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Viehdiebstahl in Deutschland: Banden plündern Bauernhöfe

Rinder stehen am Freitag, dem 5. Dezember 2025, auf der Darr Feedlot Ranch in Cozad im US-Bundesstaat Nebraska an einer Futterrinne aufgereiht.
Rinder stehen am Freitag, dem 5. Dezember 2025, auf der Darr Feedlot Ranch in Cozad im US-Bundesstaat Nebraska an einer Futterrinne aufgereiht. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Viehdiebstähle werden in Deutschland zu einem Problem für die Landwirtschaft, teils verschwinden ganze Tierbestände über Nacht. Neben den finanziellen Schäden belasten die Taten die betroffenen Landwirte auch emotional. Ermittler gehen von professionell organisierten Banden aus dem Ausland aus.

Ein Landwirt aus Raddusch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat an diesem Freitagmorgen der Polizei gemeldet, dass seine Herde mit 48 Rindern von der Weide gestohlen wurde. Der entstandene Schaden wird auf rund 75.000 Euro geschätzt.

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Erst rund 14 Tage zuvor hatten Unbekannte Nahe Herzberg im Elbe-Elster Kreis in Brandenburg 74 Rinder gestohlen. Am Tatort wurden Lkw-Spuren gefunden.

Im April kam es zu einem Fall in Falkenberg, ebenfalls im Elbe-Elster Kreis, wo 69 Kälber aus einem Zuchtbetrieb verschwanden. Über eine abgelegene Zufahrt gelangten die Täter offenbar mit einem großen Lastwagen auf das Gelände, laut Ermittlern vermutlich einem 40-Tonner mit Sattelauflieger, und fuhren direkt bis an die Stalltür. Im Stall wählten sie gezielt weibliche Kälber im Alter von drei bis sechs Monaten aus und trieben schließlich 69 Tiere auf den Lkw.

Polizei vermutet organisierte Tätergruppen

Diebstähle von Nutztieren in Deutschland – Schafe, Rinder, Gänse, selbst Bienenvölker – entwickeln sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem.

Nach aktuellen Erkenntnissen häufen sich insbesondere in Ostdeutschland Fälle, bei denen größere Tierbestände offenbar gezielt von organisierten Tätergruppen entwendet werden. Dabei gilt derzeit vor allem Brandenburg als Schwerpunkt.

Nach Einschätzung der Ermittler handelt es sich häufig um professionell organisierte Banden. Die Täter kommen nachts. Um die Herkunft der Tiere zu verschleiern, werden Ohrmarken entfernt oder durch gefälschte Kennzeichnungen ersetzt.

Teilweise gibt es Hinweise darauf, dass Beruhigungsmittel eingesetzt werden, damit die Tiere beim Verladen ruhig bleiben.

"Farm Crime" wird für Landwirte zur wachsenden Belastung

Die zunehmende Kriminalität im ländlichen Raum wird inzwischen häufig unter dem Begriff "Farm Crime" zusammengefasst. Neben Viehdiebstählen geraten auch teure landwirtschaftliche Geräte und GPS-Systeme von Traktoren verstärkt ins Visier von Kriminellen.

Während einige Bundesländer wie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern steigende Fallzahlen registrieren, meldeten andere Regionen wie Schleswig-Holstein zuletzt einen leichten Rückgang – allerdings weiterhin auf hohem Niveau. Im November vergangenen Jahres brachte der NDR eine Reportage mit dem Titel "Tatort Bauernhof: Diebstahl auf dem Land" heraus. Darin hieß es, dass weit mehr als die Hälfte der Landwirte in Norddeutschland von Diebstählen betroffen seien, neben Tieren wird demnach auch Ernte und Landtechnik entwendet.

Landwirte verunsichert

Viele Betriebe reagieren inzwischen mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Dazu zählen Videoüberwachung, bessere Beleuchtung von Stallanlagen sowie digitale Warnnetzwerke unter den Landwirten, etwa über regionale WhatsApp-Gruppen. Ziel ist es, verdächtige Beobachtungen schneller zu teilen und Diebstähle möglichst früh zu verhindern.

Weil Nutztiere in Deutschland zentral registriert werden, vermutet die Polizei, dass viele der gestohlenen Tiere ins osteuropäische Ausland oder in Staaten außerhalb der EU gebracht werden. Grundsätzlich müssten Tiertransporte beim Grenzübertritt kontrolliert werden. Möglicherweise werden die Tiere in geschlossenen Lkws, die nicht für den Tiertransport zugelassen sind, über die Grenze geschleust.

Tatsächlich gibt es laut Bundesregierung keine offizielle statistische Erfassung aller Fälle und Tatorte, was den Diebstahl von (Nutz-)Tieren betrifft. Der Grund: Weil Tiere in Deutschland als "Sache" gelten, gehen Taten dieser Art in der Kriminalstatistik als Diebstahl von "Gegenständen" unter.

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