Am Mittwoch stellt der Bundesverteidigungsminister eine neue Strategie für die Reserve der Bundeswehr vor. Vorab meldet sich der zuständige Verband zu Wort und fordert, die Altersgrenze für Reservisten um fünf Jahre anzuheben.
65 Jahre ist derzeit das Höchstalter für Reservisten in der Bundeswehr. Das könnte sich ändern. Der neue Präsident des Reservistenverbands, Bastian Ernst, plädiert dafür, die Altersgrenze für Reservisten auf 70 Jahre anzuheben, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte er, auch das Renteneintrittsalter steige, viele Menschen blieben länger fit.
Zudem betonte Ernst, die Erfahrung älterer Menschen dürfe nicht ungenutzt bleiben. Wenn es auf der einen Seite Nachwuchsprobleme gebe, müsse man auf der anderen Seite der Alterspyramide gegensteuern.
Eine entsprechende Regelung solle im geplanten Reservestärkungsgesetz verankert werden.
Reservisten der Bundeswehr sind derzeit nicht verpflichtet, an Wehrübungen teilzunehmen. Sowohl sie selbst als auch ihre Arbeitgeber müssen einer Teilnahme erst zustimmen. Dieses Freiwilligkeitsprinzip steht seit längerem in der Kritik. Ernst spricht sich dafür aus, das Zustimmungserfordernis der Arbeitgeber bei Wehrübungen abzuschaffen. Diese sollten kein Vetorecht mehr haben, wenn Reservisten zu Übungen einberufen werden.
Die Reservisten selbst sollten aber nicht gezwungen werden.
Tatsächliche Zahl der Reservisten - unbekannt
Auf die Frage nach der momentanen Anzahl der Reservisten erklärte Ernst, dass das Verteidigungsministerium diese Zahl nicht exakt kenne und eine Erfassung schwierig sei. Bekannt sei jedoch, dass acht bis neun Millionen Menschen bereits bei der Bundeswehr gedient hätten. Zudem seien rund 60.000 Reservisten fest eingeplant und damit kurzfristig verfügbar. Diese Zahl solle laut Wehrdienstmodernisierungsgesetz bis 2035 auf 200.000 steigen. Der Verband selbst zählt derzeit etwa 110.000 Mitglieder.
Die künftige Wehrerfassung solle nun für eine genauere Datenbasis sorgen.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will am Mittwoch eine neue Militärstrategie sowie das künftige Fähigkeitsprofil der Bundeswehr vorstellen. Die Strategie soll darlegen, wie Deutschland künftig auf Bedrohungen reagieren und ihnen begegnen will. Noch im Sommer soll das entsprechende Gesetz auf den Weg gebracht werden.