Die deutsche Hauptstadt zählt deutlich weniger Übernachtungen als noch vor wenigen Jahren. Besucher klagen über Müll, Verkehrsprobleme und schwindende Kulturangebote.
Es sieht schlecht aus für Berlin: Die deutsche Hauptstadt scheint immer uninteressanter für Touristen zu werden. Jahrelang stiegen die Besucherzahlen und erreichten ihren Höhepunkt im Rekordjahr 2019. Damals zählte Berlin 34,1 Millionen Übernachtungen. Doch wenige Jahre später scheint sich der Trend umzukehren: 2025 waren es nur noch 29,4 Millionen Übernachtungen – ein Minus von fast 15 Prozent.
Der Großteil der Berlin-Besucher kommt dabei aus Deutschland: Sie machen mit 7,9 Millionen der insgesamt 12,4 Millionen Besucher im Jahr 2025 mehr als 60 Prozent aus.
Einige von ihnen sind Kunden des Stadtführers Reinhold Steinle. Steinle hat sich auf Touren im Bezirk Berlin-Neukölln spezialisiert, bekannt für seine Vielfalt und arabischen Restaurants. "Einerseits beklagen sich wirklich viele über die Sauberkeit, die sind erschrocken über die Verschmutzung", erklärt Steinle.
Etwa 54.000 Kubikmeter illegal abgestellten Müll entsorgte die Berliner Stadtreinigung BSR im Jahr 2024 – so viel Volumen wie 22 olympische Schwimmbecken haben. In manchen Teilen der Stadt gehört Müll inzwischen fest zum Stadtbild.
Auch die Verkehrssituation würden viele als "sehr schwierig" empfinden, so Steinle weiter. "Zugausfälle, S-Bahn-Ausfälle und überfüllte Busse. Das sorgt bei vielen auch für Frust."
Hälfte der Clubs könnten geschlossen werden
Touristen würden immer seltener wiederkommen, weil der "Flair" und der "Reiz" Berlins nachlassen würden, so Steinle. Die Stadt werde immer weniger spannend. "Das hängt mit Kultur zusammen, mit den Kürzungen im Kulturbereich und den erschwerten Bedingungen, um Kultur zu machen."
Die erschwerten Bedingungen zeigen sich deutlich: In der einstigen Technohauptstadt müssen immer mehr Clubs und kulturelle Freiräume dichtmachen. Etwa die Hälfte der Berliner Clubs ist von Schließungen bedroht, so der Interessenverband Clubcommission.
Ein Problem, vor dem bald auch Ludwig Eben stehen könnte. Seit Langem betreibt er den Humboldthain Club. Doch nun soll nebenan ein Hotel gebaut werden. "Wenn ein Hotel da gebaut wird, ist das Problem, dass die Leute schlafen wollen. Wenn die Fenster in Richtung Club gehen, dann ist die Gefahr da, dass Lärmanzeigen kommen und über kurz oder lang der Club schließen muss."
"Clubkultur ist für Touristen wichtig und auch für alle, die in Berlin wohnen. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig Treffpunkte sind. Wo soll man sich sonst treffen? Bei McDonalds?", so Eben weiter.
Mit allen Mitteln versucht Eben, sich dagegen zu wehren. Er will erwirken, dass das Hotel zumindest keine Fenster in Richtung des Clubs bauen darf.
Alle Mitglieder der zuständigen Bezirksverordnetenversammlung hätten für den Erhalt seines Clubs gestimmt. Doch schwarz auf weiß hat Eben trotzdem nichts in der Hand. "Ich kann so keine Mietvertragsverlängerung machen", erklärt der Clubbetreiber. "Die Stadt hat sich nicht zum Positiven entwickelt, weil solche Orte eigentlich alle ausgemerzt wurden. Es gibt nur noch wenige Sachen von denen, die Touristen lange hergelockt haben."
Der Berliner Senat für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat auf eine Anfrage von Euronews nicht reagiert.