Künstliche Intelligenz treibt die Nachfrage nach IT Talenten in Europa nach oben, doch viele Unternehmen finden niemanden. Eine neue Manpower Studie zeigt, wo der Fachkräftemangel besonders dramatisch ist und warum Firmen zuerst auf Umschulung statt Neueinstellungen setzen.
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt rasant – doch der europäische Arbeitsmarkt scheint kaum Schritt halten zu können.
KI und IT zählen für Arbeitgeber und Personalvermittler inzwischen zu den am schwierigsten zu besetzenden Bereichen. Das zeigt der Bericht "2026 Global Talent Shortage" des Personaldienstleisters Manpower. Für die Studie wurden 39.000 Arbeitgeber in 41 Ländern befragt. Ergebnis: Rund sieben von zehn Unternehmen haben Probleme, offene Stellen passend zu besetzen.
Slowakei, Griechenland und Portugal am stärksten betroffen
Europa gehört zu den Regionen mit dem größten Talentmangel weltweit. Besonders angespannt ist die Lage in der Slowakei: 87 % der befragten Manager geben an, nicht alle benötigten Stellen besetzen zu können. Es folgen Griechenland und Japan mit jeweils 84 %, Deutschland mit 83 % und Portugal mit 82 %. Deutlich geringer fällt der Druck in China (48 %), Polen (57 %), Finnland (60 %) und Tschechien (61 %) aus.
Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Während 2006 noch rund 40 % der Manager über Rekrutierungsprobleme klagten, liegt der Wert 2026 laut Studie bei 72 %. Nach der COVID-19-Pandemie sei die Quote besonders deutlich gestiegen.
Auch der Blick auf einzelne Branchen zeigt, wie groß die Engpässe sind: Besonders schwierig ist die Rekrutierung in IT (75 %), im Gastgewerbe (74 %), im Gesundheitswesen (74 %) sowie in wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (73 %).
Am stärksten betroffen sind große Unternehmen mit 1.000 oder mehr Beschäftigten. Dort liegt die Quote des Fachkräftemangels bei mindestens 74 %.
Welche Fähigkeiten sind besonders gefragt?
Bei den am stärksten nachgefragten Fähigkeiten liegt der Schwerpunkt in Großbritannien und weiten Teilen Europas auf IT und KI. Britische Unternehmen suchen vor allem Mitarbeitende, die KI-Modelle anwenden (19 %), Apps entwickeln (17 %) oder über klassische IT- und Datenkompetenzen verfügen (17 %).
In Frankreich ist das Bild ähnlich: Hier fehlen vor allem KI-Kenntnisse (19 %) sowie IT- und Datenkompetenz (16 %). Zusätzlich werden dort häufig Fertigungskenntnisse genannt (16 %). In Deutschland, Italien und Spanien zeigen sich vergleichbare Muster.
Allerdings geht es nicht nur um KI: In Schweden (26 %), den Niederlanden (28 %), Tschechien (31 %) und der Slowakei (31 %) werden besonders Ingenieure gesucht.
In Belgien (19 %), Irland (18 %) und Norwegen (18 %) zählt dagegen die Logistik zu den schwer zu besetzenden Bereichen. Griechenland fällt in der Studie zudem als einziges Land auf, in dem Personalfachleute besonders stark nachgefragt werden (21 %).
Wie reagieren Arbeitgeber auf den Mangel?
Die vollständige Manpower-Studie, die Europe in Motion vorliegt, zeigt auch, welche Soft Skills Arbeitgeber besonders häufig nennen: Teamwork und Zusammenarbeit, Arbeitsethik, Anpassungsfähigkeit, Problemlösung und Zeitmanagement.
Auffällig ist außerdem, wie Unternehmen den Fachkräftemangel beheben wollen: Viele setzen zuerst auf interne Lösungen statt auf Neueinstellungen. Am häufigsten genannt wird die "Höherqualifizierung und Umschulung der derzeitigen Mitarbeiter" (27 %). Es folgen flexiblere Arbeitszeiten (20 %) und höhere Gehälter (19 %).
Die Ausweitung des Talentpools durch externe Rekrutierung landet erst an vierter Stelle (18 %) – gleichauf mit dem Angebot von mehr Flexibilität beim Arbeitsort.