Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Israel: Unberührte 400.000 Jahre alte Höhle liefert Einblicke in präneandertale Epoche

Fureidis-Höhle in Israel: zwischen 250.000 und 400.000 Jahre alt
Fureidis-Höhle in Israel, zwischen 250.000 und 400.000 Jahre alt Copyright  Israel Antiquities Autorities
Copyright Israel Antiquities Autorities
Von Jesús Maturana
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Nahe Foreidis im Norden Israels eröffnet eine neu entdeckte prähistorische Höhle einen seltenen Blick auf die frühe Menschheitsgeschichte mit Werkzeugen, Tierknochen und Spuren langer Besiedlung.

Nur selten stößt die Archäologie auf einen Ort, der über Hunderttausende von Jahren nahezu unbeeinflusst von Natur und Menschen geblieben ist.

WERBUNG
WERBUNG

Genau das haben Forschende in einer Höhle nahe Foreidis entdeckt. Dort untersuchen Teams der Israelischen Altertümerbehörde (IAA) und der Universität Haifa eine Fundstätte aus einem Zeitraum zwischen 400.000 und 250.000 Jahren.

Die Arbeiten stehen unter der Leitung (Quelle auf Israelisch) des Archäologen Kobi Vardi und Amit Gabay, gemeinsam mit Professor Ron Schimmelmitz. Die Verantwortlichen beschreiben den Ort als einen der bedeutendsten Funde der vergangenen Jahrzehnte. Er hilft, eine Phase der menschlichen Evolution zu verstehen, von der nur wenige Spuren erhalten geblieben sind.

Die Höhle gehört zur sogenannten achelense‑yabrudischen Kultur, einer Tradition, die für das späte Untere Paläolithikum im Levante typisch ist. Nach Angaben der Forschenden macht der außergewöhnliche Erhaltungszustand die Fundstätte zu einer regelrechten „Zeitkapsel“. Sie kann Informationen liefern, die sich an anderen Orten der Region nur schwer gewinnen lassen.

In der Höhle von Foreidis, mitten in der Ausgrabung
In der Höhle von Foreidis, mitten in der Ausgrabung Emil Aljam - Israel Antiquities Authority

Entscheidender Moment in der Geschichte unserer Art

Die Fundstätte stammt aus einer Zeit, die vor der Ausbreitung der Neandertaler und der anatomisch modernen Menschen liegt. Fachleute sehen darin eine Phase tiefgreifender Veränderungen in der Lebensweise, in den sozialen Beziehungen und in der Anpassung an die Umwelt.

Nach Angaben von Schimmelmitz entwickelten sich in diesen Jahrtausenden Verhaltensweisen, die später unter menschlichen Populationen üblich wurden. Dazu gehören größere Gruppen, längere Besiedlung bestimmter Orte und eine komplexere soziale Organisation.

Die geborgenen Funde deuten außerdem auf einen intensiven Gebrauch von Feuer und auf relativ lange Aufenthalte in Höhlen hin. Das spricht für eine enge Zusammenarbeit zwischen den Individuen und für eine systematische Weitergabe von Wissen innerhalb der Gemeinschaften.

Nach Ansicht der Forschenden legten diese Veränderungen einige der kulturellen und technologischen Grundlagen, die später Neandertaler und Homo sapiens auszeichnen sollten.

Werkzeuge, Tiere und eine ressourcenreiche Landschaft

Zu den bereits dokumentierten Funden gehören zahlreiche Feuersteinwerkzeuge, die mit für die Zeit fortschrittlichen Techniken hergestellt wurden. Die Archäologen haben kleine Faustkeile, Schaber und präzise gefertigte Schneidklingen identifiziert.

Von rechts nach links: die Forscher Prof. Ron Schimmelmitz von der Universität Haifa, Dr. Kobi Vardi und Amit Gabay von der Israelischen Antikenbehörde.
Von rechts nach links: die Forscher Prof. Ron Schimmelmitz von der Universität Haifa, Dr. Kobi Vardi und Amit Gabay von der Israelischen Antikenbehörde. Emil Aljam - Israel Antiquities Authoritiy

Bei der Ausgrabung kamen auch Knochenreste von Tieren ans Licht, etwa von Pferden, Hirschen und Wildeseln. In unmittelbarer Nähe fanden sich Hinweise auf Wasser, ein Faktor, der das Gebiet für Gruppen von Jägern und Sammlern besonders attraktiv gemacht haben dürfte.

Vardi stellt die wissenschaftliche Bedeutung des Fundes in eine Reihe mit der des bekannten Fundortes Nahal Me'arot (Quelle auf Englisch), einer UNESCO‑Welterbestätte, die ebenfalls zentral für die Erforschung der Vorgeschichte im Levante ist.

Die Israelische Altertümerbehörde und die Universität Haifa wollen ein umfangreiches Forschungsprogramm entwickeln, das eine detailliertere Rekonstruktion ermöglicht: Wie diese frühen Menschen lebten, wie sie die verfügbaren Ressourcen nutzten und wie sich ihre Technologien weiterentwickelten.

Nach Abschluss der Studien möchten die beteiligten Institutionen die Fundstätte für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Ziel ist es, diese Entdeckungen den Bewohnern der Region ebenso näherzubringen wie Studierenden und Besuchern, die sich für die menschliche Evolution interessieren.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Über 2.000 Jahre alte menschliche DNA in Höhlen Spaniens und Portugals entdeckt

Forscher entdecken Riesenspinne „Megacity“ in Höhle an der albanisch-griechischen Grenze

Serbiens verborgene Schätze: Quellen, Höhlen, Wasserfälle und Heilbäder erwarten Sie