbildern auseinanderzusetzen und die gesellschaftliche Relevanz ihrer Institutionen zu stärken“, schreiben die Co-Vorsitzenden der EMYA-Jury im Vorwort.
Die Verleihung des fünfzigsten European Museum of the Year Award findet am 30. Mai 2027 in Bern in der Schweiz statt.